SERIE

 

KOMM!


Ein Verkündigungsspiel über das Gleichnis "Vom reichen Mann und armen
Lazarus" Luk 16,19 - 31


PERSONEN
Moderator
Frau Dr. Skalpell, Ärztin
Pfarrer Jedermann
Prof. Denker, Philosoph
Frau Dr. Jura, Politikerin
Lazarus
Samuel, Pastor
Singgruppe
Herr Egon Macher, Manager
Seine Gattin
Tochter Julia
Söhne Theo und Pascal
Tod
Frauen
Engel
Abraham
Gemeinde

Eingang: Gleichnis vorlesen
 


SZENE I

Konferenztisch, Moderator mit Diskussionsteilnehmern. Als Publikum gelten
die anwesenden Gäste.)

Moderator: Meine Damen und Herren, ich begrüsse Sie zur Gesprächsrunde
Moment mal. Wir freuen uns, dass Sie zu dieser Runde gekommen sind. Ich
grüsse ebenso die Zuschauer und Zuschauerinnen zuhause, die jetzt das
Fernsehen eingeschaltet haben.
 
Unser heutiges Thema ist ein sehr ernstes, obwohl es vielleicht gerade
deshalb sehr oft verdrängt wird. Wir halten einen Moment mal ein und
sprechen über Sterben und Tod. Man sagt, dass ein Mensch ab seinem
vierzehnten Lebensjahr einmal am Tag an den Tod denkt. Jeder und jede, und
jeden Tag. Der Tod gilt als wichtigste aller menschlichen Erfahrungen. Also
ein Thema, das uns beschäftigen muss.

Und so darf ich jetzt die Expertenrunde begrüssen: Als Ärztin Frau Dr.
Skalpell; für die Theologie Herr Pfr. Jedermann; für die Philosophie Herr
Prof. Denker; als Manager Herr Macher, aus der Politik Frau Dr. Jura, und
schliesslich als Mann aus dem Volk Herr Lazarus. Ich danke Ihnen, dass Sie
bereit sind, an dieser Runde teilzunehmen.

Und nun: Moment mal, Frau Dr. Skalpell. Bevor wir uns dem umfassenden
Begriff Tod zuwenden, zuerst einmal ein Wort zum Sterben. Uns interessiert,
was Sie als Ärztin und Chirurgin dazu sagen.

Frau Dr. Skalpell: Ich möchte mich jetzt nicht auf die Auseinandersetzung
Leib-Seele einlassen. Die ist recht kompliziert und wirft mit Fachausdrücken
um sich wie psychophysischem Dualismus, biopsychosozialen Modellen usw.
Überlassen wir die Seele der Zirbeldrüse -oder natürlich auch dem Herrn
Pfarrer-, und gehen vom rein pragmatischen Denkansatz aus. Da ist das Gehirn
ein äusserst kompliziertes Organ, das zeigt, wie komplex unsere Physis ist.
Es allein hat schon hundert Milliarden Nervenzellen. Als Ärzte stellen wir
den Tod nicht etwa beim Herzstillstand fest, sondern beim Hirntod. Da würde
ich vor zwei Extremen warnen: Einerseits vor dem Schrecken des Todeskampfs.
Den gibt es zum Beispiel beim Sekundentod überhaupt nicht. Beim längerem
Sterben wird nicht nur unsere Psyche vorbereitet, sondern auch die Organe
unseres Körpers, also der ganze Prozess des Abbaus. Und zum andern möcht ich
doch auch vor Verharmlosung warnen...

Pfarrer Jedermann: (Zwischenruf) Frau Kübler-Ross!

Frau Dr. Skalpell: Vielleicht, vielleicht. Sie meinte ja, das Sterben sei
etwas Wunderbares. Nein, man muss schon der Tatsache ins Auge sehen, dass es
manchmal eine recht schwere letzte Phase des Lebens sein kann. Es geht nicht
nur darum, dass wir sterben, sondern um die Frage, wie wir sterben. Heute
gibt es ja viele Bücher, in denen Mediziner schildern, was da abläuft bei
Krebs, Herzinfarkt, Alzheimer, Aids usw.

Moderator: Herzlichen Dank Frau Dr. Skalpell. Herr Professor Denker, gehen
wir mal ins Philosophische. Was würden sie von dieser Sicht zur Bedeutung
des Todes sagen?

Prof. Denker: Ja, welcher Philosoph hätte nicht darüber nachgedacht,
gebrütet, philosophiert! Nicht nur sie, auch alle die grossen Dichter und
Denker. Um bei den Philosophen zu bleiben, müssten wir da reden von den
antiken wie Sokrates und andere, im Mittelalter von so grossen Denkern wie
Augustinus, dann über Kant und Hegel bis zur Neuzeit von Heidegger usw. Und
jetzt müssten wir, mal -abgesehen vom Fach-Kauderwelsch Frau Dr. Skalpell!-
das alles auffächern, was der Tod so grundsätzlich in Frage stellt: Wozu
sind wir hier? Hat das Leben einen Sinn? Und dann kommt eins zum andern:
Genuss, Familie, Erfolg, Geld, Freiheit, Arbeit, Arbeitslosigkeit. Alles
Fragen, auf die der Mensch keine endgültige Antwort findet. Lassen Sie es
mich für den Philosophen den Moment mal so sagen: Wir finden die Antworten
auch nicht. Wir können lediglich nachdenken und können immerhin sagen,
weshalb wir Fragen nicht beantworten können. Schliesslich bleibt dem
Philosophen wie dem Theologen, Herr Pfarrer, nicht mehr, als sein Leben lang
im Zweifel zu verbringen und das müssen wir lernen auszuhalten.

Moderator: Jetzt sind Sie, Herr Pfarrer direkt angesprochen.

Pfr. Jedermann: Ja, Herr Professor Denker, schon Luther hat gesagt: "Das
Zweifeln fällt dem Menschen so leicht, weil es ihm angeboren ist." Aber als
Theologen und als Pfarrer haben wir schon eine andere als eine so
pessimistische Schau, Herr Professor. Es gibt doch noch einen Gott, den
Schöpfer des ganzen Universums. Und dieser Schöpfergott ist ein guter
Gott...

Herr Macher: (Zwischenruf, lachend) ...das glaubte ich auch bis ich sah,
wie unsere Katze einen Vogel gefressen hat.

Pfr. Jedermann: Moment, Moment mal Herr, Herr...(Macher!) ja Macher. Da
müssten wir uns mal über das Böse unterhalten, das Dunkle, den Abgrund von
Macht, Mord, Totschlag, Verzweiflung usw. Nein, nein, Gott ist ein guter
Gott. Und, Frau Dr. Skalpell, ihre Zwirbeldrüse in Ehren - wir gehen von
einer ewigen Existenz der Seele aus, von einem Himmel...

Frau Dr. Skalpell: ...die Hölle ist natürlich nicht gefragt.

Herr Macher: Warten Sie, warten Sie, Frau Doktor, vielleicht kommt's noch,
die alte Masche der Kirche mit Zuckerbrot und Peitsche.

Pfr. Jedermann: ... gehen aus von der ewigen Existenz der Seele, vom
Himmel, vom frohen Klang des Evangeliums.

Prof. Denker: Ha, ha, das kennen wir. So einfach ist das: Ende gut alles
gut!

Moderator: Das geht hier ziemlich rege zu. Also Moment mal zu etwas
irdischerem Umfeld und damit zu Ihnen, Frau Doktor Jura! Was würden sie von
diesem nüchternen Umfeld aus sagen?
Frau Dr. Jura: Na ja, auch wir in der Politik beschäftigen uns natürlich mit
dem Sterben. Recht heiss ist die Debatte zur Zeit über Sterbehilfe, dann
geht's wieder einmal um Grabstätten für Moslems usw. Aber etwas, was uns
allen näher ist: Nichts ist so sicher wie der Tod - und trotz aller
Aufklärung und Aufrufe verpassen immer noch viele das Naheliegendste: ein
anständiges Testament anzufertigen. Ich bitte Sie um Himmels willen...
  
Herr Macher: Schon wieder der Himmel!

Frau Dr. Jura: ...ja um Himmels willen! Es heisst ja auch irgendwo in der
Bibel Herr Pfarrer: "Bestelle dein Haus!" Wenn Sie's noch nicht getan
haben, tun's Sie doch jetzt.

Herr Macher: ...und brauchen Sie gründliche Beratung, melden Sie sich bei
Frau Dr. Jura!

Frau Dr. Skalpell: Also Herr Macher, warum immer so spitz!

Herr Macher: Kann ich Ihnen sagen Frau Doktor. Weil mich diese Debatte
vorkommt wie lauer Tee. Sie wissen, ich bin Unternehmer, wir sind gewohnt,
Klartext zu reden. Und jetzt sage ich Ihnen: Sterben, Tod - das ist der
absolute Skandal! Da setzt mich die Evolution in diese Welt...

Pfr. Jedermann: Sie meinen Gott!

Herr Macher: ...Nennen Sie's wegen mir Gott. Also, ungefragt setzt man uns
in diese Welt, da baust du dir mit Blut, Schweiss und Tränen was auf, und
hast du nach Jahrzehnten etwas erreicht, fängt unser Gestell an zu
schmerzen, zu rosten, zu schlottern - und dann Vogel, friss und stirb.

Moderator: Moment mal, nicht gerade ein sehr positives, aber doch ein
kräftiges Schlusswort...

Frau Dr. Jura: Sollte nicht Herr Lazarus noch etwas sagen?

Moderator: Aber natürlich! Fast wäre das noch untergegangen. Bitte, Herr
Lazarus!

Herr Lazarus: Sie wissen, ich bin krank, arbeitslos, trage eigentlich das
Sterben schon an meinem Leibe. Ich wundere mich, dass ich überhaupt in Ihre
illustre Runde komme.

Moderator: Gerade weil wir das von Ihnen wissen, ist uns Ihre Stimme
wichtig!

Herr Lazarus: Und ich habe auch die wichtige Botschaft. Die Botschaft vom
Kreuz Jesu Christi. Er ist als Sohn Gottes für meine Sünden gestorben. Er
hat mich zum Kind Gottes gemacht. In seiner Hand bin ich, trotz Krankheit
und Not im Leben. Und In seiner Hand werde ich sein im Sterben. Und das
bedeutet für mich Eingang zu Ihm ins Paradies. sterben werde auch ich, aber
den Tod werde ich nicht einmal sehen. Sondern ich werde leben, in einer
Ewigkeit der Herrlichkeit. Darum ist Sterben für mich kein Skandal, sondern
ein unermesslicher Gewinn!

Moderator: Moment mal - Ihr Schlusswort verschlägt uns ja fast den Atem! Ich
denke, Sie alle, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen finden mit mir: Es war eine
interessante Runde! Mit wichtigem Stoff zu anregenden Gesprächen.

Herzlichen Dank - bis zum nächsten Mal!

Alle: (monoton) Bis zum nächsten Mal
                                Bis zum nächsten Mal
(Podiumsteilnehmer beginnen miteinander zu diskutieren.
Vorhang zu.)



SZENE II

(Vorhang auf. - Lazarus,schlichte Behausung. Liegt bekleidet auf einer Art Diwan, dämmert. Pastor Samuel tritt zu ihm.)

Samuel: Halllllo, Lazarus. (Lazarus, wird verwundert, dann erfreut wach, weist auf Stuhl, Samuel setzt sich.) Schön, dich anzutreffen. Zuerst mal Gratulation zu deinem Beitrag in Moment mal. Wir haben's am Fernsehen mit Bangen mitverfolgt.

Lazarus: Ach, es war bescheiden genug.

Samuel: O nein, das war präzise und mit ein paar Worten ein wirklicher Volltreffer! (Lazarus lächelt, wehrt mit der Hand bescheiden ab. - Pause) Wie geht's, Lazarus?

Lazarus: ( leise) Dem Herzen im Brustkasten nicht gut. (lbestimmt) Aber das Herz im Herrn sehr gut! Was will ich da klagen?

Samuel: Aber was heisst "körperlich nicht gut"?

Lazarus: Was ich sage. Ich spüre schon, mein Leben hier geht wohl zu Ende.
Und das ist gut. Es geht heimwärts. Es geht mir wie Paulus, der sagt: "Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christus zu sein."

Samuel: Aber Lazarus, lass dir doch etwas helfen. Wir sind doch als Gemeinde da. Wir können dich etwas pflegen, dir das Essen bringen...

Lazarus: Ach, Samuel, lass es. Was willst du andere für mich bemühen. Lass doch die Hunde meine Schwären lecken...(lacht)

Samuel: Lazarus!

Lazarus: (müde, aber froh) Ich bin schon seit Jahren allein, und glücklich.
Gibt es grösseren Reichtum als zu Christus gefunden zu haben? Und zum Äussern, ich hab was ich brauche. Denk, eben hat mir Herr Macher, der gegenüber wohnt -du hast ihn am Fernsehen mit mir gesehen- zwei Sandwiches rübergesandt.

Samuel: Zwei Sandwiches?!

Lazarus: Ja, zwei Sandwiches - alle meinen es gut mit mir.

Samuel: Lazarus, wir hätten eine Überraschung. (Pause, Lazarus schaut
verwundert)

Lazarus: Ja, und das wäre?

Samuel: Du weisst, wir haben einen kleinen Chor in der Gemeinde. Der möchte dir eines deiner Lieblings- Lieder singen. Dürfen wir?

Lazarus: Wunderbar. (Gruppe tritt ein, stellt sich auf und singt als
Chor/Solo/Duo. Lazarus stützt seinen Kopf, sein strahlendes Gesicht ist
frei)

Fass meine Hand! Ich bin so schwach und hilflos, dass keinen Schritt ich wage ohne Dich.
Fass meine Hand, und dann o lieber Heiland, kann Furcht vor Leiden nicht mehr ängsten mich.

Fass meine Hand und zieht mich näher zu Dir, denn deinem Herzen möchte nah ich sein!
Fass meine Hand, ich möchte anders irren vom graden Wege, ginge ich allein!

Fass meine Hand! Der Weg liegt dunkel vor mir, wenn mir Dein Angesicht nicht zugewandt.
Wenn Himmelslicht den finstern Pfad erhellet, o Wonne, dann zu gehn an deiner Hand!

Fass meine Hand, und wenn am Todesjordan, den du für mich durchkreuzt, ich einst werd stehn.
Lass Himmelslicht von deinem Thron mir leuchten, lass auch im Schreckenstal mich furchtlos gehn.

(Während des letzten Vers wird Licht heller. Pause. Dann kniet Samuel nieder, birgt sein Haupt an Samuel und sagt ergriffen:)

Samuel: Lazarus, du warst uns der geistliche Vater.¨

Alle: (Neigen Haupt zum Gebet)
O Wonne, dann zu gehn an deiner Hand.
O Wonne, dann zu gehn an deiner Hand.
(neigen Haupt betend. Vorhang zu.)



SZENE III

(Moderner Bürotisch, grosses modernes Gemälde. Herr Macher sitzt am Pult,
Beine auf Bürostuhl, telephoniert)

Herr Macher: Ja, ja, das weiss ich schon. Aber ich wiederhole: Der bringt
mit seiner Abteilung keine bessere Rendite hin, das ist ein netter Kerl,
aber ein Weichei! Es langt jetzt, ich will, dass ihm gekündigt wird.
(Partner redet )

Herr Macher: Ja, ja.......ja schon.....Wir haben auch Familie... ja, muss
halt was finden. Also definitiv: Brunner wird gekündigt, ich will die
Kündigung morgen zur Unterschrift auf dem Tisch haben. Fertig.
(Gattin kommt, setzt sich)

Gattin: Alles OK?

Herr Macher: Ja doch, alles bestens! - Du weisst, ich habe dich und die
Jungen zu mir gebeten, um ihnen unsere Gedanken, wie es mit unserem
Unternehmen weitergehen soll zu eröffnen. Damit es etwas amtlichen
Charakter hat, hier im Büro und nicht gemütlich zuhause ums Kamin. Wenn's
dann geregelt ist mit Advokaten und so, kommt das Festliche noch früh
genug. Wenn du einverstanden bist, rufe sie doch.

Gattin: Ja doch, ich hole sie.

(Julia stürmt herein, fällt Macher um den Hals, dann)
Julia: Papa, heute Abend gehen wir ja zur Volksoper.. Ich muss zur
"lustigen Witwe" das Festkleid haben. Weisst du, das aus Leinen, das
purpurne. Papa, darf ich's mir holen?

Herr Macher: Was kostet's denn schon wieder?

Julia: Ach, Papa! Wird ja bei uns gemacht.

Herr Macher seufzt fröhlich: Na, dann hol dir's doch.

Julia: (fällt ihm um den Hals) Papa, du bist ein Schatz.

Herr Macher: He, nicht so stürmisch! Aber geh halt ins Studio - und grüss
mir die Chefin.

(Gattin mit den Söhnen Pascal und Theo kommt herein, alle nehmen Platz)

Herr Macher (geht auf und ab): Ja, meine Lieben. Ich und Mama haben euch zu
uns gebeten, um euch zu eröffnen, wie wir uns die nächste Zukunft
vorstellen. Mit unsern Fünfzig sind wir ja noch jung, viel zu jung, um etwa
schon ans Aussteigen zu denken. Aber unser Unternehmen ist gross und
kompliziert, und ich will, dass ihr nun in konkrete Verantwortlichkeiten
eingeführt werdet. Ihr habt euer Studium vorerst mal beendet. Theo du bist
Ingenieur, Pascal, du bist Wirtschaftsfachmann. Es ist klar, dass du, Theo,
nun in die mechanischen Abteilungen einsteigst, und du, Pascal ins
Management...

Pascal: Entschuldigung, Papa, darf ich etwas sagen?

Herr Macher: (verwundert) Tja, ich hab doch eben angefangen. Aber wenn du
meinst...

Pascal: Ich möchte dir wirklich danken, für all das Gute, das wir empfangen
dürfen. Auch für die Möglichkeit des Studiums, und, was das Management
anbetrifft, du soviel Vertrauen hast. Aber ich möchte als Nächstes ein
Bibelseminar absolvieren, genauer, eine Pastorenausbildung...
Herr Macher (entsetzt, explodiert) Das darf doch wohl nicht wahr sein! Da
bilden wir dich jahrelang aus, buttern Geld und nochmals Geld in unser
Söhnchen - und jetzt will der brave Jüngling Pfaff studieren.
Bibelseminar... nicht mal eine Universität, aber auch das wäre der Hammer.
Mir greift das ans Herz!

Gattin:(mütterlich) Egon, jetzt hör doch mal. Wir dürfen und können ja den
Lebensweg unserer Kinder nicht nach unseren Wünschen erzwingen. Sicher, du
hast das Unternehmen mit Herzblut aufgebaut und zum Erfolg gebracht. Grosse
Opfer auch in unsere Jungen und ihre Ausbildung usw. gesteckt. Schön wäre
es, beide Söhne würden in die Verantwortung hineinwachsen. Nun ist Theo
dazu bereit. Und das ist doch etwas! Aber wenn Pascal jetzt - wenigstens
vorläufig- einen andern Weg...

Herr Macher: Schön wäre es, schön wäre es...Steckst du etwa unter der
gleichen Decke?! Bist du etwa auch angefressen von dieser Sekte?
Gattin: Egon, es ist keine Sekte. Ich hab' mir das gut angeschaut. Es geht
um eine lebendige Gemeinschaft, die ganz dem Evangeliium verpflichtet ist.
Herr Macher: Bah, ganz dem Evangelium verpflichtet - bin ich nicht auch
Christ. Ich bin noch bei jeder Taufe, bei der Konfirmation, bei jedem
Familienereignis mit in die Kirche!

Pascal: Papa, ich habe ja grossen Respekt vor deiner Lebensleistung. Aber
ich kann mich mit meinem ganzen Leben nicht in ein solches Riesenunternehmen
investieren - und über der Strasse lebt einer, der kaum was zu beissen hat.

Herr Macher: So, so, bin ich also ein Unmensch. Und er Mann über der
Strasse, du spricht von dem..., von dem...., von dem Lazarus?! Tja, dem hab'
ich kürzlich zwei Schinkenbrote rübergeschickt. - Aber Schluss jetzt. Für
den Moment hab ich die Nase gestrichen voll! Bitte geht jetzt...und lasst
mich allein.

Pascal: Aber Papa...

Herr Macher: ..BITTE!

Gattin: Papa, hör jetzt doch...

Herr Macher: Genug gehört, genug gehört Mam. Verstehst du denn nicht:
Jetzt, wo ein weiterer grosser Zweig möglich wird, für den sich hundert die
Finger schlecken würden -ich erwarte jeden Augenblick das Telephon-, steigt
mein hochverehrter Sohn aus, in eine BBBibelschule.

Theo: Papa...

Herr Macher: ...bläst du hoffentlich noch ins gleiche Horn. Genug jetzt,
(eindringlich) darf ich bitten, geht jetzt.

Gattin: (steht auf, die andern auch) Also denn, gehen wir. (Im Gehen) Und
wie ist''s mit der "Lustigen Witwe" heute Abend?

Herr Macher: Ich hab von "lustig" genug, und eine Witwe wirds bald mal
geben. Geht ihr. Mir ist's wahrhaftig nicht um Operetten..

Gattin: Egon, es kommt schon gut. (Ab. Telephon klingelt, Macher ergreift
Hörer, ärgerlich)

Herr Macher: Es kommt schon gut, es kommt schon gut....(auflebend, aber
nicht zu froh) Hi Künzli! Alles unter Dach?! Endlich mal eine gute
Nachricht. .... Ja, nur so. Also, Volltreffer. Gratulation! Bietet den
Verwaltungsrat zu dringlicher Sitzung auf, Dienstag, sechs Uhr,
Sitzungszimmer in der Krone, anschliessend um sieben Uhr Festessen....Danke!
(Hörer auf, nach Pause) So ein Schlag. Aber immerhin im Konzern ein
weiterer Schritt nach vorn. Eine tolle Perspektive...

(Tod tritt mit langsamen Schritt ein, bleibt vor Macher stehen, dieser duckt
sich entsetzt)

Tod: ( monotone Stimme) Tolle Perspektive. Du Narr. Jetzt fordere ich
deine Seele von dir. Komm.

Herr Macher: (entsetzt) Nein, nein. Das darf doch nicht wahr sein.--- Noch
nicht, jetzt noch nicht. Ich bin überhaupt nicht bereit.

Tod: Komm.

Herr Macher: Bitte, um Gottes willen, bitte, gib mir noch ein paar Tage
Zeit!

Tod: 50 Jahre sind Zeit genug. Komm. (geht mit ausgestrecktem Arm auf
Macher zu, berührt seine Schulter. Macher stürzt tot zu Boden, Tod langsam
ab - nach Pause)

Julia (streckt Kopf herein, sieht Macher nicht) Paps! Hallo! Auf zur
lustigen Witwe! (sieht Macher, entsetzt, ruft Familie zu) Papa ist tot!!
Papa ist tot!!

Alle: Papa ist tot.
         Papa ist tot. (Vorhang zu)

 

SZENE IV

(Frauen in schwarz, sitzen um zwei Tischschen im Café, sprechen leise
miteinander, Frau kommt hinzu)

Frau: (lauter) Schieben wir doch die Tische zusammen, es haben alle Platz.
(Schieben die beiden Tische zusammen)
Ich fand das eine Superbeerdigung, wenn man das Wort verwenden darf.

Frau: Mensch, der Riesenauflauf! Da war ja fast die ganze Stadt beisammen.

Frau: Es hatten nicht mal alle Platz in der Stadtkirche.

Frau: Als Organisten hat man einen von aussen kommen lassen.

Frau: Und alles umrahmt von der Stadtmusik. Mir ging der Fahnenakt unter
die Haut.

Frau: Ja nicht nur die Stadtmusik, auch der Stadtammann und die von der
Regierung.

Frau: Fräulein, bitte noch ein Kaffee! (zwei, drei andere: Mir auch grad
einer!)

Frau: Auch der Pfarrer hat,s gut gemacht. Man kann gegen ihnen sagen was
man will, aber Beerdigungen managt er toll.

Frau: Ich kam etwas spät - was hat er in etwa gesagt?

Frau: Ja, aus der Bibel hat er was gelesen...aber frag mich, was.

Frau: Den Macher hat er gerühmt, was er so war, was er für Stadt und Volk
Verdienste haben soll.

Frau: Die hat er aber auch!

Frau: Übrigens, als wir auf den Friedhof kamen, war da eben eine andere
Beerdigung fertig. Ganz am Rand, und eine kleine Gesellschaft. Aber
trotzdem...

Frau: ...wieder einmal eine Organisation! Wer wurde denn beerdigt?

Frau: Soviel ich weiss einer von einer Sekte...

Frau: Ja, ja, der.. der.. Kranke, der gerade gegenüber Machers wohnte. Der
serbelt schon lang.

Frau: Na ja, Spinner gibt's halt überall.

Frau: (streckt Arm hoch) Fräulein, mir noch ein Kaffee!

Alle: (strecken Arm hoch)
         Mir noch ein Kaffee
         Mir noch ein Kaffee! (Vorhang zu)

 

SZENE V

(leere Bühne, hell erleuchtet. Engel in weisser Kleidung bringen Lazarus, ebenfalls in Weiss,  dieser bleibt stehen, Engel hinter ihm, nach Pause, hebt eine Hand)

Lazarus:  Welch ein Anblick! Welche Herrlichkeit! Alles im Licht. Welche Scharen von Engeln. Welch herrliche Musik, wie gewaltiges Wasserrauschen.
Und da, da in der Mitte - dass muss mein Jesus sein. Einem Menschensohn gleich. Sein Haupt wie weisse Wolle, wie Schnee. Seine Augen wie Feuerflammen. In seiner Hand sind Sterne. Sein Angesicht leuchtet wie die Sonne, die scheint in ihrer Macht! Genau wie Johannes es schilderte,
nur alles viel viel herrlicher.  (Faltet Hände vor Brust.)

Stimme:  Lazarus, Komm! Komm Du Gesegneter meines Vaters, du darfst nun mit allen, die mir nachgefolgt sind, das Reich ererben, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Geh ein zu deines Herrn Freuden. Du sollst jetzt schauen, was du geglaubt.

Lazarus:  Ja ich schaue was Jesaja gesagt, was Paulus schon schaute:
"Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben." Es ist genau so, nur unbeschreiblich herrlicher.

Stimme:  Komm Lazarus. Schmerzen und Krankheit ist vorbei. Deine Tränen sind jetzt abgewischt, der Tod hat kein Anrecht an dir, für immer vorbei Leid, Geschrei und Schmerzen. Du hast überwunden, du wurdes gehorsam, du bist mir nachgefolgt, jetzt sollst du alles ererben, denn ich bin dein Gott, und du bist mein Sohn in alle Ewigkeit.

(Während der letzten Passage setzt leise und lauter werdend Halleluja Händels ein, spielt forte und wird nochmals leiser)

Stimme:  Komm, Lazarus, komm!

Lazarus:  Herr Jesus,  dir sei Ehre, Lob, Preis und Dank!  Herr Jesus,
ich komm!

(geht mit erhobenen Händen, Engel mit ihm, Halleluja fortissimo - dann Pause, Licht löscht ab, es wird dunkel. Donnerschlag.  Der Tod führt Macher in Schwarz herein. Macher legt beide Hände auf die Brust und schaut in die Ferne.)

Macher:  (schwer atmend)  Nun ist's doch wahr. Dort, in gleissendem Licht, sehe ich Scharen. Und Abraham. Ich habe ihn nie gesehen im Erdenleben, aber jetzt erkenn ich ihn. Und da, da bei ihm - Lazarus. In himmlischem Licht.
(ruft)  Abraham, Abraham!

Stimme:  Was ist, mein Sohn?

Macher: Vater Abraham - hab Erbarmen mit mir. Sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen.

Abraham: Das ist jetzt zu spät.  Alle Tage hast du gelebt herrlich und in Freuden. Du hattest soviel Zeit und Gelegenheit zur Umkehr. Aber einmal ist die Zeit der Gnade zu Ende.

Macher:  Abraham! Wie hätte ich dies wissen können.

Abraham: Nie hast du dich aufgemacht, Gott zu suchen. Du hast ihn sehr wohl finden können.
- Du hast inmitten einer wunderbaren, von Gott geschaffenen Natur gelebt, hättest Gott sehr wohl an den Wundern dieses Werkes ersehen können - Du hast sehr wohl Erfahrungen gemacht. Zehnmal hat Gott dich vor Unfall bewahrt, standst einmal am Rand des Grabes, und Gott gab dir neues Leben. Du hast dir das nicht gemerkt.
- Wie fein war dein Gewissen in der frühen Jugend. Aber früh hast du seine Stimme abgewürgt.
- Und hattest du nicht eine Bibel auf dem Nachttisch? Du hattest Mose, die Propheten, die Evangelien, die Briefe alles jeden Tag zur Verfügung.
- Sahst du nicht die Gerichte Gottes? Gerechtigkeit und Gericht sind seines Thrones Grundfeste. Du wusstest um Ägypten, um die Sintflut, um Israel, um Gerichte über Völker.
- Und vor allem: Du wusstest um Jesus Christus, sein Leiden und Sterben. Du hast den Geist der Gnade geschmäht und den Sohn Gottes mit Füssen getreten.
- Und hattest du nicht einen Mann des Glaubens zu deinen Füssen - Lazarus.
- Nein, du hattest eine lange und gute Zeit, aber du hast dein Herz hart gemacht und es verschlossen. Nun ist's zu spät.
Zudem: Siehst du denn nicht. Zwischen uns und euch besteht eine grosse Kluft. Niemand, der von hier zu euch hinüberwill kann dorthin kommen und auch niemand von dort zu uns.

Macher: Vater Abraham, ich bitte dich. Sende Lazarus zu meiner Familie und Verwandtschaft. Der soll sie warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.

Abraham:  Sie haben Mose, die Propheten, Matthäus, Markus, Lukas, die Apostelgeschichte, die sollen sie hören.

Macher:  Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Busse tun.

Abraham: Einer von den Toten? Ist nicht Christus von den Toten auferstanden, hat Gott nicht zuletzt geredet durch seinen Sohn?

Macher:  Sie würden Busse tun.

Alle:  Sie würden Busse tun
         Sie würden Busse tun!

Stimme:
Beinah bekehret, es fehlt nicht viel!
Beinah bekehret, nahe am Ziel!
So heisst's in manchem Fall:
Geh hin für dieses Mal,
später treff ich die Wahl,
heute noch nicht.

Beinah bekehret, jetzt ist es Zeit!
Beihnah bekehret, komm doch noch heut!
Jesus wirbt um dein Herz,
Engel berührt dein Schmerz,
Seufzer gehn himmelwärts:
Seele o komm!

Beinah bekehret, schnell naht der Tod!
Beinah bekehret, jetzt welche Not!
Beihnah, o schlimmer Wahn!
Beinah reicht nicht hinan,
nun geht der Jammer an:
Ewig zu spät!

Alle:  Ewig zu spät
         Ewig zu spät!          (Vorhang zu)

 
 

  

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