EIN WORT ZUM TAG




 

Krieg in Europa

Als die NATO in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1999 begann, mit Marschflugkörpern und 400 High-Tech-Bombern einen Teppich aus Feuer und Stahl über Jugoslawien auszurollen, als Bomben fielen auf Städte, Militärzentren, Fabriken und Brücken, stand man vor der unbegreiflichen Tatsache: Krieg im Herzen Europas! Die Feuerschläge aus der Luft, die die Vertreibung der Kosovaren verhindern sollten, hemmten diese nicht nur, sondern heizten sie noch an. Innert 10 Tagen wälzte sich ein unabsehbarer Flüchtlingsstrom nach Montenegro, Mazedonien und Albanien – und von dort in alle Welt. 800'000 Alte, Junge, Frauen, Kinder.

Das Dröhnen der Explosionen wurde vom ersten Bombenschlag an vom Medienspektakel widersprüchlichster Kommentare der Staatsmänner und Militärexperten begleitet. Letzte Chance, Milosevic und seinen Serben in die Arme zu fallen, versprechen die einen. Fragwürdig, chancenlos, eine Katastrophe nannten es die andern. Oder tumbe Ratlosigkeit. Der deutsche Aussenminister: «Manchmal glaube ich, ich habe mich verlaufen.» Und der Schweizer Flavio Cotti: «Ich bin sehr pessimistisch.» Niemand wird diejenigen beneiden, die in diesem Drama so schwerwiegende Entscheidungen zu treffen haben.

Kosovo – und die Bibel< face="Arial">
Verständlich, dass auch Kirchenmänner nicht schweigen. Den Verantwortlichen im Pentagon und ähnlichen Militärzentren ihr Verhalten anzumahnen, dürfte ihre Aufgabe nicht sein. Die Kirche hat doch wohl nur die einzigartige und klare Botschaft aufzurichten, dass Kriege nicht Produkte von Hasardeuren und Despoten sind, sondern in der Reihe der angezeigten Gerichte als Folge allgemeiner Gottlosigkeit stehen. Es hat zu tun mit Römerbrief 11,22.

«Darum sieh die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst gegenüber denen, die gefallen sind, die Güte Gottes aber dir gegenüber, sofern du bei seiner Güte bleibst.»

Gott – der Gott des Friedens
Das ist seine Güte: Er ist «der Gott des Friedens»1)

Friede ist der Grundpfeiler des Reiches Gottes überhaupt.2)

«Friede» ist der Gruss der Engelheere bei der Geburt Jesu; Friede ist die unerschütterliche Ruhe, die in der Nacht des Verrats Jesus aussprechen lässt: «Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.»3)

Gottes Frieden hat mit dem selbstgebastelten «Frieden» der Menschen nichts zu tun. Oder soll jetzt das, was in Hass zusammengemordet und zusammengebombt wird, Friede sein? Shalom meint Friede mit Gott, Gemeinschaft mit ihm mit all den Segnungen an Versöhnung, Wohlergehen, Freude, Sinnerfüllung, Glück und Prosperität.

Gott – der Gott des Zorns
Das andere ist ebenso klar: Wer den «Fürsten des Friedens» zum Exil-Gott macht, wer «den Geist der Gnade schmäht und den Sohn Gottes mit Füssen tritt»4), reiht sich selbst in die Gerichtsspirale ein: «Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei, denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben.»5)
Gott ist durchaus nicht eine Gummiwand, an der man sich den Kopf nicht einrennen kann.

Dies treibt manchmal kuriose Blüten. Da tritt in Deutschland eine neue Regierung an. Die Hälfte der neu ernannten Minister verweigert provokativ die noch so bescheidene Eidesformel: «…so wahr mir Gott helfe.» Und statt die Nation wie versprochen zu neuen Ufern zu führen, müssen sie ihr Tag für Tag langatmig erklären, dass Bomben ihr letztes Mittel sind. Gewiss nur ein Schlaglicht von vielen – und doch beleuchtet es eine generelle Situation.

Kosovo – gehört zum Anfang < face="Arial">
Damit etwas ganz klar ist: Wenn unermessliches Kriegselend über Ruanda einbricht, wenn auf Belgrad Bomben fallen, hat dies wenig damit zu tun, als wären Tutsis und Hutus in Ruanda oder die Jugoslawen in Europa schlechtere Leute. Gottlosigkeit ist international, und die Gerichte haben internationale Bedeutung. Die Bibel sagt eindeutig für unsere und die kommende Zeit zunehmende Gottlosigkeit und zunehmende Gerichte voraus. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber präzise.

Am 28. Juni 1914 wurde im Balkan ein Krieg entfesselt, der 20 Millionen Tote kostete. Der zweite Weltkrieg forderte 60 Millionen Tote. Die Angst geht um, Kosovo könnte wieder der Zunder einer weltweiten Explosion sein. Das muss so nicht sein. Aber die dunkle Richtung stimmt: Jesus nennt Kriege und Kriegsgeschrei «den Anfang der Wehen.» Gewiss, das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, ist nicht wie ein Konsalik-Roman zu lesen. Aber es enthüllt jedem, der es ernstlich liest, unsere nahe und ferne Zukunft. Um uns auf eine Aussage zu beschränken: Die vier apokalyptischen Pferde mit ihren Reitern, die die Welt überziehen, sind nicht schwer verständlich: Das weisse Pferd, ein Bild der weltweiten Verführung weg von Gott. Das feuerrote Pferd des Krieges, wo der Friede von der Erde genommen wird. Das schwarze Pferd, ein Bild auf die Folgen horrender Teuerung. Und das fahle Pferd, ein Bild, dass Tod und Hades einen Teil der Erdbevölkerung töten werden.

Kosovo – ein Heimruf
Um 1700 war jedes sechste Haus Londons ein Schnapsladen. Man konnte Fragen hören wie: «Was soll aus dem Kind werden, das im Gin-Suff gezeugt wurde und im Mutterschoss und an der Mutterbrust herangewachsen ist?» England wurde zu einer versoffenen – und gottlosen Nation. Die anglikanische Kirche entliess 2'000 ihrer gläubigen Pastoren. In dieser dunkeln Stunde Englands erweckte Gott einen Halbwaisen, den Evangelisten George Whitefield. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass sein Ruf, zu Gott heimzukehren, die Nation aufweckte. Er selber sagt: «I love those that thunder out the word! – Ich liebe diejenigen, die das Wort Gottes hinausdonnern! Die Christenheit liegt in tiefem Schlaf. Nichts als eine laute Stimme kann sie aufwecken.»

Kosovo blutet. Noch mehr das Herz Gottes, dessen Puls wir in der Aussage pochen hören: «Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe!»6 Das Donnern der Stimme der Evangelisten ist immer ein Heimruf. Und wenn das nicht gehört wird, donnern die Kanonen. Noch immer ein Ruf, heimzukehren ins Vaterhaus, wo alle Fenster erleuchtet sind und ewiger Friede währt.

Jakob Zopfi

 

1) 2. Kor. 13,11; 2) Rö 14,7; 3) Joh. 14,27; 4) Hebr. 10,29; 5) Matth. 24,6-8; 6) Hes. 33,11.

 

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