Neue Luzerner Zeitung – der Judenstempel lässt grüssen!

Entgegnung an NEUE LUZERNER ZEITUNG
Neue Luzerner Zeitung - der Judenstempel lässt grüssen!

Man mag's mögen oder nicht: Antisemitismus ist eine internationale Giftpflanze, die durch
viele Jahrhunderte hindurch unsäglich bittere und blutige Früchte hervorgebracht hat. Es
gereicht der Schweiz zur Ehre, dass sie sich der Vergangenheit nicht taub stellt. Dies
belegte schon der Ludwig-Bericht, und jetzt der Bergier-Bericht, den sich die Schweiz
während der vergangenen fünf Jahre sehr viel an Einsatz und Finanzen kosten liess.
Entgegnung an NEUE LUZERNER ZEITUNG
Neue Luzerner Zeitung - der Judenstempel lässt grüssen!

Man mag's mögen oder nicht: Antisemitismus ist eine internationale Giftpflanze, die durch
viele Jahrhunderte hindurch unsäglich bittere und blutige Früchte hervorgebracht hat. Es
gereicht der Schweiz zur Ehre, dass sie sich der Vergangenheit nicht taub stellt. Dies
belegte schon der Ludwig-Bericht, und jetzt der Bergier-Bericht, den sich die Schweiz
während der vergangenen fünf Jahre sehr viel an Einsatz und Finanzen kosten liess.

Nur, was soll's, wenn es heute an prominenter Stelle mit der alten Leier weitergeht.
In unserem Hotel liegen als Tageszeitungen die NZZ, der Tages Anzeiger und die Neue
Luzerner Zeitung (sowie die Neue Nidwaldner Zeitung) in mehreren Exemplaren auf.

Kürzlich stach mir die Schlagzeile in der Neuen Luzerner Zeitung über dem Kommentar Andreas
Tunger-Zanettis in die Augen: Kriegsverbrecher Sharon. Eine vernichtende Verurteilung
Sharons als Kriegsverbrecher, als ob er nicht vom Volk demokratisch gewählt wäre, kein
Kabinett, keine Regierung neben sich hätte und chliesslich Israel vertritt, das sich wie
die Palästinenser in einer verzweifelt schwierigen Situation befindet.

Dies veranlasste mich, etwas genauer hinzuschauen.
Es ist festzustellen, dass sich die NZZ, wenn auch kritisch, so doch sachlich mit dem bitteren Konflikt auseinandersetzt. Man kann auch mal einen Satz lesen wie: "Israel hat die besetzten Gebiete ursprünglich, was heute leicht vergessen oder verdrängt wird, nicht aus rücksichtslosem Expansionsdrang erobert. Dies war vielmehr das Resultat eines von den arabischen Nachbarn provozierten Krieges." Ebenso der Tages Anzeiger, wenn auch mit fetteren Schlagzeilen.

Was aber die Neue Luzerner Zeitung anbetrifft, war der Kommentar Kriegsverbrecher Sharon nicht etwa eine Entgleisung, sondern hat offensichtlich Methode. Tag für Tag per Schlagzeile, Text und Bild.

Ueber eine Woche tönt das so:

11.3.2002 "Kommentar: Kriegsverbrecher Sharon"
(Was für ein verhängnisvoller Stern steht über Ariel Scheinermanns Leben und Wirken...Heute, ein Jahr im Amt, treibt es Sharon schlimmer denn je..) Eine Schreckenmeldung jagt die andere: (Israel reagiert mit Vergeltung..30 Raketen auf Arafats Amtssitz, Ruf nach Wirtschaftsboykott) . Grossbild: Palästinensische Jugendliche fliehen vor israelischen Angriffen.
12.3.2002 "Arafats Hausarrest aufgehoben"
Bild: Hunderte von Palästinensern wurden auch gestern verhaftet. - Gaza: Vierzehn tote Palästinenser.- Der Fall Machmud Salach - Notwehr oder Ermordung? Gefesselt erschossen.- Bilderfolge von 6 Fotos.
13.3.2002 "Israels blutiger Grosseinsatz"
Grossbild: Ein Palästinenser auf der Flucht.
14.3.2002 "Staat Palästina - eine alte Vision neu verkündet"
Kommentar Tunger-Zanetti: Quälend langsam. (So ging ja Sharon monatelang im Kreis, indem er sieben Tage absolute Waffenruhe verlangte.. Der entscheidende politische Wille ist in Washington und Jerusalem noch immer nicht erkennbar.)- Grossbild: Zwei gefesselte Hände von Palästinensern.
16.3.2002 "Zinni fordert völligen Rückzug"
Grossaufnahme Titelseite: Lachendes Händeschütteln Zinni/Arafat.- Wie Israels Armee "Missgeschicke" untersucht.
18.3.2002 "Kommentar Charles Landsmann: Zinni macht aus Sharon keine Taube"
Grossbild: Maskierter Palästinenser feuert auf israelische Panzer.
21.3.2002 "Von Terroristen, Drahtziehern und Verantwortung"
Tunger-Zanetti: "Der Grund für das Klima der Gewalt liegt nicht bei Arafat, sondern bei Israel. Arafat und die Mehrheit der Palästinenser hält noch immer den Oelzweig in der Rechten und die Kalaschnikow in der Linken - ohne Sprengstoffgürtel um den Bauch. Sharon aber kann den Oelzweig nicht annehmen. Er hat beide Hände voll Waffen."
Etc. Etc.
So wird die Innerschweiz -Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Zug- Tag für Tag berieselt. Und wieder einmal ein grosses gleichgültiges und unheimliches Schweigen.
Nicht ganz. Was diese einseitige über Israel vernichtende Rhetorik auslöst, kann man immerhin im FORUM durch Leserstimmen vernehmen( Uebrigens für einmal eine Grossaufnahme aus Israel, die grimmige Maske Sharons):

- "Palästinenser verbluten - und keiner schaut hin."
- "Endlich gerät der Kriegsverbrecher unter politischen Druck."
- "Endlich bezeichnet die NLZ Sharon als Kriegsverbrecher."
- "Heute leidet das palästinensische Volk grauenvoll unter dem jüdischen Kriegsverbrecher
Sharon."
- "Hände weg von jeder Unterstützung israelischer Kriegsverbrecher."
- "Erschütternde Parallelen zwischen Milosevic und Sharon."

Und endlich auch bei kritischer Anmerkung ein anderes Wort:

- "Ich würde erwarten, dass die grossen Ankläger der Schweiz das Unrecht in Israel und Palästina mit der gleichen Tatkraft verurteilen würden"
(Arnold Gasser, Präsident CVP Obwalden)

Es geht nicht darum, das Leid der Palästinenser nicht ebenso ernst zu nehmen. In den 18 Monaten der Al-Aksa-Intifada kamen viele hundert Palästinenser ums Leben.
Aber auch über 300 Israelis, kürzlich mehr als 20 an einem Tag. Und Tausende Verletzte, hunderte von ihnen davon ihr Leben lang gezeichnet. Es gibt nichts zu entschuldigen, nichts zu verschweigen. Natürlich ist nicht jede Kritik Antisemitismus.

Aber Israel gebührt, nicht zuletzt nach 6 Millionen Ermordeter während der Soah, eine faire und ausgewogene Berichterstattung. Da fragt sich: Wie lange wird zu einer solchen Verbrecher-Kampagne von offizieller Seite geschwiegen? Der Judenstempel von gestern, den wir als Schweiz offiziell so sehr bedauern, lässt heute wieder grüssen.

Jakob Zopfi









Brief an die Redaktion "NEUE LUZERNER ZEITUNG"



Redaktion Emmetten, 25. März 2002
Neue Luzerner Zeitung
Postfach
6002 Luzern



Sehr geehrte Damen und Herren

Ihre Zeitung liegt mit mehreren Exemplaren in unserem Hotel auf.
Ihre einseitige Polemik gegen Sharon und Israel ist verheerend.

Es liegt mir nicht daran, Unrecht seitens Israels zu beschönigen oder die Gegenseite zu verteufeln. Aber wenn Sie denn schon Sharon als Kriegsverbrecher handeln, können Sie nicht gleichzeitig Arafat verharmlosen. Heute Morgen hat ein Berater der israelischen Regierungschefs im Deutschlandfunk gesagt: "Seit 30 Jahren kennen wir Arafat. Er hat noch nie eine Abmachung gehalten."
Ist das alles gelogen? Ist der arabische Hass auf Israel ein Phantom? Hat denn Israel die Kriege vom Zaun gerissen? Wollte Israel die Araber ins Meer jagen?

Was würde die Schweiz tun, würde ein Bundesrat erschossen und lägen Tag für Tag zerfetzte Zivilisten auf unseren Strassen?

Ich kann Journalisten einiges verzeihen - es wird halt manches geschrieben -, aber einer Zeitung nicht. Es ist billig, aus unseren gesicherten Stübchen dem Rest der Welt zu sagen, wie er sich zu verhalten habe. Ich traue mir nicht zu, den Bergier-Bericht zu interpretieren. Soviel jedenfalls scheint er zu lehren: Dass wir uns in einem so schwierigen Konflikt nicht wieder mit plumper Einseitigkeit versündigen sollten.

Mit freundlichem Gruss

Jakob Zopfi









Brief an den Bundespräsident


Herr Bundespräsident Emmetten, 25. März 2002
Kaspar Villiger
Bundeskanzlei
3003 Bern




Sehr geehrter Herr Bundespräsident

Sie haben anlässlich des 50. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges als Bundespräsident vor der Vereinigten Bundesversammlung sehr mitfühlende und warme Worte gefunden. Auch jetzt fanden Sie zum Bergier-Bericht den magistral richtigen Ton. Dafür sind Ihnen viele dankbar.

Es fällt mir schwer, den Bergier-Bericht wirklich zu werten. Und zwar in der Spannung, wie sie Gerhart M. Riegner in NIEMALS VERZWEIFELN im Blick auf die Schweiz aufzeigt.
Einerseits: "All dies ist furchtbar schwer zu beurteilen, weil man sich nicht in die Situation der damaligen Verantwortlichen versetzen kann, von denen jeder unter dem Druck der jeweiligen besonderen Umstände stand." Und andererseits spricht er von "antisemitischen Gefühlen, die tief in breiten Schichten der Bevölkerung verwurzelt waren".

Soviel dürfte aber allen klar sein, dass wir ein Gebiet betreten, das Sensibilität verlangt. Da scheint es mir ein Aberwitz, dass wir fünf Jahre Forschung und über 20 Millionen Steuergelder investieren, um das Delikt, um das es geht, auf plumpe Weise vor aller Öffentlichkeit zu wiederholen. In Ihrer Rede haben Sie im Blick auf den Judenstempel gesagt: "Wir haben damals im allzu eng verstandenen Landesinteresse eine falsche Wahl getroffen." Ich erlaube mir, Ihnen meine Beobachtung "Neue Luzerner Zeitung - der Judenstempel lässt grüssen" beizulegen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Sie als Bundespräsident, aber auch als Luzerner nicht berührt, wenn ausgerechnet die Zentralschweiz auf diesem miesen Niveau berieselt wird.

Mit herzlichem Dank für Ihren Einsatz für unser Land,

Ihr Jakob Zopfi









Brief
an den
- Stadtpräsident von Luzern, Herr Urs w. Studer
und die
- Präsidentin des Grossen Rat d. Kt. Luzern, Frau Yvonne Schärli-Gehrig


Emmetten, 25. März 2002


Sehr geehrter Herr Stadtpräsident / Sehr geehrte Frau Schärli

Täusche ich mich, wenn ich davon ausgehe, es könne unserer obersten Behörde nicht gleichgültig sein, wenn die dominierende Zeitung der Innerschweiz notorisch - wie man wohl sagen muss - Antisemitismus kolportiert?

Mir scheint es wie ein Aberwitz: Da forscht man nach diesbezüglichem Fehlverhalten unserer Väter, investiert dafür über 20 Millionen Steuergelder, und duldet gleichzeitig im so schwierigen Nahost-Konflikt übelste Einseitigkeit. Und das ausgerechnet in der ganzen Innerschweiz!

Ich erlaube mir, Ihnen meine Notiz «Neue Luzerner Zeitung - der Judenstempel lässt grüssen» beizulegen.


Mit freundlichem Gruss
Jakob Zopfi