Alt und jung in der einen Gemeinde

Wie spannungsgeladen es in Familien zugeht, sehen wir schon in der Familie Abrahams und Saras. Dann in der Familie Jakobs, Leas und Rebekkas bis hin zur Familie Joseph, Maria, Jesus und seiner Brüder. Warum sich wundern, wenn es heute so ist! Auch in der Familie der Gemeinde. Da ist zudem alles im Plural - Väter, Mütter, Teenis, Söhne, Töchter. Noch fressen die Löwen nicht Stroh, und der Platzhirsch in uns ist so ganz nicht tot.
Wie spannungsgeladen es in Familien zugeht, sehen wir schon in der Familie Abrahams und Saras. Dann in der Familie Jakobs, Leas und Rebekkas bis hin zur Familie Joseph, Maria, Jesus und seiner Brüder. Warum sich wundern, wenn es heute so ist! Auch in der Familie der Gemeinde. Da ist zudem alles im Plural - Väter, Mütter, Teenis, Söhne, Töchter. Noch fressen die Löwen nicht Stroh, und der Platzhirsch in uns ist so ganz nicht tot.

Natürlich weiss das der Initiator der Bibel. Von eins bis neunzig geht es in dem einen Gottesdienst um Strukturen, Formen, Stil und Inhalte. Darum so viele biblische Familiengeschichten, Hausspiegel, direkte Anweisungen an alt und jung. Die Reihe an Imperativen ist lang: Ehre Vater und Mutter - Niemand verachte deine Jugend - Nehmt einander an - Ordnet euch einander unter - Haltet doppelter Ehre wert! Sie kann beliebig fortgesetzt werden. Und richtet sich wohl immer an beide, gleichzeitig an die Älteren und an die Jüngeren. Die folgenden "Ermahnungen" sollen nicht anmassend sein, sondern Ermutigungen, die gelesen sein sollen als wir Älteren - wir Jüngeren.

Die Gnade sehen! Was mag da in Antiochien im erwecklichen Aufbruch noch drunter und drüber gegangen sein! Die dortige Schar war ja ein Spiegel des damaligen Völkergemischs. Barnabas aber kam aus Jerusalem und "sah die Gnade Gottes" (Apg 11,23). Ihr Jüngeren: Welche Gnade bei den Alten, die oft ein Leben lang dem Herrn gedient haben, nicht nur mit Freuden Jahrzehnte viele Opfer brachten, sehr oft den Grund legten für Gemeinden, in denen ihr heute aufgenommen seid. Und ihr Älteren: Welche Gnade bei unseren Jungen, die der lockenden Versuchung einer sittenlosen Welt widerstehen und mit jugendlicher Begeisterung dem Herrn nachfolgen! Das geht vorab: Die Gnade sehen! Freude herrscht!

Am Positiven teilnehmen!: Musik z.B., ein spitzes Thema. O ja, der Teufel fiedelt auf allen Geigen. Was da rund um die Uhr durch Medien in die Welt plärrt, lässt seufzen: "Die Musik ist heutzutage wohl der Menschheit grösste Plage." Für die Kirche Christi kann Martin Luther aber sagen: "Musica ist das beste Labsal, der schönsten und herrlichsten Gaben Gottes eine." Aber es stossen Geschmäcker aufeinander. Nun Frage an die Älteren: Wie wäre es, wenn immer die alten Lieder und Chorusse gesungen würden? Und: Haben nicht auch neu oft tiefen Inhalt? Nehmen wir ihn nicht manchmal wahr, nachdem wir ihn mehrmals gesungen und musiziert haben? Und ihr Jüngeren, ihr wollt doch nicht einer ganzen Generation das ihr liebgewordene Liedgut, das ihr Jahrzehnte zur Anbetung und Segen war, wegrasieren? Das wäre brutal. Zudem: Haut ruhig auch mal auf die Pauke, doch werdet ihr den Alten nicht eine Geräuschkulisse zumuten, die in ihren Ohren und Herzen im Nonstop dröhnt. Es muss möglich sein, dass jung und alt gemeinsam den Herrn fröhlich preisen!

Reden miteinander! Veränderungen müssen sein. Ecclesia semper reformanda! Nicht etwa die biblischen Quadersteine, die "essentials" des Heilswegs und der Heilsfülle, also die Heiligkeit der Bibel, der Taufe, der Christologie. Ändern muss sich die Verpackung. Das müssen die Älteren begrüssen, wie die Jüngeren verstehen sollen, dass dabei nicht erst mal alles Alte über Bord gworfen sein muss. Eine Ehe ist dann in Gefahr, wenn sich zwei Partner nur noch anschweigen. In der Gemeinde soll man also noch sagen dürfen, wo Herz und Gemüt drückt. Auch dort ist Streitkultur wohl besser als Schweigkultur. Nur: Jeder Umgang, der nicht hebt, zieht nieder. Nicht meckern übereinander, sondern reden miteinander, wobei das Hören aufeinander Voraussetzung zum Gelingen ist.

Nicht davonlaufen! Die Strategie des Teufels ist uns nicht unbekannt. Es gibt immer Leute und Gruppierungen, die die Herde nicht schonen und zerreissen. Wenn Jüngere auch mal ein geistliches Treibhaus aufsuchen wollen, sollen sie. Ob Ältere sich "neokonservativ" erholen wollen, sei dahingestellt. Geht ein Schiff unter, empfiehlt es sich, von Bord zu gehen. Aber erst dann. Was man jung kapieren und alt ausleben soll: Gott hat uns zu Säulen in der Gemeinde berufen - nicht zu geistlichen Reisläufern.

In allem die Liebe! Die Welt kann vieles. In einem ist die Gemeinde aber unschlagbar: in der Liebe. Ohne Liebe ist alles ein Gedröhn von Zirkuszimbeln. Es gibt die geistliche Jugendkultur. Die Gemeinde braucht sie. Und es braucht die geistliche Erfahrung und Erkenntnis der Älteren. Die Gemeinde braucht sie. Mögen die Jüngeren den Herrn feiern in Jugendtreffs. Und die Älteren, wenn sie als Senioren zusammenkommen. Gradmesser der Liebe zum Herrn ist allemal die Liebe zum Bruder, sei er jung oder alt. Es ist die Liebe, die einander braucht, die voneinander lernt, sich aneinander freut - und nie zulässt, dass sich die Gemeinde innerlich oder äusserlich spaltet.