Die Pfingstbewegung

Eine ganz persönliche Vorbemerkung

In der Landeskirche fand unserer Familie nicht zu einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus. Nöte -Aufmarsch der Hitlerarmee an der Grenze, Rheuma im Schützengraben- brachten Vater trotz üblicher Widerstände dazu, eine Evangelisation zu besuchen. Die dann folgende Bekehrung unserer Familie brach wie ein herrliches helles Gewitter über uns. Die "Gemeinde" war nun Mittelpunkt. So verbindlich, dass wir Buben auf dem Zaun den örtlichen Fussballmatch verfolgten, um dann halb drei blutenden Herzens abzumarschieren, um -selbstverständlich!- in der "Versammlung" Einsitz zu nehmen. Dass wir "Pfingstgemeinde" waren - was gab's denn anderes?
Eine ganz persönliche Vorbemerkung

In der Landeskirche fand unserer Familie nicht zu einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus. Nöte -Aufmarsch der Hitlerarmee an der Grenze, Rheuma im Schützengraben- brachten Vater trotz üblicher Widerstände dazu, eine Evangelisation zu besuchen. Die dann folgende Bekehrung unserer Familie brach wie ein herrliches helles Gewitter über uns. Die "Gemeinde" war nun Mittelpunkt. So verbindlich, dass wir Buben auf dem Zaun den örtlichen Fussballmatch verfolgten, um dann halb drei blutenden Herzens abzumarschieren, um -selbstverständlich!- in der "Versammlung" Einsitz zu nehmen. Dass wir "Pfingstgemeinde" waren - was gab's denn anderes? Sektenleute waren wir schon. Das war unangenehm, aber musste wohl so sein. Unser Pastor betreute die Gemeinden im ganzen Kanton. Mit ihnen waren wir ein Herz und eine Seele und wurden mehr vom sprudelnden Gemeindeleben als von den Predigten geprägt. Über diesen Tellerrand hinaus schauten wir nicht. Selbst als 1947 die erste Weltpfingstkonferenz in Zürich stattfand -ich war damals 15-, ging der Prediger wohl mal hin. Für uns betrachtete er dies nicht als nötig. So blieb man Zuhause. Und war in der Gemeinde.
Das ist 50 Jahre her. Ich habe die Jahrzehnte inmitten der Pfingstbewegung, in Gemeinschaft mit dem Herrn, im stetigen Umgang mit dem Wort Gottes, im Dienst, auch in pfingstlichen Leitungsgremien Europas und der Welt erleben dürfen. Natürlich wird man in einer Bewegung, die weltweit 300 Millionen zählen soll, -und dazu gibt es ja eine ähnliche Grössenordnung von charismatischer Bewegungen- hier einen Pastor finden, und dort einen Professor, die was Abstruses entdeckt und publiziert. Das sind Nebenschauplätze. Im Folgenden soll es um den grossen breiten Strom gehen, was die Pfingstbewegung an Schwerpunkten bewegt.


Die Bibel - das Wort Gottes

"Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel." Apg. 2,42
Für Pfingstler ist die ganze Bibel verbal inspiriert. Sie ist, also enthält nicht nur das Wort Gottes. Die Pfingstbewegung verstand sich von allem Anfang an als eine Bewegung des Wortes. Nelson Parr, einer der Pioniere der englischen Pfingstbewegung, versprach jedem, der ihn ohne Bibel erwischen sollte, fünf englische Pfund. Als ihn ein Knabe am Strand in der Badehose entdeckte, entnahm ihr Nelson Parr eine Pergament-Miniaturbibel. Bis heute hat sich die starke skandinavischen Bewegungen geweigert, Glaubensbekenntnisse abzufassen: Die Bibel ist unser Glaubensbekenntnis. Professor Batson vom Continental Bible College ermutigte an einer Konferenz pfingstlicher Pastoren, sich intensiv mit der Bibel zu beschäftigen und bezeugte nebenbei, er habe allein den Epheserbrief 300 mal durchgelesen und wichtige Brief- und Evangeliumstexte auswendig gelernt. Als ich den alten George Jeffreys fragte -er ging damals wie ein evangelistischer Feuersturm durch England-, was denn das Geheimnis seines "Erfolges" sei, wiegte er sein mächtiges Haupt und sagte nur zwei Worte; "The Word!" Es wird wohl kaum eine Gemeinde geben, in der nicht die Mehrzahl mit der Bibel zum Gottesdienst kommt. Das ist der feste Grund. In allen Fragen bleibt die Hauptfrage: "Was sagt die Schrift!"


Die Geistestaufe

"Er wird euch mit heiligem Geist und Feuer taufen." Matth. 3,11
Es dürfte hier nicht der Ort sein, über die Anfänge (Topeka/Los Angeles) und ihre phänomenale weltweite -und damit auch europäische- Ausbreitung zu berichten. Das kann anderswo nachgelesen werden. Ihre Säulen entsprechen derjenigen der evangelikalen Eckwerte: die des apostolischen Glaubensbekenntnisses, der refromatorischen Grundwerte, moderner die der Lausanner Erklärung. Aber die Pfingstbewegung ist ohne Geistestaufe so wenig vorstellbar wie der Zionismus ohne Zion. Das Advisory Committee der 16. Weltpfingstkonferenz hat in Oslo in einem Statement of Faith -nicht Glaubensbekenntnis- als § 5 festgestellt: "Wir glauben an die Taufe in den Heiligen Geist mit dem Zeugnis (evidence) des Zungenredens, wie der Geist gemäss Apostelgeschichte 2,4 auszusprechen gibt und an die Betätigung (operation) der geistlichen Gaben und Dienste." Dass dies erst 1992 in diesem Rahmen formuliert wurde, ist übrigens auf die innerhalb der Weltpfingstbewegung -unter Lewi Pethrus- skandinavische Opposition wider alle Formen der Organisation zu erklären. Die herausfordernde Formulierung der Geistestaufe und Zungenrede war innerhalb der Pfingsterweckung nicht unumstritten. Dass es dabei -nebst den Positionen "So sagt's die Schrift!- nicht um einen kuriosen Theologenzank ging, dazu führte Vinson Synan an einem Seminar an der Weltpfintgstkonferenz 1995 in Jerusalem aus: "Eine Parallel-Pfingstkriche zur Assemblies of God, die sich beim Beginn der Pfingsterweckung im Blick auf das Zungenreden auf die Position "seek not, forbid not" festlegte, zählte 1992 265 863 Mitglieder in den USA und 1,9 Millionen rund um die Welt. Die AoG, die sich damals und bis heute konsequent auf die "initial evidence" festlegte, zählte 1992 2 170 890 Mitglieder in den USA und gegen 30 Millionen weltweit." David Yonggi Cho, durch die AoG aus dem Heidentum gerettet, begann 1958 in den Slums von Seoul eine Arbeit in einem kleinen Zelt mit fünf Mitgliedern. Angewachsen zu 700 000 Gläubigen, sagt Cho heute: "Dies wäre ohne die Taufe im heiligen Geist undenkbar gewesen." Bei allem Gefechtslärm, der sich um die Geistestaufe ausserhalb der Pfingstbewegung erhoben hat, darf nicht unter den Scheffel kommen, dass es ihr innerhalb vielmehr um eine heilige und herrliche Erfahrung geht als um das Festnageln von Lehrsätzen.


Offenheit für das Charismatische

"Und als sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren: Und sie wurden alle mit dem heiligen Geist erfüllt." Apostelgeschichte 4,31
Im Blick auf den Heiligen Geist geht es nicht allein um die Geistestaufe, sondern vielmehr um die bleibende Präsenz des Heiligen Geistes. Es sollen Geistesgaben und -früchte gedeihen. Von allem Anfang an hat einer ihrer herausragenden Lehrer, der Engländer Donald Gee, am Zungenreden keinen Abstrich gemacht, gleichzeitig aber auf die überagende Bedeutung solcher Gaben wie dem Wort der Weisheit, dem Wort der Erkenntnis hingewiesen oder zur Balance im Umgang mit der Gabe der Heilungen aufgerufen. In den Gottesdiensten soll der Herr durch das Wirken des heiligen Geistes gegenwärtig sein: "...so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist." (1. Kor. 14,25) Der Lobpreis soll stark sein, den Teilnehmern gedient werden mit Segnung durch Handauflegung, Gebet für Heilung oder Ausrüstung zum Dienst zur Evangelisation und Mission - das glaubensvolle Erwarten "mitfolgender Zeichen".



Die Betonung der Lokalgemeinde

"Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe" Offenbarung 2,1
Die Ortsgemeinde wird grossgeschrieben. In den Leib Christi hinein getauft zu sein wird verbindlich in der Zugehörigkeit zu einer Ortsgemeinde, was Bekehrung, Wiedergeburt, Glaubenstaufe und Einordnung in die Gemeinde voraussetzt. Regionale, nationale und internationale Verbindungen innerhalb der Pfingstgemeinden und mit dem Leib Christi als Ganzes sind lebenswichtig. Und doch geschieht das eigentliche Leben in der Gemeimschaft der Gemeinde. Die bereits erwähnte AoG mit Millionen Zugehörigen haben z.B. riesige Verwaltungskomplexe, wo tausende Mitarbeiter aktiv sind, Tonnen Literatur produziert wird. Zu ihren Pastorenkonferenzen kommen Tausende. Und doch liegt das Hauptgewicht so sehr auf der Lokalgemeinde, dass man munkelt, die Entrückung könne gar nicht an einem Sonntagmorgen stattfinden, da sonst die AoG fehle.
Damit verbunden ist Verständnis und Praxis des "allgemeinen Priestertums". Für unsere Pastoren geht Berufung vor Ausbildung, auch wenn letztere Voraussetzung für eine Ordination ist. Eine Pastorenkirche ist die Pfingstgemeinde nicht. Ein Heer von Mitarbeitern arbeitet in Sonntagschule, Kinder-, Teenager- und Jugendarbeit, Musik und weiteren Arbeitszweigen.


Diakonie

"Ich kenne deine Werke..." Offenbarung 2,1
Bei einer charismatischen Bewegung kann die Diakonie nicht ausbleiben. Auch im westeuropäischen Raum gibt es in jedem Land Sozialwerke jeder Art. Sehr verbreitet ist zudem die "indirekte" Diakonie, was die Vielen aus den Gemeinden betrifft, die sich in soziale Dienste in Krankenhäusern, Beratungsstätten, in der Drogenbetreuung etc. berufen lassen. Christus ist für alle da! Und doch fand sich die Pfingstbewegung in eine Welt der Armen, Kranken, Obdachlosen und Analphabeten hineingeboren. Sie war von allem Anfang an ausgeprägt diakonisch. Heute sind unzählige Einrichtungen wie Schulen, Kranken- und Waisenhäuser und Rehabilitationsheime rund um die Welt Stätten des Segens.


Evangelisation und Mission

"Gehet hin und machet alle Völker zu Jüngern." Matthäus 28,19
Von Beginn an war die Pfingstbewegung so evangelistisch-missionarisch geprägt, dass man sie "Sturmvögel der Evangelisation" nannte. Alle Pioniere prägten sie als "Seelengewinner". Smith Wigglesworth war schon als Sechzehnjähriger enttäuscht, wenn sich über ein Wochenende weniger als fünfzig Kinder für Jesus entschieden. T.B. Barratt, bei den Pfingstlern gern als ein "Apostel Europas" genannt, gründete in Oslo die City Mission. Lewi Pethrus, Gründer der schwedischen Pfingstbewegung, sagte am Schluss seines lebenslangen Dienstes: "Ich glaube nicht, einen Gottesdienst gehalten zu haben, an dem ich nicht Sünder zu Christus rief." Der Engländer Donald Gee -man nannte ihn "apostle of balance"- verglich die junge Pfingstbewegung und ihre jungen Evangelisten mit einem Schiff unter Volldampf. Da wollte er Lehrer auf der Kommandobrücke sehen - nicht alles Segel, wenig Anker! Aber auch ihm war der Dienst an den Dampfkesseln unabdingbar: "Lehrer sind nicht gefragt, ohne dass Evangelisten ihren Dienst ausführen und Propheten unsere Herzen mit feurigen Botschaften aus der Höhe erwecken!" In weltbekannten "Massen-Evangelisationen" ruft Reinhard Bonnke: "Es geht heute um die Evangelisation per Mähdrescher!" Wobei die weltweite Evangelisation ebenso von einem Heer von Knopflochevangelisten und -evangelistinnen, verankert in ihren Gemeinden, getan wird.


Die Naherwartung der Wiederkunft Jesu

"Ja, ich komme bald." Offenbarung 22,20
Jesus kommt wieder! Die Pfingstbewegung ist eschatologisch ausgerichtet. Im Blick auf das was kommt, hat sie die Zeitung wohl auch in der Linken, die Bibel aber stark in der Rechten. Das Weltgeschehen, Israel, die Nationen, die Endzeitzeichen, das sind nicht Haupt-, und doch wichtige Themen. Vor allem aber singt sie mit grosser Zuversicht:

Bald kommt der Herr, Halleluja!
doch nicht in Niedrigkeit.
Das Reich ist Sein, Halleluja!
in alle Ewigkeit.
Seid bereit, vor Ihm zu stehn,
Seine Herrlichkeit zu sehn!
Was er verheisst, Helleluja!
Das wird an uns geschehn.


(Erschienen in idea-Pfingstausgabe)