Freies Beten – ein Muss für Christen?

Konfrontiert mit dieser Frage, ist meine erste Reaktion: "Muss?! Das ist doch ein Darf!" Prompt werde ich von einem Wort Jesu korrigiert: "Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten" Joh 4,24.
Konfrontiert mit dieser Frage, ist meine erste Reaktion: "Muss?! Das ist doch ein Darf!" Prompt werde ich von einem Wort Jesu korrigiert: "Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten" Joh 4,24.

Vom Heiligen Geist inspiriert – können das liturgische Texte sein? Sicher! Es bewegt, wenn eine Gemeinde gemeinsam das Unser Vater betet. Oder wenn ich dem Herrn alleine still einen Psalm sage. Ich tu's fast täglich.

Inspiriert, aber gewiss auch zum freien Gebet. Die Masse der Gebete der Bibel sind textgebunden, aber frei aus der Situation geboren. Kain, Abraham, die Propheten, Könige, Apostel, Jünger – JESUS. Und die Gemeinde: "Und als sie das hörten, erhoben sie ihre Stimme einmütig zu Gott..." Sie haben den Mund Davids im zweiten Psalm rezitiert, reden dann aber von Christus, Herodes, Pontius Pilatus. Bitten um Freimut, Drohungen hin oder her, das Wort zu reden. Flehen um Zeichen und Wunder.

Geist ist Leben! Das Herz schlägt nicht immer nach der Syntax noch so schöner vorgegebener Texte. So wenig ich meine Frau mit Rückert und Schubert ansinge: "O du Entrissne mir und meinem Kusse, sei mir gegrüsst!" Tu's nicht mal salomonisch: "Siehe, meine Freundin, du bist schön; deine Augen sind wie Taubenaugen." Der Tag beginnt schlichter. Sie, lieb wimmernd aus dem Morgendunkel: "Was isch für Ziit?" Ich, fester: "Hallo Mam, häsch guät gschlofe?" Also nicht mal hochdeutsch gestylt, aber echt und warm.

Abschaffen, nur weil es lange, langweilige, geistlose freie Gebete gibt? Nein. So wenig wie das Singen, trotz all der schiefen Töne. Oder die Predigt, trotz so manchem Schwachstrom. Das freie Gebet braucht Ermutigung und Erziehung. Und so beten wir denn frei für "den verlorenen Schlüssel oder den geschwollenen Finger" (Spurgeon) im "stillen Kämmerlein". Aber auch frei im Anbeten der Gemeinde, in den kleinen und gewaltigen Anliegen des Reiches Gottes.

Freies Beten, ein Darf und ein Muss!:

O die heilge Zeit einer einzgen Stund,
knieend an dem Thron verbracht!
O, da mach ich meine Gedanken kund,
wie der Freund dem Freund es macht.
(nach Fanny J. Crosby)

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