Identität der Pfingstbewegung

100 Jahre Pfingstbewegung! Was bewegte sie an ihrem Anfang? Welche Schwerpunkte bildeten sich heraus? Und was bedeutet dies uns heute?
Identität der Pfingstbewegung gestern und heute
Der Erweckungsfunke in
Azusa-Street sprang in ein stattliches Gehölz, was die Pfingstbewegung erst eigentlich ermöglichte. Die Heilige Schrift war da, auf Strich und Komma überliefert. Und damit das gewaltige Monument des Alten Testaments, Gottes Heilshandeln mit Israel. Dann im Neuen die grossen Taten Gottes in seinem Sohn Jesus Christus und die Geburt und der Durchbruch der Gemeinde. Es folgten kirchengeschichtlich die Reformation, Täuferbewegung und der Pietismus. Nach mächtigen Feldzügen der Evangelisation war das Holz um die Jahrhundertwende recht dürr geworden. Eine Heiliggeistbewegung wurde ersehnt. Sie kam in der Pfingstbewegung. Und als sie kam, wurde sie verteufelt – beileibe nicht allein durch die Berliner-Erklärung! –, dem zwielichtigen "Strohfeuer" baldiges Erlöschen gewünscht und prophezeit. Das Gegenteil geschah. Die vom Haupt der Gemeinde initiierte Bewegung – JESUS rettet, JESUS heilt, JESUS tauft mit Heiligem Geist, JESUS kommt wieder! – brach sich phänomenal Bahn und konfrontierte alle christlichen Kirchen – und Freikirchen! – mit dem Wirken des Heiligen Geistes.

Die Dynamik der Pfingstbewegung heute und morgen wird davon abhängen, wie sie mit den Essentials klarkommt, die die gestrige möglich machte. Darüber ist viel nachgedacht und viel geschrieben worden. Dabei haben sich an Essentials die folgenden herausgeschält:

1. Gründerpersönlichkeiten: Männer "voll Heiligen Geistes und Weisheit" führten die aufbrechende Bewegung. William Seymour, T.B. Barratt, Lewi Pethrus, Donald Gee, eine grosse Schar prägnanter Persönlichkeiten in Europa und in der ganzen Welt. Die göttliche Strategie hat sich nicht geändert. Ein Volk ist nie besser als seine Führer, das gilt schon säkular. Heute und morgen ertragen keine Erhaltungs- oder gar Bestattungsbeamte an der Spitze, sondern erfordert Männer und Frauen mit apostolisch-prophetischem Mass des Anfangs.

2. Unverbrüchliches Festhalten am Wort Gottes: Im riesig breiten Strom der liberalen Kritik und Fluten des populären Unglaubens hielten die Gründer fest: Die Bibel enthält nicht nur, sie ist Gottes Wort. Das gilt auch heute! Mögen sie uns evangelikale Betonköpfe nennen, dynamisch bleiben wir, wenn wie damals unverbrüchlich gilt: "Himmel und Erd mag brennen, Hügel und Berg verschwinden; doch, wer da glaubt, wird finden, Gottes Wort bleibt stets wahr!"

3. Kompromisslose Lehre und Praxis der Taufe im Heiligen Geist: Damals galt: "Weder der individuelle Gläubige noch die Gemeinde Christi kann den von Gott gegebenen Auftrag erfüllen, ohne Taufe im Heiligen Geist." Herausfordernd formulierte Donald Gee: "Das unterscheidende Charakteristikum der Pfingstbewegung ist das Reden in neuen Zungen, ob wir es schätzen oder nicht, oder ob wir es bestreiten, um uns vielleicht als "evangelikal", vielleicht als "fundamentalistisch", aber nicht als "pfingstlich" im unterscheidenden Sinn erscheinen zu lassen." Für heute sagt das Advisory Committee der Weltpfingstkonferenz: "Wir glauben an die Taufe im Heiligen Geist mit dem Ausweis (evidence) des Zungenredens, "wie der Geist ihnen gab auszusprechen" nach Apg 2,4 und an die (operation der) Geistesgaben und Dienste."

4. Offenheit für das Charismatische. "Charismata" (griech. Gaben) prägen den pfingstlichen Gottesdienst mit Spontanität und Herzenswärme. Im Gebet geboren, soll das Gebet auch heute kraftvoll sein, Lobpreis und Anbetung wie das "Rauschen vieler Wasser" sein. Die emotionale Natur des Menschen soll sich in Freude, auch mal mit Händeklatschen und Jubel zeigen. Die Predigt soll wortgebunden und vom Heiligen Geist "gesalbt" sein, ein gemeinsames Ereignis der Gegenwart Gottes für Prediger und Gemeinde. Geistesgaben nicht nur von der Kanzel her, sondern mit dem Wort der Weisheit und Erkenntnis, mit Gaben der Kraft, der Prophetie, der Auslegung und dem Gebet mit Kranken "dient einander mit der Gnadengabe, die jeder empfangen hat" (1 Petr 4,10).

5. Allgemeines Priestertum: Von Anfang an galt: So wichtig von Gott berufene Pastoren sind, Pastorenkirche ist ein Unding, die kirchliche Aufteilung von heilsspendender Priesterschaft und heilsempfangendem Volk verhängnisvolle Deformation. Und so muss heute gelten: Auf allen Stufen geschehen Dienstausrüstung apostolisch, prophetisch, evangelistisch und pastoral. Ein Heer von berufenen Mitarbeitern arbeitet in Sonntagsschule, Kinder-, Teenager-, Jugend-, Seniorenarbeit, in Musik, Evangelisation und Mission zum Segen der Gemeinde und als Salz in der Weltsuppe.

6. Betonung der Lokalgemeinde: Apostelkonzilien als Leitungen von Gesamtbewegungen haben unverzichtbar grosse Bedeutung. Der eigentliche Pulsschlag geht von der lokalen Gemeinde aus. Hier teilt sich das Haupt den Gliedern mit, werden diese auferbaut, diszipliniert, entfaltet, wird Glaube fruchtbar. Darum richten sich Jesus und die Apostel an konkrete Lokalgemeinden - wie Ephesus, Smyrna, Rom, Korinth. Der Schlüssel zur dynamischen Kreativität, Vision, Kraft und Wachstum bleibt das biblische Prinzip der neutestamentlichen autonomen Gemeinde.

7. Konferenzen: Von der ersten Stunde der Pfingstbewegung an pflegten ihre Gründer über nationale Grenzen hinweg intensiven brüderlichen Kontakt und sammelten zu grossen Konferenzen für alle Gläubigen. Heute in leitenden Komitees der PEF und der WPF, sowie den Europa- und Weltkonferenzen - dieses Jahr in Oslo und Surabaja. Der Pentecostal Charismatic Dictionary nennt dies einer der Gründe für die Durchschlagskraft der Pfingstbewegung.
8. Diakonie: Lewi Pethrus nannte man damals als Betreuer von Tausenden von Arbeitslosen "Läusekönig". T. B. Barratt eröffnete inmitten von Oslo eine Stätte für Bedürftige. Heute gibt es keine Pfingstbewegung, die sich nicht national weltweit engagierte in Schulen, Krankenhäusern und Heilungsstätten für Süchtige. Viele ihrer Gläubigen wählen Berufe in Kranken- und Sozialdiensten. Weltweit gilt: "Ein Strom der Liebe fliesst zu den oft Vergessenen und Benachteiligten mit der Verpflichtung, Brot des Lebens und Brot zum Leben weiterzugeben" (Waldemar Sardaczuk).
9. Evangelisation und Mission: "Sturmvögel der Evangelisation" hat man die Pfingstler schon genannt. Die Väter der jungen Bewegung waren alle – auch – Evangelisten. Der Ruf zu Busse und Bekehrung, zur Wiedergeburt und Geistestaufe zündete über die ganze Welt. Nicht zu trennen von Glaubenstaufe, Gemeinde - zur Nachfolge Jesu. Evangelisation war immer auch ein Ruf zur Glaubensheilung, zu Jesus dem Arzt, der "unsere Schwachheit auf sich genommen und unsere Krankheit getragen hat." Im Brennpunkt der Beachtung stehen heute Männer wie David Cho oder Reinhard Bonnke, die Massen von Menschen bewegen. Evangelisation muss aber auch in jeder Lokalgemeinde weiter brennen.
10. Naherwartung Jesu Wiederkunft: JESUS KOMMT WIEDER - das war der Fanfarenstoss schon an der Wiege der Pfingstbewegung. Heute hat der Feigenbaum, Israel, ausgeschlagen. Unsere Tage atmen geradezu Zeichen der Endzeit. Das Feuer der Azusastreet hat einen weltweiten geistlichen Flächenbrand entfacht. Gerade auch die Naherwartung der Ankunft Jesu, in der Entrückung der Gemeinde, soll die Pfingsterweckung weitertragen - bis an die Enden der Erde.