Zum Ruf nach Einheit

Die Dringlichkeit der Einheit
Zur Zeit wird -wieder einmal- Einheit in grossen Lettern geschrieben. Dass das Volk Gottes über eigene Gemeinden und Bewegungen hinaus in Einheit auf- und zusammenzustehen hat, steht dabei nicht zur Disposition, dies ist Vorrecht und Pflicht der Christen. Und zwar schlicht, weil dies im Alten wie im Neuen Bund zutiefst biblisch verankert ist. Die Debatte Knopfloch-Evangelisation oder Grossveranstaltungen ist dabei müssig. Beides ist biblisch und steht damit klar im Pflichtenheft aller Gläubigen.
Die Dringlichkeit der Einheit
Zur Zeit wird -wieder einmal- Einheit in grossen Lettern geschrieben. Dass das Volk Gottes über eigene Gemeinden und Bewegungen hinaus in Einheit auf- und zusammenzustehen hat, steht dabei nicht zur Disposition, dies ist Vorrecht und Pflicht der Christen. Und zwar schlicht, weil dies im Alten wie im Neuen Bund zutiefst biblisch verankert ist. Die Debatte Knopfloch-Evangelisation oder Grossveranstaltungen ist dabei müssig. Beides ist biblisch und steht damit klar im Pflichtenheft aller Gläubigen.

Einheit oder Wildwuchs
Einheit ja, Wildwuchs aber nein. Nicht nur im AT, auch im NT gab es bei aller Freiheit Disziplin: Geistliche Aufbrüche wurden mit Jerusalem abgestimmt. Oder: Paulus besprach sich mit den dortigen Aposteln. Heute, wo die Gemeinde Jesu weltweit im Vormarsch ist, ist diese Einheit mindestens im eigenen Land unter den Evangelikalen abzustimmen. Für die Schweiz hiesse dies gute Abstimmung innerhalb des Freikirchenverbandes, der Evangelischen Allianz und evangelikaler freier Werke.

Der Trend läuft anders. Wie Pilze schiessen Gruppen, Grüppchen und auch Bewegungen aus dem Boden, meistens evangelistisch und charismatisch. Das hat viel Gutes. Es gibt aber auch Negativentwicklungen. Je mehr die Einheit überbetont betont wird, desto mehr wird die Bedeutung der Gemeinde unterbetont. Gemeinden sind hemmend, schwerfällig -was sie oft auch sind!-, traditionsverhaftet. Freikirchen werden nicht erwähnt, es sei denn mit der Erklärung, man gehöre nicht dazu. Was die Welt heute braucht, sind neue Schläuche. Bis zum absurden Fazit: Christentum ja, Kirche nein.

Einheit der Impulstage
Dieser Trend wird von heutigen Grossveranstaltungen verschärft. Gegenwärtig machen die Kongresstage Miteinander für Europa von sich reden. Durchgeführt von über 100 -katholischen, evangelischen, orthodoxen, anglikanischen und anderen- christliche Bewegungen mit 10 000 Teilnehmern und Satellitenübertragung. Sie gelten dem "glaubwürdigen Zeugnis und neuer Evangelisierung unseres Kontinents", und laufen voll im gegenwärtigen Sog. Klar ökumenisch etikettiert, berührt uns dies nur indirekt.

Anders ist dies mit den Impulstagen, zu denen die Deutsche Evangelische Allianz nach Hamburg, Essen, Stuttgart, Chemnitz, Berlin, München und Frankrut aufruft. Da möchte man ausrufen: "Das ist doch Bein von unserem Bein, und Fleisch von unserem Fleisch!" Vor allem, wenn im Generalthema erscheint, was uns allen auf der Seele brennt: "...auf dass die Welt glaubt." Doch die Begleitmusik ist verräterisch. Übergeordnet ist fett die EINS, etwas kleiner "Aufbruch zur EINheit".- Weiter lässt aufhorchen:

- Zum einen die Definition, wer sich da sammeln soll: "Alle Menschen, die sich dafür entschieden haben, mit Jesus Christus zu leben (im Pietismus spricht man von Bekehrung) sind damit 'eins in Christus' - egal, welcher Kirche sie angehören."

- Zum andern soll jeder Teilnehmer eine Selbstverpflichtung unterzeichnen, nicht etwa zum evangelistischen Zeugnis, sondern "andern Traditionen und Frömmigkeitsstilen respektvoll zu begegnen..., das Nichtbeachten und Herabsetzen anderer Christen als Sünde zu erkennen", was in einem Interview dann mit Rechthaberei und Eigenbrötelei gleichgesetzt wird.

Egal, welcher Kirche man angehört - um wen geht's denn eigentlich? Innerhalb der Freikirchen ist der Grossaufruf zur Einheit so überflüssig wie eine solche Selbstverpflichtung. Also ist doch wohl die religiöse Grosswetterlage angesprochen, die von den Landeskirchen bestimmt wird - in der Schweiz gegen 6 der 7 Millionen. (Aus der "Bekehrung" ohnehin zu den Pietisten weggeklammert ist.) Es sei fern, andere Kirchen zu "bekriegen". Aber die Frage steht nicht durch uns, sondern durch ihre Publikationen an:

Was haben wir mit der fulminanten Bibelkritik gemein? Der SEK sagt offiziell: "Wir sind gegen Schwarzweissdenken und fundamentalistische Positionen." Also. Weiter: Der Vatikan "verurteilt den Fundamentalismus in der Bibelauslegung als entstellend und gefährlich." Als Bibelgläubige nennt man uns einmal "fundamentalistische Betonköpfe", dann wieder mal "Gottprotze". Kann man alles nachlesen.

Sind wir so schnell beleidigt? O nein. Aber es geht eben nicht um theologische Sandkastenspiele, sondern um Folgen dieser breiten Bibelkritik. Dazu wieder nur ein Beispiel: Hans Apel, Ex-Bundesminister und Kirchenvorstand, erwähnt in seinem Buch "Volkskirche ohne Volk" ein Thema der deutscher Kirchensituation: Vorehelicher Geschlechtsverkehr ist wie nichteheliche Lebensgemeinschaft zu akzeptieren; homosexuell geprägten Menschen ist zur gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft zu raten; schwule und lesbische Geistliche sind eine Bereicherung, sie sollen ihre Partnerschaft im Pfarrhaus angstfrei leben können.

Oder zum Film "Die Passion Jesu Christi". Da kann man nachlesen, die Darstellung des "ausgepeitschten, bespuckten, geschlagenen, zerfetzten Körper Jesu" sei "grausam, ekelhaft." Oder: Eine Synode habe verschiedene Meinungen, da verstehe man, dass eine Kirchenrätin verkünde, die Kirche hätte sich von der Kreuzestheologie verabschiedet.- Einer solchen Kirche mag angehören, wer will, doch wohl kaum "wer geschmeckt hat die himmlische Gabe und Anteil bekommen hat am Heiligen Geist und an den Kräften der zukünftigen Welt."

Einheit mit den Sakramenten? Wieder nur, was man eben öffentlich vorgesetzt bekommt. Der Theologe Willi Anderau verkündet: "Die meisten in den Kirchen werden selbstverständlich als Babys getauft, damit in die Gemeinschaft aller Christen aufgenommen, wobei die Eltern versprechen, ihre Kinder christlich zu erziehen, damit sie Gott kennen lernen und zum Glauben finden." Nur merkwürdig, dass ein fünfmal verheirateter Spitzenpolitiker, der z.Zt. wieder mit einer Neuen herumturtelt, auch noch Taufpate sein kann. Diese Taufe ist ja nicht die Ausnahme, sondern die Regel: Wie ein Synodaler fragt: "Kommt bald die reformierte Wiedertaufe?", steht er "gesamtschweizerisch allein auf weiter Flur" und wird das "Ansinnen" von der Synode massiv abgelehnt. Da soll es egal sein, welcher Kirche immer man angehört?

Soll das denn Sondergut sein, wenn der Hebräerbrief "als Anfang, was über Christus zu lehren ist, die Umkehr von toten Werken, Glauben an Gott, Lehre von Taufen, Händeauflegen, von der Auferstehung der Toten und vom ewigen Gericht" bezeichnet? Wir könnten weiterfahren: Sünde, Verlorenheit, Himmel, Hölle, Geistempfang, Wandel und Dienst im Geist, Prophetie, Wiederkunft Jesu - etwa pietistisches oder pfingstlerisches Sondergut? Wohl eher Voraussetzung biblischer Einheit.

Einheit - Einladung und Warnung
Die übergemeindliche geistliche Einheit gehört zum Schönsten, Wertvollsten und Vollmächtigsten des Leibes Christi. Sie ist zu bauen, zu fördern, zu pflegen, vor allem zur gemeinsamen glaubwürdigen Proklamation des Evangeliums.

Aber wir sind auch gewarnt. Die Endzeit wird von einer verweltlichten Kirche dominiert. Die Dramatik der biblischen Beschreibung gebietet sicherlich Zurückhaltung, sie vorschnell lokalisieren zu wollen. Blind und taub aber sind wir nicht, wenn wir die Warnung hören: "Geht hinaus aus ihr, mein Volk, dass ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen. Denn ihre Sünden reichen bis an den Himmel und Gott denkt an ihren Frevel." Davon ist von diesen Einheitsaposteln so wenig zu hören wie vom Sauerteig der Pharisäer und des Herodes und von Verführung, nach Jesu Wort Endzeitzeichen Nummer Eins.