Gedanken zum Lobpreis

Die Situation um den Lobpreis ist in vielen Gemeinden unbefriedigend. "Gedanken zum Lobpreis" sollen Anstoss zum Überdenken sein.
1. Um was es geht
Nicht nur in
Pfingstgemeinden, sondern auch in vielen Gottesdiensten anderer Denominationen ist der Lobpreis nicht mehr wegzudenken. Natürlich, das Lob Gottes war schon im AT-Leben der Gläubigen, vor allem in den Tempelgottesdiensten, allgegenwärtig. Was sich in der christlichen Kirche über zwei Jahrtausende fortsetzte. Davon zeugen Begriffe wie Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei. Die erweckte Gemeinde war immer auch eine singende Gemeinde. Welche Fülle und Tiefe an pietistischem und pfingstlichem Liedgut! T. B. Barrat hat allein hundert Lieder geschrieben; Pastor Paul dürfte ihm nicht nachstehen. In der ganzen Pfingsterweckung beflügelten viele inspirierte Chorusse jede Gebetszeit.

Hier reden wir vom Lobpreis, der vor rund 10 Jahren seinen Siegeszug aus dem angelsächsischen Raum über die ganze Welt angetreten hat. Meist jugendliche Anbetungsteams, die mit traditionellen Kirchen- und Gemeindeliedern wenig anfangen können, haben vielerorts den Lead übernommen. Aktuell sind vor allem "Worship"-Lieder, und vor allem ein grosses Angebot an Chorussen, die einen guten Teil des Gottesdienstes bestimmen. Sie dominiert übrigens auch die christliche Musikindustrie.

2. Biblische Positionen
Das Gemeindegebet gehört
zur Liturgie des Gottesdienstes, und diese ist nicht ein Randgeschehen, sondern das Herzstück überhaupt. Sie beinhaltet alles Leiten, Reden, Vorlesen, Predigen, Schweigen - und beten.

Natürlich kann man
das Gebet der Gemeinde im weitesten Sinn als Lobpreis definieren. So nennt man auch die Psalmen das "Buch des Lobpreises", obwohl der Begriff t'hillaah "Lobpreis" als Überschrift nur im Psalm 145 vorkommt. Und es gibt wohl kaum einen Psalm, der bei allen Bekenntnissen, Klagen, Bitten nicht in das Lob Gottes ausmündet. Und doch kennt die Bibel eine ganze Reihe verschiedener Ausdrücke für das Gebet, wie Beten (proseuchomai), anbeten (proskuneo), lobpreisen (epeineo) oder lobsingen (humneo). Es geht im Gebet der Gemeinde um einen Reichtum an Dank, Anbetung, Gebet, Fürbitte, Chorgebet. In all‘ diesem Beten darf die Gemeinde "hinzutreten zu dem Thron der Gnade" Hebr 4,16.

Ein Schlüsselvers des Gebets finden wir in 1. Kor. 14,15: "Ich will beten mit dem Geist und will beten auch mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstand." Die Dominanz des Singens von Anbetungsliedern erfüllt vielerorts nur das "Lobsingen mit dem Verstand", auch wenn es geistlich ist.

3. Spannungsfeld alt/jung
Dass es um
das Singen, Musizieren und Beten Spannungsfelder gibt, ist offensichtlich. Musik stürzt heute in einer ungeheuren Fülle auf uns Menschen ein, erreicht uns aus Volksfesten, Massenkonzerten, Konzerthallen, Beatshops, ist fast allgegenwärtig durch die elektronische Kulisse. Die Gemeinde hat sich bei allem Reichtum ihrer Gesangs- und Instrumentalmusik auf einem schmalen Weg zu bewegen. Diesen Weg noch gemeinsam als verschiedene Generationen, vor allem als alt und jung zu finden, braucht eine grosse geistliche Sensibilität.

Da sind die Älteren und Alten: Ihre biblische Gewichtung ist offensichtlich. Gebote wie im Dekalog "Ehre Vater und Mutter“ 2 Mo 20,12, "Älteste haltet doppelter Ehre wert“ 1 Tim 5,17, "Gehorchet Euren Führern“ Hebr 13,17 muss die Gemeinde vor dem Zeitgeist bewahren, von dessen Jugendwahn und Diskriminierung des Alterns. Selbst die Welt nimmt dazu zunehmend Distanz. Es gehört zum Älterwerden, loszulassen, nicht Vergangenem nachzuhängen, auch offfen für Neues, für sie manchmal Befremdliches zu sein. Die Jungen dürfen liebevolles Verständnis der Alten erwarten.

Diese dürfen doch auch erwarten, dass etwas vom Liedschatz der Kirche und der Gemeinde weiterlebt. Sie sollen doch mal Lieder wie "Grosser Gott, wir loben Dich"; "Gott ist gegenwärtig" singen dürfen. Und von dem Schatz der Gemeinde: "Seliges Wissen, Jesus ist mein"; "Wenn Friede mit Gott meine Seele erfüllt"; "Welch ein Freund ist unser Jesus".

Und da sind die Jüngeren und Jungen: Auch sie haben eine starke biblische Stellung. "...eure Söhne und Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen“ Apg 2,17, "Niemand verachte deine Jugend“ 1 Tim,4,12; Tit 2,15. "Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn“ Eph 6,4. Sie sind eine wunderbare Gabe an die Gemeinde. Ihr Engagement, wie sie ihre Talente voller Dynamik und Hingabe einbringen, soll von den Älteren mitgetragen werden. Auch sie bringen einen Schatz in die Gemeinde ein. An die Stelle der Chorusse, mit denen vor Jahrzehnten gebetet wurde, ist ein reicher Schatz an "neuen" getreten. Und gewiss darf dabei auch mal "die Post abgehen".

Der gemeinsame Weg ist gewiss gottgewollt. Nicht umsonst hat Maleachi für die Endzeit von der Bekehrung der Herzen der Väter zu den Kindern, und der Herzen der Kinder zu ihren Vätern gesprochen, Mal 3,23. Und Jesus selbst hat grundsätzlich den Weg gewiesen, wenn er für den Bau des Reiches Gottes anordnet, "aus seinem Schatz Neues und Altes hervorzubringen" Mt 13,52.

4. Heiligkeit
Die Offenbarung illustriert
überwältigend Ernst, Herrlichkeit und Heiligkeit der Anbetung vor Gottes Thron. Dies ist auch wegweisend für unser Beten. Johannes erfährt die Offenbarung "im Geist". Sie eröffnet ihm eine gewaltige Schau des auferstandenen, verherrlichten Christus. Es öffnet sich ihm die Tür zum Himmel. Der Thron Gottes erstrahlt in Jaspis, Sarder, Smaragd. Auf 24 Thronen sind vierundzwanzig Älteste in weissen Kleidern, mit goldenen Kronen auf ihren Häuptern. Mächtige Thronwesen rufen ohne Ruhe, Tag und Nacht "heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige". Die Ältesten fallen nieder, indem sie ihre Kronen vor dem Thron niederlegen.

Noch sind wir in dieser Welt, noch sind wir nicht verherrlicht. Noch beinhalten Gebete der AT- und NT-Heiligen bis heute auch Nöte, Bedürfnisse, Anfechtungen. Der Einblick in den Himmel gibt uns aber eine Ahnung, um was es geht, wenn sich die Gemeinde im Gebet mit dem "himmlischen Jerusalem" Hebr 12,22 verbindet.

Masstab muss die
Heiligkeit Gottes bleiben. Es ist Gift für die Blutbahn der Gemeinde, wenn es dem Teufel gelingt, Musik und Sprache zu verweltlichen, zu verflachen, zu verarmen. Die Psalmen sind in persönlichen Klagen, Bitten, Bekenntnissen, Versprechen, Dank und Anbetung lyrischen Dichtungen. Gewiss finden Instrumente wie Zimbeln, Tamburine und Pauken Erwähnung, aber doch vor allem die Saiteninstrumente, Harfen, Lauten und Flöten. Selbst im letzten himmlischen Gebet in der Offenbarung, wo der Lobpreis in Siegesjubel "wie eine Stimme grosser Wasser und wie eine Stimme starker Donner" anschwillt, sind es immer noch Stimmen, ist es immer noch die grosse Schar, die spricht. Der Geist der Anbetung wird immer wieder triumphal sein, zuerst und vor allem aber "mit dem Schmuck des sanften und stillen Geistes, das ist köstlich vor Gott... damit eure Gebete nicht verhindert werden“ 1 Petr 3,4-7.

Was Not tut: Starke geistliche Leitung
Die Leitung des ganzen Gottesdienstes ist von hoher Verantwortung. Dazu gehört die Leitung des Gemeindegebetes und der Anbetung. Sie tut Not...

...in der Gemeinde
Lobpreisteams wirken mit zum Fluss des Heiligen Geistes in Anbetung und Gottesdienst. Sie bringen die Gemeinde zum Aufblühen im Gebet – nicht nur zum Singen –, dominieren sie nicht. Für diese Teams bleibt der Gemeindepastor verantwortlich, mit ihm die Ältesten und die Gemeinde als Ganzes. Führung muss helfen, dass Gemeinde – und Gäste! – wissen, was geschieht: Anbetung, Dank, individuelle Gebete, Fürbitte, Chorgebet. In der Wahl der Lieder und Chorusse muss Einheit sein. Auch für die begleitende Musik und ihre Lautstärke tragen sie die Verantwortung gemeinsam. Der Pastor muss nicht im Team sein. Er muss aber bereit und willkommen sein, unterstützend einzugreifen, wenn der Heilige Geist es von ihm erwartet.

..in der Bewegung
Es ist merkwürdig, dass man die Diener am Wort jahrelang bildet, ihre Lehre akribisch überwacht, unseren Anbetungsleitern (besser als Songleaders) dagegen kaum eine sorgfältige Bildung und Betreuung gewährt. Bewegungsleitungen müssten viel mehr Verantwortung für die Einheit in Lobpreis und Gebet wahrnehmen. Wie Pastoren sorgfältig herangebildet und schliesslich ordiniert werden, sollten auch Anbetungsleiter herangebildet, eingesetzt und betreut werden. Sie sollten auch über die Qualität des Liedgutes wachen. Die römische Kirche verlangt weltweit die gleiche gottesdienstliche Liturgie, damit sich jeder Katholik überall heimisch weiss. Es kann doch nicht sein, dass jede Gemeinde ein so anderes Chorusgut pflegt, dass man bei einem Besuch, schon bei der Nachbargemeinde, bestenfalls im Beten und Singen mitstottern kann.

Schönheit des Gottesdienstes
An der Evangelistenkonferenz
1964 in Lausanne nannte der späte Francis A. Schaeffer eine der grössten Aufgaben der Gemeinde unserer Zeit die Schönheit des Gottesdienstes. Paulus sagt in Phil 4,8: "Im übrigen, Brüder, so viel als wahr ist, so viel als ehrbar, so viel als gerecht, so viel als lauter, so viel als freundlich, so viel als wohllautend ist, dies setzt in die Tat um, und der Gott des Friedens wird mit euch sein." Papst Benedikt beklagt im Blick auf die römische Kirche Blindheit und Taubheit dem Schönen gegenüber: "Ein Theologe, der Kunst, Dichtung, Musik und Natur nicht liebt, kann gefährlich sein." Müssen wir uns nicht etwas Ähnliches sagen? Bei aller Wucht der Grossartigkeit für Ohr und Auge kirchlicher Zelebration wissen wir dabei: Man kann mit tausend Orgeln brausen, wenn der Heilige Geist nicht braust, ist's klingende Schelle. Das haben wir auch erlebt: Herrliche Stimmen, grossartige Kunst – und die Herzen blieben kalt. Und dann kommt ein einfaches Chörlein, von irgendwoher, ergriffen vom Heiligen Geist, singt in aller Schlichtheit – und tausend Herzen werden berührt, kaum ein Auge bleibt trocken.

Die PEK in Oslo liess uns das erleben. Starke Gebete von der Kanzel, Anbetungsleiter und -leiterinnen, die die Konferenzgemeinde subtil und mit starkem geistlichem Gespür in die Anbetung führten und leiteten. Immer wieder vereinigten sich Posaunen, Pauken und Gitarren zur Anbetung der Solisten und der Tausenden, auch zur gemeinsamen Anbetung in neuen Zungen.

Auch ein Highlight, als Stephan Barratt die Violine spielte – schon Thomas Ball war ein Meister des Instruments –, sang die weit über Skandinavien bekannte Sopranistin Kersti Esselwall-Smars in grosser Schlichtheit das Lied "Gottes Verheissungen bleiben" von Lewi Pethrus, das sie mit dem hohen C krönte. Mit dem Text, der auch heute ein Bekenntnis der ganzen Pfingstbewegung ist:

1. Gottes Verheissungen bleiben, sie wanken ewig nicht.
Blutend hat Jesus besiegelt, was Er im Wort verspricht.

2. Richte den Blick nur nach oben, wie einstens Abraham.
Während die Sterne du zählest, Glaubensmut reichlich naht.

3. Glaube, wenn alles auch dunkel, wenn gleich das Herz dir bricht.
Nur ein paar Stunden es währet, dann strahlt das Sonnenlicht.

4. Glaube trotz aller Verfolgung. In deiner Trübsalsglut
wandelt dein Herr, der Sohn Gottes, und Er macht alles gut.

5. Glaube, wenn Freunde versagen! Einer bleibt dennoch treu!
Jesus, dein Freund, wird dich tragen, stärket dich täglich neu.

6. Glaube in all‘ deinen Nöten, bald geht es himmelwärts!
Dort wirst in Wahrheit du schauen, was hier geglaubt dein Herz.

HIMMEL UND ERD‘ MAG BRENNEN, HÜGEL UND BERG VERSCHWINDEN;
DOCH, WER DA GLAUBT, WIRD FINDEN, GOTTES WORT BLEIBT STETS WAHR.