Offener Brief an den Bundesrat zum UNO-Beitritt der Schweiz

Sehr geehrter Herr Bundesrat,

zur Zeit engagiert sich unsere Regierung für den UNO-Beitritt der Schweiz. Sie begründet dies vor allem mit dem Argument, es gehe darum, dass wir auch als Schweiz unsere Stimme einbringen sollten.
Emmetten, 16. Januar 2002
An das Departement für
Auswärtige Angelegenheiten
Herr Bundesrat Joseph Deiss
Bundeshaus West
3003 Bern



OFFENER BRIEF



Sehr geehrter Herr Bundesrat,

zur Zeit engagiert sich unsere Regierung für den UNO-Beitritt der Schweiz. Sie be- gründet dies vor allem mit dem Argument, es gehe darum, dass wir auch als Schweiz unsere Stimme einbringen sollten.
Viele sind beunruhigt und wohl auch empört, wie einseitig die UNO im Nahost-Kon- flikt Stellung nimmt. Mit über 200 Resolutionen wurde bisher Israel verurteilt oder gemassregelt. Im Gegensatz zur palästinensischen Seite, deren Terror kaum je auch nur Erwähnung, geschweige denn Verurteilung findet. Eben hat sie mit 133 Ja-, 4 Nein- stimmen und 16 Enthaltungen Israel als Besatzungsmacht bezeichnet und aufgefordert, willkürliches Töten, Folter und die Zerstörung des Besitzes von Palästinensern zu unter- lassen. Kein Wort an die palästinensische Seite.
Weit wichtiger als das allgemeinde Pro und Kontra ist uns die Tatsache, dass Israel laut der Heiligen Schrift das in besonderer Weise erwählte Volk Gottes ist. Es ist von grosser Tragweite, wie wir uns auch als Regierung und Nation diesem Volk gegenüber verhalten. Das heisst nicht, dass das politische und militärische Handeln Israels nicht kritisiert wer- den dürfte. Die erwähnte völlige Einseitigkeit aber kann nicht zum Segen werden. In der UNO zu sein, um mit den Wölfen zu heulen, kann nicht unser Anliegen sein. Es würde nun doch sehr interessieren, welche Stellung die Schweiz in diesem Konflikt bisher eingenommen hat, womit klar werden dürfte, wie sich unsere Landesregierung diesbezüglich in der UNO verhalten würde.
Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichem Gruss

Jakob Zopfi