Gottesdienste – Feste des Herrn

Unsere Gottesdienste - Feste des Herrn

Aus einer Ansprache an die SPM-Generalversammlung vom 9.4.2003 in Zürich
Unsere Gottesdienste - Feste des Herrn

Aus einer Ansprache an die SPM-Generalversammlung vom 9.4.2003 in Zürich


TEIL I

I. Unsere Gottesdienste

Der Gottesdienst ist der eigentliche Angelpunkt der Gemeinde Jesu. Auch wenn "Dienst" unser ganzes Leben und Sein umfasst, bilden die Gottesdienste als Feste des Herrn den Mittelpunkt.

Die Gottesdienste im AT

Bei dieser überragenden Bedeutung ist es gut zu wissen, dass uns Gott selbst ein solides Fundament dazu gegeben hat. In Römer 9,1-5 bezeugt Paulus, dass den Israeliten "der Gottesdienst" gehört. Einzigartig in der ganzen Menschheitsgeschichte, ordnet Gott selbst die Feste und Versammlungen an für sein Volk. In 3. Mose 23 ausführlich chronologisch aufgeführt, finden wir den Sabbat als Wochenfest, und dann sieben Feste, die während eines Jahres zu feiern waren. Von den letzteren werden in 2. Mose 23 die drei Hauptfeste Passah,- Wochen- und Laubhüttenfest besonders hervorgehoben.

Die Gottesdienste im NT

Wenn Gott diese Feste als "ewige Ordnung" bezeichnet, hat er bei deren Festlegung weit über das Volk des Alten Testaments hinaus gedacht. Jesus und die Apostel waren tief im Alten verwurzelt, haben es aber um-, ja neu gestaltet. "Zu den Alten ist gesagt - ich aber sage euch!" Das Alte war gut, das Neue ist besser. Gut und besser nicht im blossen Sinn von einem Stück Brot. Sondern vom Alten zum Neuen Bund als einer anderen und neuen Heilsordnung. Wider den Rückfall ins Gesetz hat Paulus sein Haupt wie ein Löwe erhoben: "Anathema - der sei verflucht!" Es geht jetzt um das Bessere des Hebräerbriefes: besserer Bund, bessere Verheissungen, besseres Opfer, besseres Vaterland, bessere Auferstehung - und auch besserer Gottesdienst. Zu diesem sind Verständnis und Beachtung der Prinzipien des AT-Gottesdienstes unabdingbare Voraussetzung.


II. Die Bedeutung der AT-Feste für unsere Gottesdienste

Der Sabbat: Wir müssen den Sonntag ernster nehmen

Man muss wieder einmal den tiefen Ernst des Sabbatgebotes im Wortlaut des Dekalogs lesen: "Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tag. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn."

In den Niederlanden wurde von einer Stiftung 50 000 Euro für den schriftgemässen Beweis angeboten, dass der Sonntag und nicht der Sabbat zu feiern sei. Das ist müssig. Gewiss, der Sabbat und das absolutes Werkverbot bedeuten uns im neuen Bund zuerst: "Es ist noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen. So lasst uns nun bemüht sein, zu dieser Ruhe zu kommen." (Hebräer 4) Wir feiern den Sonntag aber als siebten Tag, weil Gott selbst diesen Ruhe- und Feiertag mit der Schöpferordnung und dem Sabbatfest begründet.

Herman Wouk, ein jüdischer Regisseur schreibt: "Der fromme Jude reist nicht am Sabbat, kocht nicht, benutzt nichts, was mit Motorkraft oder Elektrizität betrieben wird, gibt kein Geld aus, raucht nicht und schreibt nicht. Für ihn steht die Welt der Arbeit still. Fast alle mechanischen Annehmlichkeiten der Zivilisation fallen weg. Das Radio bleibt stumm, der Fernsehschirm dunkel. Kino, Fussballspiele, der Golfplatz, Autobahnen, Kartenspiele, der Grillofen - im Grunde so ziemlich alles, was man gewöhnlich in seiner Freizeit treibt, fällt für ihn weg."

In einem Sheranton-Hotel in Basra füllte eine Schar Mohamedanerinnen in Nonnentracht die Lobby. Verwundert wurde gefragt, wie sich denn eine Küchenangestellte, grell geschminkt, praller Busen, seitlich geschlitzter Rock in diese Gesellschaft verirren konnte. Antwort: "Es muss eine Christin sein." Es ist nicht für Nonnentracht, auch nicht für den jüdischen Sabbat zu plädieren. Und doch ist es eine Schande, wie die sogenannte Christenheit aus dem Sonntag einen Hexensabbat macht. Sonntag für Sonntag sind zwar die Kirchen halbleer, aber eine Blechlawine von Autos wälzt sich den Ausflugszielen entgegen. In unseren Gemeinden dürfen wir mit Dankbarkeit eine grosse Treue zu den Gottesdiensten feststellen. Und doch müssen auch wir prüfen, ob mancherorts Gottesdienste nicht wie Flickenteppiche mit Löchern aussehen.

Wir brauchen nicht Menschensatzungen nachzueifern. Immerhin hat Gott das Feueranzünden am Tag des Herrn verboten. Der Mittagstisch musste also vorher zubereitet sein. Und Gott hat geboten, den Wohnort nicht zu verlassen. Der siebte Tag ist der Tag des Herrn. Es geht beim Tag des Herrn nicht nur um den Besuch des Gottesdienstes. Es soll ein Tag der Ruhe und der Feier sein. Wie besser können und dürfen wir dies tun im Feiern mit der Gemeinde! Gott sei Dank für die Gemeinde mit ihren Gottesdiensten! Nur, wenn wir denn Offenbarungen unseres Herrn und Wirkungen des Heiligen Geistes erwarten, hat dies sehr wohl damit zu tun, wie wir ihn feiern: "Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn." Wir müssen uns "bemühen, zu dieser Ruhe zu kommen." Wir müssen den Sonntag wieder ernster nehmen!




TEIL II - Die drei Hauptfeste


1. Das Passa: Das Kreuz in die Mitte!
Aus dem Massiv des jüdischen Jahreskalender ragt als erstes der drei Hauptfeste das Passa heraus. Wie der Cantus firmus tönt es durch die ganze Heilige Schrift, wie Gott sein Millionenvolk mit mächtiger Hand aus dem glühenden Ofen der 400jährigen Gefangenschaft Ägyptens herausführte. Das Passa erinnert an das geschlachtete Lamm, dessen Blut an die Türpfosten gestrichen werden musste, damit der furchtbare Würgengel schonend vorbeiging. Die Elemente der AT-Feier müssen nun neutestamentlich unsere Gottesdienste prägen:
Das Lamm! In allen Festen waren die Opfer der Mittelpunkt. Wie musste es da still geworden sein, wenn die vollkommensten Tiere hereingeführt und inmitten der Gemeinde geschlachtet wurden. Wie muss es uns feierlich zumute sein, wenn wir an die Schlachtung Jesu denken. O nein, da war kein scharf geschliffenes Schlachtmesser, keine schonende Methode, da waren keine geschulten Schächter. Da war die höhnende Soldadeska, da waren die Dornenkrone, die Peitsche, das Kreuz, die drei Nägel. Aber dann der Triumph: "Wir haben die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden! Wir sind gerecht gemacht durch sein Blut. Er hat Frieden gemacht durch das Blut seines Sohnes!

Was war das für eine Weltkonferenz 1998 in Seoul, als über den hunderttausend Feiernden im Olympic Stadium ein riesiges Kreuz aus tausend roten Ballons schwebte. Als hunderte von Jugendlichen in roten Shirts ein grosses Kreuz auf dem grünen Rasen bildeten. Und, wohl der Höhepunkt, als eine wunderbare Altstimme das Stadion füllte: "O ich liebe das altrauhe Kreuz!" Diesem Kreuz gehört die Mitte!

Die Haggada. Sie ist die Erzählung des Auszugs aus Ägyptens, das beliebteste Stück hebräischer Literatur, Thema jedes jüdischen Künstlers von Rang. Jedes jüdische Kind muss diese Geburtsurkunde seines Volkes kennen.- Da hat im neuen Bund jedes Gotteskind in seiner Biographie die Stunde oder die Zeit seiner Errettung. Mit spektakulärem Durchbruch, oder in stillem Wachstum - wunderbar geht's immer zu. Unvergesslich ein Gottesdienst, in dem ein Mann seine Bekehrung schilderte. Dann folgte eine Reihe von 15 Männern und Frauen, die sich in der Folge zu Jesus bekehrt hatten. Davon reden wir!

Die Vernichtung des Sauerteigs: Unmittelbar verbunden mit dem Passafest sind die sieben Tage der ungesäuerten Brote. Die Juden haben dies liturgisch ganz genau genommen. Es bedeutete für sie das Grossreinemachen im Hause. Jede gesäuerte Brotkrume musste gründlich aufgestöbert und vernichtet sein. Schliesslich kontrolliert vom Hausvater mit den Kindern, die mit einer Kerze jede Ecke der Wohnung ausleuchteten.
Dies bedeutet für uns das Ausfegen des alten Sauerteigs. Jesus sagte wäh rend des letzten Mahles zu Petrus, obwohl seine Jünger ja grundsätzlich gereinigt waren: "Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir." Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen. Dies wird besonders beim Abendmahl ersichtlich, wenn Paulus sagt: "Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Blut und trinke von diesem Kelch."



2. Das Wochenfest: Vom Heiligen Geist bewegt

Das zweite grosse Jahresfest fand sieben Wochen nach dem Fest der Erstlingsfrüchte statt. Darum Wochenfest. Die sieben Wochen ergeben 50 Tage. 50 gleich pentekoste, also Pfingsten. Von diesem Tag spricht Lukas in seinem Bericht: "Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus...Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist."
In der Pfingstbewegung -und weit über sie hinaus- hat der Herr dieses Hauptfest in unseren Tagen neutestamentlich in der mächtigen Ausgiessung des Heiligen Geistes erfüllt. Nun gilt für alle, die sich hinzurufen lassen; "Du musst von neuem geboren sein!" Es gilt die Verheissung Jesu: "Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden!" Pfingsten muss stark sein! Es bedeutet die Präsenz der Wortgaben der Weisheits- und Erkenntnisrede, der Weissagung, des Sprachenredens und der Auslegung. Es bedeutet die Gaben der Kraftwirkungen. Und es bedeutet den Wandel im Heiligen Geist mit der Entfaltung der Geistesfrucht der Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit. Und es bedeutet am Feuer des Altars entzündete Dienste der Apostel, Propheten, Hirten/Lehrer, Vorsteher, Älteste und Diakone. Das muss stark sein in unseren Gottesdiensten!


3. Das Laubhüttenfest: Der Herr kommt bald!

Sieben Tage währte das grösste der drei Hauptfeste. Zehntausende sammelten sich dazu in Jerusalem. Abertausende von Hütten aus Binsen -"Laubhütten"- wurden in den Strassen, auf Feldern und Hügeln rund um Jerusalem aufgebaut. Das Volk gedachte damit der Wüstenwanderung in Zelten, der Heimat der Verheissung entgegen. Unsere Gottesdienste müssen bewusst machen: "Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir." Jesus verheisst seinen Jüngern: "In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin." Das ist unsere Erwartung: Bald ertönt die Stimme des Erzengels, bald wird die Posaune Gottes erschallen. Dann werden wir entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen. Es ist die Ankunft des Herrn für die Gemeinde (Parusie), seine Erscheinung in Herrlichkeit (Epiphanie), seine Enthülllung (Apokalypse) in der Begegnung des Bräutigams mit der Braut. Wie sollte dies in unseren Gottesdiensten einschlafen!
Mit grosser Zuversicht singen wir viel mehr:

Er kommt in den Wolken mit Posaunenschall,
Jesus kommt, Jesus kommt!
Er kommt in den Wolken mit Posaunenschall
Und holt die Seinen heim!



Teil III: HEILIGE GOTTESDIENSTE


Heilige Versammlungen

In 3. Mose 23 werden der Sabbat und die Jahresfeste "Feste" und "Festversammlungen" bezeichnet, vor allem aber wird der eine Satz etwa ein Dutzend mal gehämmert: Sie sollen als "heilige Versammlungen" ausgerufen werden mit dem ausdrücklichen Gebot: "Da sollt ihr keine Arbeit tun."
Begegnung mit Gott

Heilige Gottesdienste, denn es geht um die Begnung mit Gott. Um nichts weniger. Was das bedeutet, leuchtet auf, wenn die Bibel sie beschreibt:
Am Sinai: Bei der Gesetzgebung "fährt der Herr herab" mit Donner, Blitzen, sehr starkem Posaunenton, was das ganze vor dem rauchenden Berg versammelte Volk Israel bis ins Mark erschüttert.
In der Stiftshütte: Wie sie Gott geweiht wurde, kommt der Herr in der Herrlichkeitswolke herab, sodass selbst Mose, ein Fürst unter Gottes Dienern, sich nicht wagt, sie zu betreten.
Im Salomonischen Tempel: Als die Herrlichkeit der Gegenwart Gottes den Tempel erfüllt, wagen die Priester nicht ihn zu betreten und das Volk aber fällt angesichts des göttlichen Feuers mit dem Antlitz zur Erde auf die Knie.
Bei Jesaja: Er sieht den Herrn auf hohem, erhabenen Thron. Wie der Saum seines Kleides den Tempel füllt, bedecken die Engelfürsten ihr Antlitz und rufen: "Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth. Alle Lande sind seiner Ehre voll." Jesaja, einer der geistesmächtigsten Propheten, ruft: "Weh mir, ich vergehe. Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen!"
Jetzt könnten wir von Hesekiel reden, vor allem vom Apostel Johannes (Offenbarung Kapitel 1 und 4!), vom Apostel Paulus. Höchste Majestät und Herrlichkeit auf der Seite Gottes, tiefste Ehrfurcht und Erschrecken auf der Seite der Menschen brechen jedesmal durch. Es sind dies keine Alltagsbegegnungen, zeigen aber überdeutlich, wer uns zu "heiligen Gottesdiensten" ruft.


Unsere Gottesdienste

Sie sollen heilig sein. Man hat "heilig" grundsätzlich als abgesondert und zugesondert zu verstehen. Dies setzt Scheidung voraus: Abgesondert von der Finsternis, zugesondert zum Licht. Abgesondert von der Herrschaft Satans, zugesondert zur Herrschaft Gottes. Abgesondert vom Geist der Welt, zugesondert zum Heiligen Geist. Abgesondert von weltlichen und verweltlichten Gottesdiensten, zugesondert zu heiligen Gottesdiensten.
Scheidung begegnet uns schon im Schöpfungsbericht: "Da schied Gott das Licht von der Finsternis." Sie begegnet uns bei Abraham: "Gehe aus deinem Vaterland in ein Land, das ich dir zeigen werde". (Sein Rückzug -und Rückfall- nach Ägypten wurde zur bitteren Blamage. Lot, der wohl auszog aber in Sodom hängen blieb, ging's noch miserabler.) Dieses Prinzip setzt sich fort durch die ganze Heilsgeschichte.


Für die Gottesdienste der Gemeinde -die Heraus- und Zusammengerufene!- heisst dies Scheidung zwischen göttlicher und weltlicher, geistlich gewirkter und menschlich gemachter Wirklichkeit. Es geht um nichts weniger als um die Gegenwart Gottes, die Wirklichkeit: Der Herr ist da! In seiner Gegenwart geschehen Ehrfurcht, Lobpreis, Anbetung, Überführung von Sünde, Bekehrung, Wiedergeburt, Geistestaufe, Heilungen und Berufungen, trifft das Reden Gottes das Herz. Heilig heisst hier "voll des Heils"!


Heiligkeit soll vor dem Gottesdienst beginnen. Es ist gewiss positiv, wenn sich Geschwister -und Prediger auf der Plattform- etwas zu berichten haben. Eine obeflächliche Schwatz- und Tratschatmosphäre bis zu Gottesdienstbeginn - nein.
Heiligkeit sollte auch etwas mit Prioritäten zu tun haben. Es ist Gottesdienst! Begrüssung -und es ist gut, den An- (und Ab-)wesenden ganze Aufmerksamkeit zu geben. Infos, Wochenprogramm, dies alles braucht seinen guten Platz. Aber nicht den ersten. Keine geistliche Liturgie -und es wäre nicht deplatziert, würde man über diesen oft verpönten Begriff einmal ernsthaft nachdenken- liesse dies nicht zu.


Heiligkeit in der Anbetung! Welche Bedeutung liegt doch in der Kraft der Gemeinde, gerade auch wenn sie anbetet. Das gemeinsame Gebet kann so wichtig, ja manchmal noch wichtiger sein wie die Verkündigung. Die Gemeinde in die Gegenwart Gottes zu führen, gehört damit zu den höchsten Diensten. Bei aller Anerkennung von Anbetungsteams: Sie müssen geistlich empfindsam sein, nie dominierend, die ganze Breite der Gemeinde mitnehmend, den Geist fördernd, nie dämpfend, oder wie es wörtlich heisst "löschend".


Heiligkeit in der Musik! Als Tor zur Welt der Empfindungen und Gefühle kann sie geheimnisvoll zutiefst berühren, und kann derb verschliessen. Die ganze Gemeinde, alt und jung, hat ein Anrecht auf ernsthafte Berücksichtigung. Schon ein Baby hat ein Empfinden für Harmonie und Dissonanz. Sondergottesdienste mögen sich im Stil auf Altersgruppen ausrichten. Wenn aber die Gemeinde zusammenkommt, darf sich die Musik nicht nach dem Gusto eines Teils von ihr richten. Heutige Entwicklungen auf dem Gebiet der Musik in Gemeinden können Grund zur Sorge sein. Ich habe zur Kulisse einer Konferenz kommentiert: "Dass bei jeder Gelegenheit gepfiffen und gejohlt wird? Und: Gewiss, die Zeit, als beim ersten Aufkommen des Schlagzeugs der Kriegsruf einiger Väter erschallte: 'Schlagt das Schlagzeug zusammen' ist längst vorbei, und war so auch nicht berechtigt. Aber diese Dominanz dieses Beats?! Nein, zum geistlichen Hooligan habe ich das Zeug noch immer nicht."


Heiligkeit in unserer Erscheinung. Die Bibel hat dazu sehr viel zu sagen. Selbst viele in der Welt haben die Nase voll vom "Gammellook, Plumpsack-Outfit, von 'bauchfrei' als heissestem Modetrend - von der Provokation als göttlichem Gesang des süssen Vogels Jugend" (SPIEGEL). Da wünschten sich gar 94% der 18 - 29jährigen gemäss einer Umfrage mehr Anstand, Höflichkeit und Ordnung im Alltag. Wagen es denn Kinder Gottes, im Gottesdienst zu erscheinen, wie sie von säkularen Chefs nach Hause geschickt würden?
Heiligkeit in der Predigt. Kein Vortrag, keine Bibelstunde: Predigt! James Henry Thornwell, ein grosser Prediger, sagt: "Es ist eine grosse Sache zu verstehen, was ein Prediger ist und wie man predigen soll. Wirkungsvolles Predigen kommt aus sorgfältigem Studium, Disziplin, Gebet und vor allem der Salbung des Heiligen Geistes. Jemand, der eine Ahnung hat, was Predigen wirklich ist, wird empfinden, noch nie gepredigt zu haben. Aber er wird damit weiterfahren in der Hoffnung, dass er eines Tages durch Gottes Gnade wirklich predigen wird." Und Martyn Lloyd-Jones, auch er ein grosser Prediger: Es gehe um das Engagement der ganzen Persönlichkeit, um Autorität, Freiheit, Verbindung mit der Versammlung, um Ernst, Wärme, Dringlichkeit, Pathos, Kraft. Welch hohe Anforderung an den Prediger!


Es braucht schon eine Portion Hochmut und Arroganz, sich nicht mit einem Paulus(!) zu fragen: "Wer ist dazu tüchtig?" Es geht ja noch um mehr. Um das Segnen, um das Erheben der Opfer, um Abendmahl, Taufe, um Hochzeiten, Beerdigungen. Um den Abschluss der Gottesdienste. Da bedarf es mehr als zeitgeistiges Moderieren. Da bedarf es schon der Gnadengabe " vorzustehen mit Fleiss". Nicht nur Gemeinden als Ganzes, sondern auch der Gottesdienst braucht ein von Gott begnadetes Führen, Steuern und Leiten, was diese Gabe meint.


Heilig ist Schönheit. Das Schöne ist der Glanz des Wahren. Unvergesslich, wie Francis Schaeffer am Kongress für Evangelisation in Lausanne sagte: "Eines der grössten Bedürfnisse der Gemeinde heute ist ein Fortschritt in der Schönheit des Gottesdienstes." Viertausend Pastoren und Evangelisten aus aller Welt bejahten dies. Sie quittierten den Aufruf dieses grossen Lehrers und Gottesmannes mit einer stehenden Ovation.