September 2008 "Erweckung" in Lakeland/Florida

Die Lakeland-Erweckung
Nach Toronto 1994, Pensacola und Tula (1995) ist eine neue Erweckungswelle in aller Munde. Sie brach am 2.4.2008 in der Ignited Church (entbrannte Kirche), Lakeland/Florida auf. Aufsehen erregend sind vor allem "Zeichen und Wunder", die von Wunderheilungen, ekstatischen Entzückungen bis zu Totenerweckungen geschehen sollen.

Eigentlich merkwürdig, dass uns eine 10 000 km entfernte Erweckung so umtreiben soll. Ruft nicht die Schrift auf: "Bekehre dich zu dem HERRN, deinem Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele!" Um dann fortzufahren: "Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht verborgen noch zu ferne noch im Himmel... Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du möchtest sagen: Wer will uns über das Meer fahren und es uns holen... Denn es ist das Wort gar nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust“ 5 Mo 30,10-14.

Nun sind die uns erreichenden Meldungen übers Meer aber doch sehr eindrücklich. Prof. Vinson Synan findet den Erweckungsträger Todd Bentley, 32, den "kleinen, dicken und kahlköpfigen Jungen, der aussieht wie ein Hippie" positiv. Peter C. Wagner, bekannt durch die "Geistliche Kampfführung", hat Bentley am 23. Juni 2008 öffentllich ordiniert. Der charismatische Pastor Wolfram Kopfermann (Autor "Farbwechsel"), der Lakeland persönlich besuchte, bejaht Todd Bentleys Anliegen "der Rückgewinnung der urchristlichen Vollmacht im Bereich von Zeichen und Wundern" und sieht darin ein "göttliches Ermutigungssignal".

Der Lakeland-Aufbruch vermeldet denn auch beeindruckende Zahlen. An Gottesdiensten nehmen bis zu 30 000 Personen aus aller Herren Länder teil. Wöchentlich verfolgen 200 000 die Übertragung auf dem Fernsehkanal God-TV. Seine Homepage weise laut Bentley monatlich 6 Millionen Besuche aus. Tausende Kranke würden gesund, rund zwei Dutzend Tote auferweckt. In nicht einmal einem halben Jahr seien laut Bentley mehr als eine Million Christen geworden.

Nun gibt es aber offensichtlich auch ernste Fragezeichen. Solange etwas in Jesus Christus ist, mag es vieles, auch Befremdliches und Komisches, ertragen. Zudem: Was hat die Pfingstbewegung bei ihrer Entstehung an Verdächtigungen, Schmähungen und Schauergeschichten über sich ergehen lassen müssen? Aber nicht alle Kritik an ihm ist, wie Bentley sie von sich weist, dämonisch. Prüft man, was laut Bibel geboten ist, taucht da einiges auf.

Sein Auftreten: Dass er mal im T-Shirt mit Skelett predigt – man kann nun mal drastisch daran erinnern, dass jeder Mensch sterben muss. Fragwürdiger ist sein Piercing an Augenbraue, Kinn, Fingern, und noch mehr, dass sein ganzer Leib über und über mit verwirrenden Figuren und Zeichen tätowiert ist. Was sich schlecht verträgt mit der Ermahnung in 1 Petr 3,3: "Euer Schmuck soll nicht der äusserliche sein..., sondern der unvergängliche Schmuck des sanften und stillen Geistes; das ist köstlich vor Gott."

Zu den Krankenheilungen: Seine Handauflegungen können schon mal handfest sein. Aber es passiert ja nicht jeden Tag, dass er einem Kranken einen Zahn ausschlägt oder einem Krebskranken in den Bauch tritt, um den Tumor auszutreiben. Laut Bentleys Missionsnachrichten gehen Behinderte, springen Gelähmte über die Bühne, verschwinden Leukämie, Tumore und Wunden, können Taube wieder hören. Um der Kritik zu begegnen, von den Tausenden von Geheilten und den Dutzend Auferstandenen sei nichts zu sehen, erhielten Journalisten eine Liste medizinisch bestätigter Fälle. Laut Fernsehsender ABC New York konnte nicht einer von ihnen erfolgreich geprüft werden.

Mit der unsichtbaren Welt soll Bentley recht intensiven Kontakt haben bis zur Fähigkeit, nach Wunsch in den Himmel zu reisen. Mit dem Apostel Paulus hatte er persönlichen Kontakt. Schliesslich schwebe in seinen Heilungsversammlungen ein weiblicher Engel Emma über den Boden herein, wunderschön, etwa 22jährig und gleichzeitig alt, um den tapferen Evangelisten zu unterstützen.

Schon nach 133 Tagen
unterbricht Todd Bentley seinen Dienst, nachdem er und seine Frau Schonnah, Eltern von zwei Töchtern und einem Sohn, die Trennung einreichten. Nach kanadischem Recht folgt nach neun Monaten Trennung die Scheidung.

Obwohl Bentleys "entbrannte Kirche" eine freie, unabhängige Gemeinschaft ist, die mit der Pfingstbewegung nichts zu tun hat, wird sie von Kritikern in ihrem Umfeld angesiedelt. Was sollen wir dazu sagen? Wir beeilen uns nicht, zu jedem echten oder vermeintlichen Foul zu pfeifen. Für die Assemblies of God, mit weltweit über 50 Millionen Gläubigen, hat ihr Generalsuperintendent George O. Wood (Springfield) Todd Bentley, der selten eine Bibel in die Hand nimmt, Wunder wie das Platzen von Popkorn ankündigt und auch mal "im Namen des Vaters, des Sohnes und Bumm" tauft, kommentiert: "Wunder sind nie ein Beweis für eine echte Erneuerung - die Treue zum Wort Gottes ist vielmehr der Test. – Jesus selber sagte, dass viele in seinem Namen Wunder tun und sogar Dämonen austreiben werden, aber er kenne sie nicht."

Das dürfte an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen.