Jubiläum 600 Jahre Konzil

Jubiläum 600 Jahre Konzil 2014 - 2080
Es war ein Weltereignis des Mittelalters. Nach Klaus Schelles "Das Konstanzer Konzil" war es ein Kommen und Gehen von insgesamt bis zu 60 000 Teilnehmern. Allen voran waren es drei Päpste, drei Patriarchen, 29 Kardinäle, 33 Erzbischöfe und über 300 Bischöfe. Dazu  kamen die weltlichen Würdenträger, dominierend von Kaiser Sigismund, umgeben von einer Reihe von Herzögen - von denen einer mit 600 Pferden anrückte. Im Hafenbecken von Konstanz erinnert heute zudem die  Statue IMPERIA an die damals bis zu 1500 "Hübschlerinnen", die zu Diensten des Konzilvolkes Konstanz heimsuchten.

Das Konzil hatte sich drei Ziele gesetzt: Die Causa unionis - Beseitigung der grossen Kirchenspaltung; die Causa fidei - Bekämpfung der Ketzerlehre; und die Causa reformationis - Reform der Kirche. Erreicht wurde die Einigung auf einen Papst. Die  Bekämpfung der "Ketzer" gipfelte in der Verbrennung zweier Reformatoren. Die geplante Reformation der Kirche fiel völlig flach.

So zwielichtig wie das Konzil sind die Themen, die zum Jubiläum publiziert werden. 2014 - König Sigismund: Jahr der europäischen Begegnungen. 2015 - Jan Hus: Jahr der Gerechtigkeit 2016 - Imperia: Lebendiges Mittelalter 2017 - Papst Martin V.: Jahr der Religionen 2018 - Oswald von Wolkenstein: Jahr der Kultur. Zu all dem wollen wir nicht schweigen. Im Gegenteil: Der rote Teppich für das evangelistische Zeugnis ist entrollt:   

2014 König Sigismund: Genial hat er politisch die Fäden gezogen, die Gestalt Europas, wie das der Eidgenossenschaft mitgeprägt. Sein Wortbruch gegenüber Jan Hus besiegelte aber nicht nur seinen Feuertod von und den seines Mitstreiters Magister Hieronymus von Prag. Damit wurde auch das Tor aufgestossen zum Blutbad für Hunderttausende Gefallener der dem Konzil folgenden Hussitenkriege.- Die Heilige Schrift schildert manches Geschick weltlicher Könige. Ihr überragendes Thema ist aber Jesus Christus, "der König der Könige und der Herr aller Herrschenden, der allein Unsterblichkeit hat, der in einem unzugänglichen Licht wohnt, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann; ihm sei Ehre und ewige Macht!" (1) Das ist auch unser überragendes Thema und Zeugnis.

2015 Jan Hus:
Der Magister von Prag bezeugt standhaft trotz monatelangem harten Kerker auf Reichenau und Schloss Gottlieben, trotz wüstem Geschrei von Prälaten im Münster, auch angesichts des Todesurteils: "Ich, Johann Hus, in der Hoffnung ein Priester Christi zu sein, in der Furcht, Gott zu beleidigen bin ich nicht bereit zu widerrufen. Wenn aber meine Stimme jetzt in aller Welt gehört werden könnte, so wie beim Jüngsten Gericht jede meiner Lügen und Sünden sich offenbart, so wollte ich ganz freudig vor aller Welt abschwören, was ich je an Falschem oder Irrigem gedacht oder gesagt habe." Verurteilt, trug er die Ketzerkappe mit zwei roten Teufeln als Ehrenkrone, sang in den Flammen, solange er Atem hatte. Was das Feuer übrig liess schüttete man mit Schubkarren in den Rhein. Ein Jahr später wurde Hieronymus von Prag an gleichem Ort als Ketzer verbrannt.- Hus, Hieronymus, Märtyrer bis in unsere Tage, vor allem aber Jesus Christus, der sich auf Golgatha für uns kreuzigen liess, sind uns Ermutigung zum Zeugnis: "Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gottes Gerechtigkeit würden" (2).

2016 Imperia: Die wuchtige Statue, 18 Tonnen schwer, neun Meter hoch, steht als Wahrzeichen des Konzils im Hafen von Konstanz. Sie ist eine üppige Kurtisane. In ihren erhobenen Händen trägt sie zwei nackte Männlein als Zeichen ihrer weltlichen und geistlichen Kundschaft, und erinnert an 600 und mehr Prostituierte, die während des Konzils Konstanz bevölkerten. "Lebendiges Mittelalter" soll das Jubiläums-Thema sein.- Unser Zeugnis ist vielmehr das des Paulus: "Ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch mit einem Mann verlobt, um Christus eine reine Jungfrau zuzuführen". (3)

2017 Papst Martin V.: Eigentlich waren's drei "Heilige Väter". Zwei -Gregor XII. und Benedikt XIII., die sich gegenseitig als Ketzer beschimpften, dankten während des Konzils ab - oder wurden abgedankt. Der dritte war Johannes XXIII., der das Konzil einberief, das dann auf Druck Sigismunds in Konstanz stattfand. Gegen ihn wurde 1415 ein Prozess mit 70 Anklagepunkten -Ehebruch, Mord inklusive- geführt. Er ergriff die Flucht und wurde vom Konzil zum Tod verurteilt und abgesetzt. Darauf fiel die Wahl zum neuen Papst auf Oddo Clonna, der sich den Namen Martin V. gab. Nach dem Konzil war seine Regentschaft in Rom geprägt, seiner Familie Macht, Besitz und Ruhm zu verschaffen.- Wir halten uns an das Zeugnis der Schrift. Dazu Petrus: "Tut Busse, und ein jeglicher lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen" Apg 2,38. Und: "Verhaltet euch nicht wie früher, als ihr in eurer Unwissenheit nach den Leidenschaften lebtet; sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr heilig in eurem ganzen Lebenswandel" (4).

2018 Oswald von Wolkenstein: Ein Tiroler Ritter verfasste Gedichte in zehn Sprachen. Als gewiefter Weltenbummler nahm ihn auch Sigismund in seine Dienste. Wie er das Konzil erlebt und beobachtet, schildert er noch in Konstanz in 40 Gedichten - Bordell inklusive. Er war Minnesänger, worunter man Liebeslyrik für hohgestellte Damen und Kurtisanen versteht. Als Kostprobe der Beginn einer Lyrik: "Die Königin von Aragon war zart und schön; ergeben kniete ich und reichte ihr den Bart" etc. Wir möchten dieses letzte Jubiläumsjahr vielmehr mit Ps 128,12-14 aufklingen lassen: "Ihr Könige auf Erden und alle Völker, Fürsten und alle Richter auf Erden; Jünglinge und Jungfrauen, Alte mit den Jungen! Die sollen den Namen des Herrn loben, denn sein Name allein ist hoch, seine Hoheit reicht über Himmel und Erde hinaus!


1) 1. Kor 6,16; 2) 2. Kor 5,21; 3) 2. Kor. 11,2; 4) 1. Petr. 1,14.15