Der neue Papst - Fakten und Fragen

Wieder einmal eine geheimnisumwitterte Papstwahl, und die Welt im Banne des sixtinischen Ofenrohrs. Schnell schon weisser Rauch. "Habemus papam!" tönt derneue Papst vom Balkon über dem Petersplatz, und meint damit sich selbst. Aufbrausender Jubel der Zehntausenden. Da bricht auch Sophia Loren in Tränen aus.

So eindrücklich das Ereignis ist, es irritiert uns nicht. Päpste lösen sich ab, Fakt bleibt: Kirchen mit ihrer Sakramental-Theologie und Praxis sind Massenverführung. Das grandiose Fest stellt trotzdem auch Fragen an uns.

1. Die papale Pracht
Heerscharen von Priestern, Bischöfen, Kardinälen, wuchtig an Schönheit in prächtigem Rot, Blau, Violett (nicht vergessen: immer wieder Schweizer Gardisten, beingespreizt in Orange und Schwarz) - zugespitzt auf den Einen: den Papst in Weiss. Alles bis auf Centimeter aufgezäunte Liturgie, umrahmt von herrlichen Chören, Orgeln, Orchester, Pauken und Trompeten.
Frage: Erfüllen denn Lässigkeit an Gebaren und Kleid bei unseren Dienenden, -Leitung, Anbetung, Kasualien- die Priorität der "Schönheit des Gottesdienstes" (Francis...), sprich Ehrfrucht vor der Gegenwart Gottes. Improvisation und Laissez faire statt minimaler Liturgie (leitourgia = Gottesdienst)?

2. Das papale Regiment.
Jahrtausendalte, minutiös aufgebaute Hierarchie, aufgestylt bis zur Ex-cathedra-Gewalt der Papstes (Roma locuta, causa finita). Weltumfassende Konzilarität, Gehorsamsschwur - Demonstration der Einheit rund um die Welt.
Frage: Ist Respektlosigkeit gegenüber von Gott gesetzten Ämtern und Diensten, ist das Pfeifen auf jede Konziliarität, das Sammelsurium von Gemeinden, Kreislein, Krichlein mit all den tausend schristlichen Fähnchen nicht ein Schandfleck?

3. Die papale Gestalt
Und wieder einmal, hysterischer Rausch vom Petersplatz, inizial gezündet als Echo in allen Kontinenten. Ein Papst der Armen, der aus dem Papamobil zu den Menschen springt, Babies küsst und den man sich auf Fahrrad durch die Stadt sausen vorstellen kann. Papst der Herzen!
Frage: Vom Vorgänger gemassregelte Befreiungstheologen nannten Benedikt -wohl zu Unrecht- "Würgeengel der Kirche". Und Franziskus? Nicht voreilig urteilen und spekulieren, aber gut im Auge behalten: "Kein Wunder. Er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts" 2 Kor 11,14.