Wahrzeichen - Tarot an der Grenze

Der stolze gotische Turm des Münsters "Unserer Lieben Frau" bestimmt als Wahrzeichen die Silhouette von Konstanz, der mit 80 000 Einwohnern grössten Bodensee-Stadt, beliebtestes Ausflugsziel Süddeutschlands. Münster und Konzilgebäude sind geschichtsträchtig. Letzteres steht noch heute gut erhalten auf 1300 Holzpfählen, die 1388 in das Seeufer gerammt wurden. In den beiden historischen Gebäuden waren von 1414 – 1418 kirchliche und weltliche Fürstlichkeiten zum Konstanzer Konzil versammelt. In einem Konklave wurde der römische Adelige Otto Coronna zum Papst Martin V. gewählt und im Münster gekrönt, was das Schisma dreier gleichzeitigen Päpste beenden sollte. Kaiser Sigismund beorderte den tschechischen Reformator Johannes Hus unter Zusicherung freien Geleits vor das Konzil. Ohne Chance, sich zu rechtfertigen, wurde dieser als Ketzer zum Tod verurteilt. Hus nahm das Urteil kniend entgegen, mit den Worten: "Herr Jesus, ich bitt' dich um deiner Barmherzigkeit willen, verzeihe allen meinen Feinden!" Was im Gelächter der Kirchenfürsten unterging. Im heute benachbarten und nach ihm benannten "Hussenturm" hielt man ihn in Ketten fest, bis man ihn verbrannte. Vor seinem Tod prophezeite er, dass Gptt nach seinem Tode einen Mann senden werde, der stärker sei als er. "Heute bratet ihr eine Gans (Hus), aber aus ihrer Asche wird ein Schwan aufersteh'n". Was sich hundert Jahre später in Martin Luther erfüllen sollte.

1993 wurde eine 9 m hohe Skulptur als weiteres Wahrzeichen aufgerichtet, das den Eingang vom Konstanzer Trichter in den Konstanzer Hafen dominiert. Es stellt eine monumentale Schönheit dar, die sich im Dreiminutentakt um die eigene Achse dreht. Ihr Schöpfer, der Bildhauer Peter Lenk, bezeichnete sie als "ein Sinnbild weiblicher Fürsorge". So kann man das auch nennen. Aber nach Geschichtsschreibern es geht es um eine "Madame, um ein Wunderweib und eine Edeldirne" namens IMPERIA. Ihre Arme sind weit ausgebreitet. In der rechten und linken Hand kauern zwei Figuren mit Krone und Tiara. IMPERIA soll als Chef-Kurtisane ein Heer von Dirnen für amouröse Abenteuer der Konzilsgemeinde angeführt haben.

Ein gemeinsames Wahrzeichen bekamen Konstanz und Kreuzlingen am 28. April 2007. In einem Festakt mit 1800 Gästen, in Anwesenheit der beiden Stadtoberhäupter und der Schweizer Bundeskanzlerin, wurde anstelle des bisherigen Grenzzauns Deutschland/Schweiz "die erste Kunstgrenze der Welt" eingeweiht. Die Kunst besteht in 22 acht Meter hohen TAROT-Figuren aus Edelstahl, die entlang der 280 m langen Grenze die "grosse Arkada" darstellen: die Prozession eines Narren von Figur zu Figur, bezeichnet als Magier, Stern, Sonne, Mond, Rad des Schicksals, Tod und Teufel. Etwas verschämt führt der Konstanzer Künstler Johannes Dörflinger den imposanten TAROT-Reigen auf mittelalterliche kirchliche Prozessionen, Theater und Karneval zurück. Tatsächlich geht es um ein Gewusel von Kartenlegen, Astrologie, Horoskope, Wahrsagen und Esoterik.

Verführerische Wahrzeichen aus Sandstein, Beton und Edelstahl. Der Name Kreuzlingen leitet sich übrigens von einem Splitter des Heiligen Kreuzes ab, das ein Bischof Konrad I. um das Jahr 1000 vom dortigen Kloster dem Spital geschenkt haben soll. Christen haben ein anderes Wahrzeichen. Es ist das Kreuz von Golgatha, hoch erhoben durch die Gemeinde, die Er sich mit Seinem Blut erkauft hat! Dieses Wahrzeichen muss gesehen werden von allen Menschen, nach dem Zeugnis des wahren Konzils in Apg.15,12: "Da schwieg die ganze Menge still und hörte Barnabas und Paulus zu, die erzählten, wie grosse Zeichen und Wunder Gott durch sie getan hatte unter den Völkern!"