Kleine Kanzel

Das Wort Gottes muss laufen!

"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht." Matthäus 4,4

Kurz bevor sie 92jährig starb, setzte sich Marion Dönhoff, "die grosse alte Dame der deutschen Medien", unter dem Titel "Zivilisiert den Kapitalismus" mit der Gier unserer catch-as-catch-can Raffgesellschaft auseinander. Sie schreibt: "Wir wissen: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Da macht sie anstelle des Kommas den Punkt. Es ist nie gut, aus der Bibel Halbsätze zu zitieren. Ebenso wichtig wie die erste ist die zweite Aussage: "...sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht." Das Wort Gottes muss laufen! Es sagt auch warum:

Es ist wie Regen bei Jesaja. Diesen Sommer ging das Wort von der "Jahrhundert-Dürre" um. Jedenfalls quälende Trockenheit, die Ländereien zu Steppen machte, die Wasserpegel von Flüssen und Seen sinken liess, wo Bergmassen in die Tiefe stürzten und Wälder brannten, bis sich die Sonne verfinsterte. Gottes Wort ist wie Regen.

Es ist wie Speise bei Jeremia. Das täglich Brot wird genannt, ein lebenswichtiges Grundnahrungsmittel. Dazu nicht nur Fastfood, sondern Speise als Festmahlzeit. Wo Brot fehlt, hebt sich der Totenkopf des Hungers. Für Millionen.

Es ist wie Feuer und Hammer, der Felsen zerschmeisst. Auch heute gilt: "Brannte nicht unser Herz, als er uns die Schrift öffnete?" Wie ein Hammer. Ein Theologe seufzt über Predigten "als schier unerträgliches Liebesgesäusel." Hesekiel spricht von steinernen Herzen. Da brauche es das Wort Gottes wie Feuer und Hammer.

Paulus redet "vom Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes." Wenn das Schwert stumpf wird, ist es so wenig nütze wie das Salz, das die Würze verliert.

Die Gemeinde lebt von einem jedem Wort Gottes. Es kann ihr aber nie gleichgültig sein, wenn rund um sie das Totenfeld der Dürre, des Hungers, der Steinwüste herrscht. Es gehört mit zu ihrem Lebenselixier: "Das Wort Gottes muss laufen!"





Der wird gross sein...
Der wird gross sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Lk 1,32

Wieder erlebt die Menschheit einen Grossen. Gross in
Hass. Saddam Hussein hält die Welt in Atem: Sadam
überall. Massenvernichtungswaffen, ballistische Rake-
ten, chemische Kampfstoffe, Völkermord! Dass es nicht
um verbale Rabulistik geht, bewies er mit Morden bis
hinein in seinen Familienclan, dem Krieg gegen Iran mit
einer Million Toten und andern Schreckensszenarien. Man
mag rätseln, ob er die Tausende, die an seinem
Atomprojekt werkelten, in die Wüste schickte, nachdem
die Israelis 1981 seinen Reaktor kurz vor Inbetriebnahme
zerschlugen.

Wir sind als kleine Leute gross in unserer Berufung.
Maria, das junge Bauernmädchen wird durch sie so
geadelt, dass sie sich "von allen Kindeskindern geprie-
sen" weiss. Berufen vom Sohn des Höchsten! Zur
Gemeinschaft mit Ihm. Aus der Finsternis zu seinem
wunderbaren Licht. Zur Freiheit. Zum Frieden. Zum Segnen.
Zu Seiner Ähnlichkeit. Zu seinem Reich. Zum ewigen Le-
ben. Zu seiner ewigen Herrlichkeit. Maria bezeugt: "Denn
er hat grosse Dinge an mir getan, der da mächtig ist!" Und
Gerhard Teerstegen: "Auserkoren hochge-
boren standesgemäss man wandeln muss.

Der Text redet von dem einen wirklich Grossen. Werner
de Boor eröffnet den Johannes-Kommentar mit "seiner
ungeheuren Grösse": "Von dem Grössten, was es in der
Welt gibt, von dem einzig wirklich Grossen und Wichtigen
soll berichtet werden, von Jesus Christus, von seinem
Leben, Reden, Wirken, Leiden, Sterben und Auferstehen."
Der wird gross sein! Gross in der Schöpfung, denn ohne
Ihn ist nichts gemacht. Gross in Opfer und Vergebung:
"Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!"
Sohn des Höchsten. König der Könige, Herr der Herren.
König Israels. Herr der Nationen. Haupt der Kirche - und
damit auch von uns.

Wie denn kann's sein, dass Paulus seinen engsten
Mitarbeiter ermahnen muss: "Halt im Gedächtnis Jesus
Christus, der auferstanden ist von den Toten!" Könnte
es denn sein, dass wir ihn am Bürotisch, hinter dem
Kochtopf, beim Steineklopfen oder beim Predigen ver-
gessen? Niemals! Wir wollen gross von Ihm denken,
reden, predigen. Denn er muss gross sein!

Schneckenhäuser
Ich hielt nicht dafür, dass ich etwas wüsste unter euch als allein Jesus Christus, und ihn als Gekreuzigten. 1 Kor 2,2

"Raus aus dem Schneckenhaus!" Der Ruf in manchen Facetten wird lauter. Gemeint ist die Gemeinde.

Schneckenhaus? Ein lebenswichtiger Wunderbau für das Weinberg-Weichtier, Eigenheim und Schutz vor tödlichen Fressern und Wetter. Menschen, die Christen werden, müsste man sehr laut zurufen: "Rein ins Schneckenhaus!" Bevor sie Opfer von Hagel und Räubern werden. "Kommt her, ist denn auch der Ruf des Meisters.

Er ruft aber auch: "Geht hin!" - Raus! Von der Urgemeinde umständlich kapiert. Hätte der Himmel nicht die Panzerfaust einer Verfolgung inszeniert, wäre sie wohl im Schneckenhaus Jerusalem eingegangen. So aber zerstreute sie sich. Raus - nur wohin, wozu?

Die Streuung ist heute bunt: Christliche Politik, christliche Parteien, christliche Arbeiter, christliche Vereine, christliche Hilfswerke, christlicher Tierschutz, christlicher Tanz, christlicher Motorsport, christliches Internet - im Tausend.

Christliche Werte sind allemal gut. Tausendmal besser als unchristliche. Aber sie können ebenso zu Schneckenhäusern werden. Denn christliche Werte retten nicht. Retten kann allein Jesus Christus, darauf kommt's an!

Man stelle sich vor: Alle Christen, aus all‘ den Schneckenhäusern, vereinigten sich jedes Jahr zu Grosskundgebungen mit dem Ruf eines unvergesslichen Gerhard Bergmanns: "Die Welt sich selbst zerstört, wenn sie nicht auf Jesus hört!" Oder den eines Ludwig Hofackers: "Ich möchte schreien, dass man's vom Südpol bis zum Nordpol hört, dass es die verstörtesten Herzen durchdringt: Jesus nimmt die Sünder an! Grosser Name JESUS!" Raus also, um seinem letzten Befehl zu gehorchen: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt. Amen!" Matth 28,19+20