Wie ich die Entstehung der PENTECOSTAL EUROPEAN FELLOWSHIP erlebte

Wie ich die Entstehung der PEF erlebte

Ausbreitung der Pfingstbewegung
Der Dictionary of Pentecostal Movementsn nennt als einen der Gründe für die Ausbreitung der Pfingstbewegung die nationalen und internationalen Konferenzen, die von allem Anfang an unter der Inspiration dynamischer Gründerpersönlichkeiten zur phänomenalen Breitenwirkung wesentlich beigetragen haben. Vorläufer waren bedeutende Konferenzen der Heiligungsbewegung (Oxford 1874, Brighton 1875, Keswick 1876). Dann aber – vorerst oft in jährlichem Rhythmus – Konferenzen in Sunderland, England, Norwegen, Schweden und Finnland. Prägend für Deutschland und auch die Schweiz waren Konferenzen, die 1908 in Hamburg, dann vor allem ab 1909 die Mülheimer Konferenzen. Auch in Zürich 1910 und Basel1911 fanden wegweisende Konferenzen mit internationaler Beteiligung statt.

In unserer Zeit kam es wieder zu bedeutenden weltweiten und europäischen Konferenzen, die schliesslich zur WORLD PENTECOSTAL FELLOWSHIP und zur PENTECOSTAL EUROPEAN FELLOWSHIP PEF führten. Den anfänglichen Prozess der Letzteren habe ich persönlich miterlebt. Im folgenden Beitrag geht es mir nicht um eine geschichtliche Aufarbeitung, sondern vielmehr um einen Strauss pesönlicher, vor allem fröhlicher Erfahrungen bei der Entstehung und Entwicklung der PEF.

Geprägt durch Pfingstgemeinde
Ungesucht auf die kleine Pfingstgemeinde Keuzlingen am Bodensee zu stossen, wurde für Eltern, meine ältere Schwester und mich gleichbedeutend wie Jesus Christus zu finden. Für die Eltern eher stürmisch, für uns Kinder in der Folge fast natürlich wachstümlich. Als Berufswahl folgte ich der Empfehlung zu einer kaufmännischen Lehre, nach damaligem Brauch ohne wirklich zu wissen, um was es dabei ging. Tröstlich, dass ein Kollege Maschienenzeichner wählte in der Meinung, er dürfe nun allerlei Maschinen skizzieren. Der Vorstand der Pfingstgemeinde, zahlenmässig noch eine überschaubare Familie, holte mich im jugendlichen Alter zu seinen Vorstandssitzungen. Ich konnte immerhin stenografieren und eignete mich damit als Protokollführer. Nach kurzer beruflicher Tätigkeit mit selbstverständlichem Engagement am Leben der Gemeinde wurde der in mir wachsende Wunsch, eine Bibelschule zu besuchen, zur Kenntnis genommen und mir llustlos das ELIM Bible College in Clapham Common London empfohlen. Man hielt damals viel von persönlicher Berufung, weniger von theologischer Bildung. Immerhin wurde dies auch positiv zur Erlernung der englischen Sprache gewertet. ELIM dauerte denn auch nur ein Semester, erst später sollten es vorerst einmal zwei werden. Ernster Respekt vor jedem Wort der Heiligen Schrift, Geistestaufe und - gaben, frohe Gemeinschaft, viele Besuche von ELIM-Gemeinden, dazu evangelistische Einsätze auf der Strasse und in Gemeinden als festes Programm bestätigten und festigten das Profil eines jungen Pfingstlers, zu dessen Prägung schon die Heimatgemkeinde entscheidend vorgeleistet hatte. Heimgekommen, hatte ich als möglicher Kandidat dem Usus entsprechend beim damaligen Bewegungsvorsitzenden Karl Schneider in seiner Wohnung "Geduld" zur präsidialen Beobachtung Einsitz zu nehmen. Nach neun Wochen gab er mir als Möglichkeit eines Praktikums bei Pastoren dreier Predigtplätze zur Wahl, was ich zur Entscheidung ihm überliess. So kam ich 1960 zu Leonhard Steiner, einer der Väter der Schweizer Pfingstbewegung, einer aristrokratisch geprägten Persönlicheit mit akademisch gestylter Verkündigung in die Basler Gemeinde, die er selber gegründet hatte. Seine besonnene, wohltemperierte Persönlichkieit ertrug meine jugendliche erruptive Art mit Geduld, die sich vor allem an den Sonntag-Abend-Evangelisationen und in der allmählich wachsenden Jugend entladen durfte. Schon bald wurde ich in die Gemeinschaft des damaligen Ältesten- und Pastorenrates der Schweiz. Pfingstmission aufgenommen, damals noch keine zwanzig, vorab ältere Pastoren. 1964 in Basel ordiniert, wurde ich bald einmal Jugendsekretär und 1966 Sekretär der SPM.

Internationale Solidarisierung weltweit...
Die europa- und weltweite Verbindung der Pfingstbewegung war ab 1950 wieder stärker geworden, durch Begegnungen und Gemeinschaft ihrer leitenden Brüder wie durch internationale Konferenzen. So kam es zu den Weltpfingstkonferenzen. 1947 hatten Leonhard Steiner, Lewi Pethrus und Donald Gee zu einer ersten Weltkonferenz nach Zürich eingeladen. War diese vor allem zur Hilfe für die im Krieg heimgesuchten Geschwister initiiert, erwuchsen daraus die im dreijährigen Turnus stattfindende Welt-Pfingstkonferenzen, vorerst vor allem in Europa, dann in den andern Kontinenten.

...und in Europa
Aber auch in Europa wurden Einheitsbestrebungen intensiviert. Durch die Einladung zu zwei Konferenzen kamen auch wir als SPM 1969 mit ihnen in Verbindung.
Zum einen lud eine
European Pentecostal Fellowhip zu einer Tagung in Haarlem/Holland ein. Fast zeitgleich wurde die Schwedische Bibelwoche Nyhem zu einer europäischen Konferenz erweitert. Als SPM-Sekretär wurde ich zu beiden Konferenzen delegiert und holperte per Wohnwagen mit Frau und unsern zwei Kindern zu den holländischen Dünen und anschliessend in die Wälder Nyhems.

Initiative aus den USA...
In Haarlem stiess ich zu etwa 20 leitenden Brüdern der EPF, die unter der Führung von Eric Dando tagte. Meine arglose Frage, was es sich mit diesen beiden verschiedenen Initiativen auf sich habe, wurde gereizt abgeschmettert. Schnell merkte ich, dass die Nerven etwas blank lagen. Ich fand heraus, dass es sich bei der EPF um eine Initiative der Assemblies of God/Springfield handelte, die ihre Verbindungen mit Pfingstbewegungen Europas organisieren und stärken wollten. Ihre Dynamik hatte sie mit vielen europäischen Bewegungen verbunden, ohne dass diese sich der AoG angeschlossen hätten. Jedenfalls fanden bereits 1966 in Rom, 1967 in Fankfurt und 1968 in New Port/Wales EPF-Konfernzen statt.

...und aus Skandinavien
Die schwedische Konferenz war völlig anders. In den Wäldern um Nyhem war ein Grosszelt aufgestellt mit regem Konferenztreiben von vielleicht 15 000 Geschwistern. Die Bibelwoche widerspiegelte das schwedische Muster: Nicht ein ständig nationales, sondern ein ad hoc gewähltes Komitee war für die Leitung der aktuellen Konferenz verantwortlich. Es war die Initiative von Lewi Pethrus, dass zu dieser Konferenz auch die europäischen Pfingstbewegungen eingeladen wurden. Die Dynamik der schwedischen Pfingstler zu erleben, war erfrischend. Vor allem die Gebetszeiten waren "wie das Rauschen vieler Wasser", ja fast wie ein Donnern. Sylvia, meine Frau, anderswo im Zelt platziert, floh vor der ungewohnten Kulisse zu mir. Eine der Überraschungen war, dass ein internationales Komitee zur Vorbereitung einer nächsten Konferenz bestellt werden sollte. Unter den der tausendköpfigen Konferenz vorgeschlagenen Personen fiel auch mein Name. Ohne etwas gewusst zu haben oder gar mit der Nomination einverstanden zu sein, wurde auch ich einstimmig mit Handaufheben in das zu bildende Komitee gewählt. Bald wurde zu einem konstituierenden Treffen in ein kleines Kaffeezelt gerufen. Lewi Pethrus präsidierte und wollte als erstes einen Chairman haben. Er zeigte auf mich, der ich nur mit Sauls Worten reagieren konnte: "Ich komme aus dem kleinsten Land und bin dort der Geringste unter den Brüdern." Als Antwort klopfte Lew Pethrus apostolisch auf den Tisch, worauf die restlichen Brüder – ich kann mich nur noch an Hilding Johansson aus Schweden und Erwin Lorenz aus Deutschland erinnern – flugs zustimmten. Erst später hörte ich, dass sich Lewi Pethrus bei dem Schweizer "Schweden" Alfred Rhyner über mich inforfmiert hatte. Offensichtlich war meine stärkste Qualifikation, dass ich nicht mit einer Assemblies of God-Verbindung belastet war. Nun war ich zwar nicht auf der Suche nach Eseln, hatte auch keine Krone bekommen, aber immerhin das Mandat, mit dem Mini-Komitee eine Konferenz in drei Jahren vorzubereiten.

Wir gingen unverzüglich daran, leitende Brüder in ganz West- und Osteuropa zur Mitarbeit einzuladen. Es standen ja nach wie vor die zwei Initiativen im Raum. Die der amerikanischen Assemblies of God, die eine straffer organisierte Weltbewegung anzielten, und die Schweden, die dies entschieden bekämpften. Dies nicht aus Eitelkeiten, sondern aus Furcht, dass das Organisieren wie schon so oft in der Kirchengeschichte das Leben der weltweit aufbrechenden Erweckung abwürgen könnte. Ohne diese Internas genau zu kennen, steuerte ich sofort auch auf Eric Dando, New Port/Wales zu, der die Haarlemer Tagung präsidiert hatte. Offensichtlich war ihm der kleine aufsässige Schweizer nicht entgangen, auch nicht, dass ich spornstreichs nach Schweden weiterreiste. Noch in der Eisenbahn auf Heimreise sprach er mit dem Herrn: "Wie soll es mit diesen beiden Initiativen weitergehen? Sollte sich der junge Schweizer Aufmüpfer an mich wenden, wäre das immerhin ein Signal, aufeinander zuzugehen." Als er nach Hause kam, lag bereits ein Brief von mir in seiner Post.

Die
PEK Bern 1972 war in mancher Beziehung richtungsweisend. Es bildete sich ein PEK-Komitee mit einem gewählten Komitee von vorerst einmal etwa zwei Dutzend Brüdern. Vertreter der AoG-Iniative machten keine Probleme, in diesem Komitee mitzuwirken. Die Plenums-Gottesdienste mit Geschwistern aus allen Himmelsrichtungen waren grosse Festversammlungen. In Seminaren zeigten sich bereits eine internationale Zusammenarbeit: Evangelisation, Mission, Theologie, Pastoren, Hilfe für Ost-Europa, Jugend und Welt-Pfingstkonferenz. Auf dem Programm stand der weitere Aufbau des Komitees, das bald einmal zu einer starken Bruderschaft aus West- und Osteuropa heranwuchs.

Die nächste PEK fand 1975 in Hedmarktoppen/Norwegen statt - und dann folgen sie alle drei Jahre. Da dienten wortgewaltiger Redner und Theologen wie Reinhold Ulsonka aus Deutschland, herzenswarme Pioniere wie Vikko Manninen aus Finnland, Erweckungsprediger wie Percy Brewster und Erik Dando aus England und elder statesmen wie Francesco Toppi aus Italien. Und immer wieder auch Reinhard Bonnke - um nur einige wenige zu nennen. Pfingstliche Feuerunterstützung gab es auch immer wieder aus den USA, u.a. von Männern wie David Wilkerson, oder leitenden Brüdern der Assemblies of God und Church of God. Bewegend waren immer inspirierende und mitreissende Musik, seien es durch Chöre, oder Solisten wie Viktor Klimenko, Göran Stenlund und Wolfgang Blissenbach, um wieder nur einige zu nennen. Vor allem aber waren es die Tausende, die jeweils zu den Konferenzen zusammenströmten zu einem kräftigen Zeugnis, dass die Kraft des Geistes vor allem im Gesamtleib der Gemeinde offenbar wird.

Strauss persönlicher Erfahrungen
Nochmals, es geht nicht um eine geschichtliche Aufarbeitung, um geistliche Entwicklungen und Wertungen, sondern um einen Strauss schöner und auch fröhlicher Erfahrungen.

Die europäische Pfingstkonferenz in
1975 Hedmarktoppen, wurde bereits von einem Komitee von 26 Vertretern aus 16 Ländern geführt. Es war eine herrliche Konferenz! Unter andern mit Percy Brewster, unvergesslicher Pionier aus England und Jahrzehnte Sekretär der Weltpfingst-Konferenzen, der die Konferenz in Geistesfeuer setzte. Er sollte später noch auf dem Sterbebett die ELIM-Gemeinden aufrufen, das Land für Christus einzunehmen. In einem geselligen Ausflug auf einem Dampfer sass ich neben ihm. Er fragte: "Jacob, how old are you?" "45!" "Oh, you are just a boy!" Um mir zugleich als Alkoholvermeider Absolution für ein Bierchen zu erteilen, das ich unvorsichtigerweise bestellte.- Schliesslich, als die Konferenz sich aufgllöst hatte, wartete ich als einer der Letzten auf Hans Braterud, von dem ich nur weiss, dass er bei eienr Kollektenabgabe in einer Bank einen Räuber per Halleluja ausser Gefecht setzte. Er hatte sich anerboten, mich nach Oslo zu bringen. Endlich kam mit der Meldung: "Sorry, Jacob, aber mein Auto ist bereits voll!" Lächelte der bekannte Evangelist Aril Edwardsen neben mir: "Jacob, der hat ein grosses Herz, aber ein kleines Auto." Irgendwie kam ich doch nach Oslo.

1978 folgte Den Haag/Holland mit dem Thema "God's hour is now - Europe Missionfield Nr 1." An der PEK 1981 war das Komittee von 36 Mitgliedern aus 16 westlichen und 8 aus Ostländern schon um etwas grösser. Es war die Zeit des "Windmühlenpredigers Ylio Vaino, des Erweckungpredigers aus dem finnischen Norden. Auch des Sängers Viktor Klimenko, dessen Herz und Timbre Hallen mit Tausenden bewegte. - Da war auch eine Gebetszeit angesagt, mit vielleicht 2000 Betern. Jemand hatte angeordnet, dass zehn Mann in ihrer Heimatsprache am Mikrophon beteten, in ihrer Unverständlichkeit ein unfehlbares Mittel, jeden Gebetsgeist zu killen. Ich unterbrach am Mikrophon, übersetzt von einem jungen Engländer und fragte: "Kannst Du in neuen Sprachen singen?" "Yes!" So sangen wir - als Duett, sonst Stille in der ganzen Halle. Wir machten Pause, bis ich zu ihm meinte: "Wir versuchen's nochmal!" Wieder Duett, Stille. Da kam Eric Dando an das Mikrophon. Er stimmte an im Geist, immer wie auf zwei Orgeltönen. Da stimmte die Halle leise ein, bis der Chor der ganzen Gemeinde anschwoll und die Eishalle mit einem wunderbaren Lobpreis füllte.-

1984 Stuttgart/Böblingen
lautete das Thema: "Life trough Word and Spirit". Starkes Gebet, vor allem auch um Erfahrungen mit dem Heiligen Geist war in allen Konferenzen wichtig. Doch bleibt mir Stuttgart mit der Betonung der Geistestaufe in besonderer Erinnerung, wozu noch ein starker Akzent für die Jugend kam- Übrigens: Fragte mich Francesco Toppi: "Kannst du uns zur Konferenzhalle führen?" Nein sagen konnte ich nicht, fuhr also los, hinter mir die italienische Delegation im Auto. Als wir dann Stuttgart verliessen und uns Richtung München bewegten, hatten wir umzukehren. Meinte Francesco: "Jacob, ein schlechter Versammlungleiter bist du wohl nicht. Aber bestimmt kein guter Autofahrer."

1987 Lissabon
war - wie alle Konferenzen - etwas Besonderes. Viele Tausend Geschwister strömten zusammen, dazu u.a. ein 400köpfiger Konferenzchor. Für uns, die wir vor allem ein südländisch fröhlich lockeres Volk erwarteten, wurden von eiserner Disziplin überrascht. Da ich mal kein Label am Kragen hatte, wollten mich die Ordnunger partout nicht in die Konferenzhalle einlassen. Es brauchte schon Zuspruch eines halben Batallion Offizieller, bis sie mich gewähren liessen.- Ganz wesentlich war, dass sich EPF und PEK zu einer gemeinsamen Organisation PEF verbanden.- Noch etwas Persönliches: Ich sass auf der Konferenzbühne neben dem unvergesslichen ... Nebst dem Konferenzchor sang ein kleine Chorgruppe so mitreissend, dass der Funke auf die ganze Konferenzgemeinde übersprang, die machtvoll einstimmte. Gefolgt wurde dies von einer Gesangseinlage eines zentraleuropäischen Trupps: Marschlied-Takt, eher viereckige Köpfe. Mir kam's vor wie eine kühle Dusche. Was musste wohl mein warmblütiger portugiesisches Neben mir empfinden? Der neigte sich tatsächlich zu mir: "Wie solide das alles klingt! Bei uns haut alles so schnell ab in die Wolken!"

Jönköping 1991 trafen Gegensätze aufeinander, wie es sie an europäischen Konferenzen immer wieder ergaben. Der Sturz des "eisernen Vorhangs" machten Tore für Osteuropa weit offen. Jetzt bewegten sich zum ersten Mal ganze Kader schwarzgekleideter Brüder gut zu erkennenden östlichen Provenienz durch die Menge. Jönköping, ein beeindruckendes Exempel der starken Pfingstbewegung Schwednsdensmachte uns zudem durch ein vor allem aus Gläubigen bestückte blendendes Sinfonie-Orchester sprachlos. Ad hoc machten sie eine Pause und schleussten mich für ein paar Worte zwischen Geigen, Trommeln und Posaunen. ich kam mir allerdings selten so deplatziert vor.

1994 - Bordeaux eröffnete die Begrüssung zu unserer Verwunderung mit allerlei Champagner. Alle PEK-Plenumsversammlungen waren dann stark Bewegungen von grossen Scharen, die dem Altarruf zu Bekehrung, Heilung, Erfüllung mit dem Heiligen Geist folgten.

In
Fridek Mystek 97, einer der pittoresken Städte Tschechiens, erlebten wir die erste PEK jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Bruder Bubik, der Leiter der apostolischen Kirche und damit der tschechischen Pfingstbewegung fiel uns auf. Er hatte Gemeinde Jesu unter jahrzehntelanger kommunistischer Unterdrückung inkl. Gefängnis gebaut. In einer Folge-Pastorenkonferenz predigte ein Konferenzgast den Pastoren: "Zuerst kommt die Familie, dann die Gemeinde!" Flugs trommelte er seine Pastoren zusammen mit dem Credo: "Brüder, wo kämen wir hin, wenn bei uns so etwas begänne!" Wie oft konnte er im persönlichen Gespräch sagen: "Der Herr hat mir im Gebet gesagt." Er war ein Apostel, ein Schwätzer war er nie.

Unvergesslich auch
Berlin 2002. Während Reinhard Bonnke im offenen Stadion predigte, zogen rabenschwarze Wolken auf. Ein mächtiger Sturm brach los, man sah - nicht übertrieben -, wie sich am Horizont Bäume unter dem Sturm krümmten. Unbeirrt predigte Reinhard weiter, rief unter peitschendem Regen auf, Gott zu begegnen. Wieder ein Altarruf, dem viele folgten. Auch wenn der Sturm über das Stadion raste, hielt Gott seine schützende Hand über den Tausenden. Gleichzeitig schlug der Sturm in der Stadt zu, zerfetzte dort Festzelte mit Todesopfern.

"Und was soll ich mehr sagen? "Der Raum würde mir fehlen, wenn ich noch ausführlich erzählen wollte..." Hebr 11,32. Ich müsste noch von den vielen Komitee-Sitzungen reden. Von Bukarest und den rumänischen Gotteshäusern, als die Menschen noch unter Caucescu wie reife Kornfelder bis zur Kanzel standen. Von Budpest, als ein Minister an der internationalen Pastorenkonferenz in einer Sondersitzung mitteilte, die Regierung hätte das schwedische Geschenk einer handbetriebenen Vervielfältigungsmaschine grossmütig bewilligt.

Dann von den
nationalen Prägungen! Nur eine Rosine. Wie konnten uns die Engländer, vorbildlich in Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit wie Schweizer Uhren, mit ihrer Obsession quälen, jedes Jota in den... festzuzurren, als gälte es, jedes denkbare Missverständnis bis weit über das Tausendjähige Reich hinaus auszuschliessen. Obwohl im "Vorsitz", floh ich einmal inmitten der Debatten an die frische Luft, um mich durch Sauerstoff vor einem Kollaps zu retten. Wie gewaltig konnten sie zudem als Oratoren predigen! Und produktiv sein: So versprach Wyn Lews einmal 700 Pastoren, er werde an diesem einen Nachmittag aus Nieten erfolgreiche Pastoren machen. Na, dachte ich allerdings, Gott hat bei Mose etwas länger gebraucht.

Noch ein schöne Erinnerung: Einar Gisslason, dieser an Leibes- und Geistesfülle grosse Isländer und inselbekannte Leiter der dortigen Pfingstbewegung begrüsste uns in Reikjavik und übergab mir mit grosser Geste die Leitung der Tagung. Um eine halbe Stunde später zu einem Empfang zum lutherischen Landesbischof aufzubrechen. Dann pirschten wir mit kleinem Bus durch dichten Nebel den rülpsenden heissen Spring-Quellen nach. Irgend etwas war immer los. Abends dazu unvergessliche Gottesdienste mit der starken Gemeinde. Nicht ohne dem Komitee, das auf der Podiumsbühne Platz zu nehmen hatte, einzuschärfen, es hätte nicht zu klatschen, aber sich bitte am Kollekten-Opfer sichtbar zu beteiligen. Unvergesslich auch, wie eine Achse des Komitee-Busses auf der Fahrt zum Regierungspalast einbrach. Kein Problem. Ein kräftiger Landrover wurde vorgespannt, und so entstiegen wir dem havarierten Fahrzeug zu Füssen der Präsidentin, deren strahlendes Gesicht verriet, dass sie vom Pfingstapostel einen herzlichen Schmatz auf beide Wangen erwartete.

Zum Schluss: EPF quo vadis? Ich habe mal einen "Traum"beschrieben, mit dem ich schliessen möchte: "Mir träumt, alle Länder Europas hätten eine Pfingtstbewegung, verbunden in einer Union. Mit einem Glaubensbekenntnis. Sie hätten einen europäischen Rat mit Befugnissen. Und eine gemeinsame Gemeinde-, Evangelisations- und Missionsstrategie. Bildung in Seminaren wie flächendeckende Schulung der Jugend wäre koordiniert, wie auch die Finanzen einer Zentralbank und die Medien. Die Jugend nonstop evanglisierend auf den strassen Europas. Koordinierende Sekretariate in London, Brüssel und Prag. Jedes Jahr sammelten sich Hunderttausend – einmal im Zentrum, einmal im Osten oder Süden – zu einer Proklamation in der Kraft des Heiligen Geistes. Und mir träumt, dieser herrliche Funke springe über von den drei Millionen europäischen Pfingstlern zu den fünfhundert Millionen der ganzen Welt."

Tja, nur ein Traum. Aber würde er Wirklichkeit, es würde Europa und die Welt schütteln, das Gelächter der Hölle in Heulen verwandeln und den Jubel des Himmels anschwellen lassen zum Rauschen vieler Wasser.