100 Jahre Pfingstbewegung - Zwölf Monatskommentare

Nr. 1 Januar 2007
100 JAHRE EUROPÄISCHE PFINGSTBEWEGUNG ... und ihr hundertjähriges Jubiläum

Nicht eine Kathedrale. nicht ein geistesmächtiger Riese standen um 1906 an ihrer Wiege. Ein achtjähriger Bub,, ein einäugiger leicht hinkender schwarzer Prediger erlebten die Taufe im Heiligen Geist als Initialzündung eines Funkens, der weit über den armseligen Versammlungsplatz in einem Hinterhof Los Angeles weltweit dürres Holz entzündete. Der Kern an Gläubigen in vielen Freikirchen und Kirchen hungerte damals nach dem Feuer von Pfingsten. Auch in Europa. Es waren bald kantige Persönlichkeiten, die mit dieser Fackel vorwärts stürmten. Vor allem der Norweger T.B. Barratt, mit hohem Wuchs, markantem Antlitz - ein Apostel Europas. An seiner Seite der Schwede Lewi Pethrus, den ich noch erlebte. Bolzengerade stand er da, die offene Bibel in seiner Rechten, und wenn er so predigte, fand ich mich wie in einem silberhellen wunderbaren Strom.

Widerstand erhob sein eisernes Haupt. Barratt: Idiotenfabrik! Pethrus: Läusekönig! Deutschland: Berliner Erklärung! Aber sie standen wie Felsen in der Brandung. Johathan Paul in Deutschland, Douglas Scott in Frankreich, Giacomo Lombardi in Italien, Smith Wigglesworth in England, Anna Larssen in Dänemark, Ivan Efimovitsch Voranew in Russland, Clement Lecossec unter den Zigeunern - eine adäquate Namenliste von Männern und Frauen voll Heiligen Geistes füllte ein Buch. Urban brach sich der Heilige Geist Bahn. So bunt der kirchliche Hintergrund auch war, Theolgie und Erfahrung der Taufe im Heiligen Geist einte sie um das Epi-Zentrum: Jesus rettet, Jesus heilt, Jesus tauft im Heiligen Geist, Jesus kommt wieder.

Gefestigt in der ersten Jahrhunderthälfte als Grundwelle des Heiligen Geistes, wuchsen die Pfingstgemeinden in der zweiten zu einer Bewegung von weit über drei Millionen Gläubigen, Bald sprach man von einer zweiten und dritten Welle durch Kirchen und Freikirchen. Weltweit sind es über eine halbe Milliarde. Ein leuchtendes Zeugnis: "Geschehen nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth".


Nr, 2 Februar 2007
100 JAHRE - EUROPÄISCHE PFINGSTBEWEGUNG ... und ihre Konferenzen

Zwei Fakten, die eine enge Beziehung zu einander haben: Gott gebot im AT allen Männern Israels, sich jährlich dreimal – auf Schuhmachers Sandalen, bestenfalls Eselsrücken – in Jerusalem zu Festen zu sammeln. Und: Der Dictionary of Pentecostal and Charismatic Movements nennt einer der Gründe für das phänomenale Wachstum der Pfingstbewegung "ihre jährlichen Konferenzen".

Bedeutende Konferenzen begannen schon in der Heiligungsbewegung um 1875 – Oxford, Brighton, Keswick – ein Weckruf an die Gläubigen rund um die Welt.

Sie hatten ihre Fortsetzung, als Pfingsterweckungen überall wie Pilze aus dem Boden schossen. So die errsten Konferenzen 1910 in Zürich, 1911 in Basel. Bedeutend vor allem ab 1909 in Deutschland die "Mülheimer Konferenzen", von denen es heisst, dass "das Jubeln und das Halleluja-Rufen kein Ende nehmen wollte."

Nach dem Zweiten Weltkrieg – die Pfingstbewegung zählte um drei Millionen Zugehörige – begannen 1947 in Zürich die Welt-Pfingst-Konferenzen. 1949 wurde in Paris eine weltweite "Superdenomination" abgelehnt, aber ein dreijähriger Rhythmus eingeführt.

Fanden die Welt-Konferenzen anfänglich in Europa statt – Zürich, Paris, London, Stockholm –, folgten sie in allen Kontinenten. Dies rief zusätzlich zu Europa-Konferenzen. 1966 begannen Treffen und Seminare für Leiterschaft. Dann ab 1969 in Nyhem/Schweden die offenen Konferenzen für jedermann; 1972 Bern mit dem Thema "Das Evangelium in der Kraft des Heiligen Geistes"; 1975 Hedmarktoppen/Norwegen "Jesus Christus heute"; 1978 Den Haag/Holland "Europa, Missionsfeld Nr. 1"; 1984 Böblingen "Leben durch Wort und Geist" – bis 2003 Berlin "Europe Arise".

Ohne diese Konferenzen wäre die heutige Pfingstbewegung mit weltweit dreihundert Millionen ein unüberschaubarer sektenhafter Haufe. Sie hatten eine unüberschätzbare Bedeutung für die innere Geschlossenheit, für die Ausrichtung auf die "Lehre der Apostel", ebenso wie im gemeinsame Erleben der Gegenwart Gottes von Zehntausenden Geschwistern. Und gaben das fassbare Zeugnis für die gläubige, religiöse und säkulare Welt.

Die nächsten Konferenzen:
21st Pentecostal World Conference Surabaya, Indonesia.
July 16-19, 2007 Pfingst Europa Konferenz


Nr. 3 März 2007
100 JAHRE - EUROPÄISCHE PFINGSTBEWEGUNG ... und ihre Einheit

Das Zusammenrücken der Pfingstbewegungen Europas konnten wir in den Sechzigerjahren miterleben. Die eine Initiative kam von der Assemblies of God und richtete sich an Bewegungsleitungen. In einer "Ersten Europäischen Konferenz" 1969 in Rom, 1967 in Frankfurt, 1968 in New Port/Wales, 1969 in Haarlem/Holland und 1973 in Brussels/Belgien, weitere folgten. Die andere kam von Schweden, analog der Welt-Pfingstkonferenzen offen für jedermann. Die Nyhem-Konferenz, zu der sich jährlich über 20 000 Geschwister in einem Grosszelt versammelten, wurde 1969 zur ersten "Pfingst-Europakonferenz PEK".

Bald wurde, auch durch prophetisches Leiten des Heiligen Geistes klar, dass die beiden Strömungen in ein Flussbett gehörten. So kam es an der PEK 1987, einer kraftvollen Konferenz mit 12 000 Geschwistern in Lissabon zur Vereinigung in der PENTECOSTAL EUROPEAN FELLOWSHIP (PEF). Mit heute zwei starken Säulen:

Die Pentecostal European Fellowship (PEF): In ihr sind 30 europäische Länder mit 42 Leitern von Pfingstbewegungen vertreten. Präsident ist Ingolf Ellssel, Vize Max Schläpfer, Sekretär Arto Hämälainen, Finnland. Weitere Vorstandsmitglieder kommen aus Moldau, Serbien Monte Negro und Spanien. Diese Verbindung auf Leiterebene pflegt die geistliche Ausrichtung und Vision in gemeinsamem Gebet, bereitet internationale Konferenzen vor und betreut Arbeitszweige wie Mission, Hilfswerke, theologische Ausbildung und junge Pastoren.

Die Pfingst-Europakonferenzen (PEC) folgten Nyhem in dreijährigem Turnus als offene Konferenzen in der Schweiz, in Norwegen, Holland und Finnland. Zur PEC 2003 versammelten sich unter dem Thema "Europa, steh auf!" über 20 000 Geschwister in Berlin. Zur nächsten PEC vom 18. - 23. September 2007 sind die Pfingstgemeinden Europas nach Oslo eingeladen.

Die Einheitsbestrebungen der Pfingstbewegungen entwickelten sich fast zeitgleich mit der politischen "Europäischen Union (EU)". Während diese als endzeitliche Grossmacht täglich in den Schlagzeilen steht, bleibt die europäische Pfingstbewegung weithin unbekannt. Es ist endlich an der Zeit, dieses Mandat gemeinsam auszuleben. Die verbreitete "My home is my castle"-Mentalität kommt nicht vom Heiligen Geist. Dieser ruft uns als europäische Pfingstbewegungen dieses Jahr nach Oslo.


Nr. 4 April 2007
100 JAHRE - EUROPÄISCHE PFINGSTBEWEGUNG ... und Vision Europa

Es war in Kirchheim/Teck, als Ingolf Ellsel als neugewählter Präses des Bundes Pfingstlicher Freikirchen in Deutschland im Beisein von Hunderten von Pastoren zum neuen Amt gesegnet wurde. Unter den internationalen Gästen war Veikko Manninen, Sohn des Pioniers der finnischen Pfingstbewegung, die heute über 50 000 Geschwister zählt und 450 Missionare in 38 Ländern unterhält. Er war nach einem schweren Herzinfarkt - man sprach schon von der Vorbereitung seiner Beerdigung - durch das heilende Eingreifen Gottes genesen. Er erzählt: "Nach Botschaft und Segnung Ingolfs erwartete die grosse Konferenzgemeinde den abschliessenden Segen. In diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass ich vor kurzem eine Kravatte und ein Taschentuch mit demselben Design und der gleichen Farbe erhalten hatte. Ich bat die Konferenzgemeinde, mir die Unterbrechung zu verzeihen, aber ich wisse mich gedrungen, Ingolf diese Kravatte und Taschentuch zu übergeben. Dann sagte ich: ‚Ingolf, wenn immer Du diese Kravatte umbindest oder das Taschentuch gebrauchst, dann denke daran, dass Gott die ganze Welt liebt und erinnere Dich an die Berufung der Mission: Das Wort Gottes soll durch Dich auch ausserhalb Deutschlands gepredigt werden!’“

Nach der Wahl zum PEF-Präsidenten sprach Ingolf Ellssel vor der PEF-Versammlung in Prag 20.3.2002 über seine VISION FÜR EUROPA und sagte u.a.: "Der Antichrist weiss um die Macht der Einheit in seinem Weltreich der Endzeit. Im Gegenzug achtet er darauf, dass die Christen nicht zu einer starken Einheit finden. Paulus ruft in diesem Glaubenskampf die Christen auf, die Einheit im Geiste Christi mit hohem Fleiss aufzurichten und zu bewahren (Eph 4,3)." Sein Traum und Arbeitsziel sei es, dass wir eine Pfingstbewegung in Europa haben, die ihre Möglichkeiten für die Ausbreitung des Reiches Gottes bündle.

Als einer der praktischen Schritte zu diesem Ziel nannte Ingolf Ellssel eine "europäische Hauptstadt-Evangelisation" analog der PEC 2003, zu der sich über 20 000 Geschwister in Berlin einfanden. Die nächste PEC Europas findet vom 18. - 23. September 2007 im Kongress-Zentrum SPECTRUM Oslo (Norwegen) statt.

Nr- 5 Mai 2007
100 JAHRE PFINGSTBEWEGUNG - und Azusa

Hundert Jahre - kirchengeschichtlich ein Pappenstil. Umso mehr ist das phänomenale Wachstum von Null auf um eine halbe Milliarde – Zahlen Kopf bleiben schwierig, wer zählt Getaufte, wer auch Kinder, werNasen, wer Finger? – Grund für die Pfingstbewegung, ihrer Historie als mächtige Tag Gottes zu gedenken. Das Schlagwort taucht auf: AZUSA-Europe. Was soll Azusa?

Zur Geburt der Pfingstbewegung brauchte der Heilige Geist vor allem zwei Persönlichkeiten. Charles Fox Parham, methodistischer Pastor, viel unterwegs, ob er als Evangelist in Hallen zu Tausenden oder an Strassenecken vor Städten predigte, gab seiner Handvoll Studierender in seiner bescheidenen Bibelschule die Aufgabe: "Was ist das biblische Zeichen der Geistestaufe". Ein Thema, das rundum die Evangelikalen beschäftigte. Einhelliger Schluss: "Das Zeichen der Geistestaufe ist das Reden in neuen Zungen nach Apg 2,4". In der Gebetsnacht vom 31. Dezember 1900 wurde nach Auflegung der Hände durch Parham Angnes N. Ozman im Heiligen Geist getauft und fing an, in andern Sprachen zu reden. Parham gründete auch eine Bibelschule in Houston/Texas. Der "schwarze"William J. Seymour, einer aus dieser Schar wurde "Heiligungs"-Prediger. Mit sechs Leuten erlebte er in einem Heim an der Bonnie Brea Street die Geistestaufe mit Reden in neuen Sprachen. Die kleine Zelle explodierte und fand Unterschlupf in einer kleinen afrikanischen Hinterhofkapelle an der 312 Azusa Street LosAngeles. Drei Jahre sammelten sich Tag und Nacht Suchende aus ganz Amerika, aus allen Denominationen - und trugen die Botschaft nach Europa, China, Philippinen, Japan, Hongkong, Indien, Südafrika, Ägypten und Kanada. Die "AZUSA STREET-Erweckung" wurde zur Initialzündung der Pfingstbewegung.

Darum die "Los Angeles Azusa Street Centennial Celebration", zu der vom 25. - 29. April 2006 Tausende von Pfingstgeschwistern im Los Angeles Memorial Coliseum zusammenströmten. Jubel und Dank erhob sich für das Wunder der weltweiten Erweckung. Mit den Themen Hunger, Heiligkeit, Heiliger Geist, Heilung, Harvest/Ernte, Harmonie. Und dem einen grossen Ruf: Herr, tue es noch einmal!

Und jetzt AZUSA-Europa, die PEC vom 18. - 23. September im OSLO Spektrum. Ein grosses Fest des Dankes. Und glaubensvoller Ausblick auf das Kommende. Die Stimmen erheben werden Peter Kuzmik, Reinhard Bonnke, Ingolf Ellsel, Aril Edvardsen - und andere. In Azusa Los Angeles war ein Höhepunkt der Bekenntnismarsch von 60 000, von denen 30 000 Raum fanden zum Gottesdienst mit Abendmahl. - WIEVIELE WERDEN ES IN OSLO SEIN?



Nr. 6 Juni 2007
100 JAHRE EUROPÄISCHE PFINGSTBEWEGUNG -
und die Europäische Union


Am 25. März 2007 gab sich die Prominenz der 27 Mitgliedstaaten in Berlin ein glanzvolles Stelldichein. Die "50 Jahre EU" waren nach Angela Merkel nicht mehr als ein Wimpernschlag der Geschichte, Europa aber viel mehr als Milchkühe und Chemikalienrichtlinie. Romano Prodi, als Tribut an den Gründungsort Rom Erster am Rednerpult, verlangte, Europa müsse wieder etwas von seinem kreativen Wahnsinn wiederfinden. Die EU, die sich als Weltmacht aus der Asche des Zweiten Weltkriegs erhob, entwickelt sich nach dem prophetischen Wort der Kern des letzten antichristlichen Weltreiches.

Die Pfingstbewegung ist es seinen vier Millionen Gläubigen schuldig, nicht zu kuschen. Wir sind nicht Salz im Salzfass, sondern in dieser Welt. Tagt das Europäische Parlament auch in Strassburg, ist doch Brüssel die Schaltzentrale. Da arbeiten einflussreiche Kommissionen an Justiz, Freiheit, Sicherheit, Kultur, Umwelt, humanitärer Hilfe, Bildung, Medien, Entwicklungshilfe, Sozialem. Kirchen haben sich längst eingeschaltet und erreic ht, dass der Dialog vertraglich gesichert wird. Wiesollte die Pfingstbewegung stummer Zuschauer sein?

Im Januar 2006 eröffnete die PEF ihr Büro in Brüssel. Unser Mann ist Daniel Costanza, Sohn italienischer Missionare, zuerst Sprachlehrer in Frankreich. Ordiniert war er mit seiner Frau Antonella 9 Jahre in Toronto/Kanada vollzeitlich Pastor, zugleich Redaktor eines Magazins und Host eines TV-Programms. Im Septgember liess er sich von der PEF zu ihrem Koordinator berufen. Zu seinen Aufgaben gehört die Vertretung der PEF gegenüber der EU.

Initiator dazu ist Ingolf Ellssel:"Es war im Jahr 1998, als Gott mich in der Nacht weckte und mir den Auftrrag in mein Herz legte: Schaffe römisches Recht! Analog Paulus, der bei seiner Gefangennahme auf sein ihm zustehendes Recht verwies. Durch diesen Auftrag war ich vorbereitet, die für mich überraschende Wahl als PEF-Präses im März 2001 anzunehmen".

Unser gottgewollter Einfluss wird gebündelt vor dem Thron dessen, der die Geschicke der Endzeit souverän lenkt. Aber es ist auch wahr: "Wenn wir als Pfingstbewegung unsere Stimme einmütig erheben, werden wir nicht überhört werden." So David Cho für die Weltpfingstbewegung.

Dies gilt auch für Europa.



Nr. 7 Juli 2007 100 JAHRE - EUROPÄISCHE PFINGSTBEWEGUNG ...und die Geistestaufe

Grosses ist geschehen durch die Rechtfertigung der Reformation, die Glaubenstaufe der Täufer und Baptisten, die Evangelisation der Heilsarmee, die Heiligung der Methodisten und die Naherwartung der Wiederkunft Jesu durch die Darbisten. Und Grosses, indem der Herr durch die Pfingstbewegung die Taufe im heiligen Geist hinzufügte.

Die World Pentecostal Fellowship definiert sie so: "Wir glauben an die Taufe im Heiligen Geist mit dem Ausweis (evidence) des Zungenredens, "wie der Geist ihnen gab auszusprechen" nach Apg 2,4 und an die (operation der) Geistesgaben und Dienste." Lewi Pethrus, der Pionier der Schwedischen Pfingstbewegung gewichtete sie so: "Weder der individuelle Gläubige noch die Gemeinde Christi kann den von Gott gegebenen Auftrag erfüllen, ohne Taufe im Heiligen Geist." David Cho begann 1958 seine Evangelisationsarbeit mit fünf Mitgliedern in einem amerikanischen Marinezelt in den Slums von Seoul. Dass daraus eine Kirche mit 800 000 Gläubigen entstand, wäre nach seinem Zeugnis ohne die Taufe im heiligen Geist unmöglich gewesen.

Wider die ultimative Betonung des Zungenredens erhob sich von aussen erbitterter Widerstand. Auch innerhalb gab es – und gibt es – Strömungen mit der Devise "Suche sie nicht - verbiete sie nicht." Dass es dabei nicht um theologische Sandkastenspiele geht, zeigen amerikanische Pfingstbewegungen, die kompromisslos an der herausfordernden Formulierung festhielten. Ihre Dynamik ersieht man an einer Handvoll Zahlen. Assemblies of God (Springfield): Weltweit in 200 Ländern mit 2 035 Missionaren, 57 715 934 Gläubigen, 882 theologischen Seminaren und 48 785 Studierenden. Ebenso die Gemeinde Gottes (Cleveland). Da kann man von Armenien mit 12 Gemeinden und 1400 Gläubigen bis Rumänien mit 500 000 Getauften, 200 000 Besuchern, 800 000 Kindern und Jugendlichen, Dutzende von Ländern durchbuchstabieren.

Die Taufe im Heiligen Geist ist die Antwort auf eine geistesarme, oder geisteslose Kirche, auch der evangelikalen, und auch der pfingstlichen.

Sie wird es bleiben.



Nr. 8 August 2007 100 JAHRE - EUROPÄISCHE PFINGSTBEWEGUNG ...und Erinnerungen
PEC Oslo. Die bevorstehende Konferenz weckt nicht nur Erinnerungen an Marksteine grosser, eindrücklicher Events . Sondern auch an kleine, bescheidene, und doch unvergessliche Begegnungen.


Weltkonferenz Oslo. Zehntausend Besucher erwarteten den Beginn des Abend-Rallies. Im Vorraum sammelte sich eine Hundertschaft Offizieller zum Einmarsch zur Plattform. Meinen 60. Geburtstag hatte ich an diesem Tag für mich allein begangen. Plötzlich intonierte Charman Ray Hughes "Happy Birthday to you". Kräftig sang ein seltener Chor mit all den Tenören – inklusive Reinhard Bonnke, Yonggi Cho, auch Reinhold Ulonskas Bass fehlte nicht –, und als Geburtstagsgeschenk gab's eine gewaltige Bibel, signiert von all' den Sängern.


Europakonferenz Hedmarktoppen/ Hamar. Es war brütend heiss, Nachmittagsversammlungen – alles kurzärmelig, mit Ausnahme von Englands Gentleman Percy Brewster in schwarz und weissem Stehkragen. Kurzer Ausflug zwischen den grossen Anlässen; Kollege Henning fuhr mich zur Besichtigung im Auto durch die Stadt. Die Strassen sind quadratisch angelegt, alle hundert Meter eine unübersichtliche Kreuzung. Pausenlos redete Henning am Steuer auf mich ein, seine Augen auf mich statt auf die Strasse gerichtet. Mein Stossgebet: "Herr, bewahre meinen Fahrer, und sei's um eine Viertelstunde!" wurde erhört. Ohne Schaden fanden wir zur Konferenz zurück.


Ende der Konferenz; alle zerstreuten sich. Ich wartete auf Hans, den sympathischen Bibellehrer, der mir versprochen hatte, mich nach Oslo mitzunehmen. Neben mir Aril Edwardson, ein Evangelist, der so viel weit über Norwegen hinaus bewegt, Gewaltig wie ein Zigeunerbaron, hatte er gepredigt. Endlich kam Hans: "Jacob, tut mir leid, mein Auto ist schon voll!" Aril: "Jacob, er hat ein grosses Herz, aber ein kleines Auto!" Einer aber fuhr mich die 100 km nach Oslo: Henning.


Hans übrigens brachte die Münzen der Sammlungen auf die Bank und stand in der Schlange vor dem Schalter. Plötzlich zieht der Vordermann den Revolver: "Geld her!" Alles war konsterniert und perplex. Nur Hans, echter Pfingstler, brüllte: "Halleluja!!!" Der Räuber war geschockt und gelähmt. Ein beherzter Mann machte ihn mit einem Ständer kampf- und schadlos.


Diese Norweger!

Nr. 9 September 2007
100 Jahre Pfingstbewegung – und Diakonie
Die Pfingstbewegung ist
den drei Säulen verpflichtet: leitourgia = Gottesdienst, diakonia = Diakonie und martyrea = Zeugnis. Der Heilige Geist ist – auch – der Geist der Diakonie.

Das war an ihrer Wiege so. Lewi Pethrus war einer ihrer geistlichen Bahnbrecher. In Schweden war soziale Notzeit. Pethrus nahm Wohnung unter hilfesuchenden Arbeitslosen, half hunderten, bald tausenden. Die Öffentlichkeit nannte ihn nicht Apostel, sondern Läusekönig. Für ihn ein Ehrentitel.

Und das ist heute so. Um nur zwei der über 50 Sozialwerke des Bundes Pfingstlicher Freikirchen Deutschlands, als einer Bewegung eines Landes zu nennen:

Pastor Roman Siewert, Mitglied des Präsidiums BPF, gründete das Psycho-Soziale Rehabilitationszentrum Frankfurt/Main, sowie das Sozialwerk NAZARETH in Norddeich an der Nordsee. Heute schauen 75 Festangestellte und bis zu 25 Teilzeitkräften auf eine reich gesegnete Tätigkeit zurück. Um nackte Zahlen zu nennen: Aufnahme von 3 200 Flüchtlingen (Vietnam!), sowie 1 000 Asylbewerbern; 27 999 Mütter und Kinder in Mutter-Kind-Kuren; Clearingstelle mit 470 unbegleitete Flüchtlingskinder aus 50 Nationen; Internationale Kinder- und Jugendhilfe für 400 Kinder; Heim für 20 Senioren; Betreuung von 600 Kindern im Kindergarten und 24 000 Gästen. Roman Siewert wurde das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sein und seiner Mannschaft Dienst gilt aber zu allererst dem Kreuz von Golgatha, dem Mann von Nazareth.

Pastor Waldemar Sardaczuk, auch er langjähriges Mitglied des Präsidiums BFP, gründete das Aktionskomitee für verfolgte Christen AVC/Nehemia - und inspiriert auch heute die 1 300 Vollzeitmitarbeiter. Auch hier ein paar Fakten: Vorerst geistliche und humanitäre Hilfe an Untergrund-Gemeinden und ihren Familien hinter dem Eisernen Vorhang, jetzt Verfolgten unter kommunistischen Regimes – wie China, Nordkorea, Kuba –, in islamischen Ländern oder auch Gebieten orthodoxer und katholischer Dominanz. Gemeindegründungen und Diakonie gehen Hand in Hand: So in Sibirien hunderte Gemeinden, in Äthiopien Gemeinden mit 500 000 getauften Mitgliedern. In eigenen Fahrzeugen sind 2 500 Hilfsgüter unterwegs. Täglich werden 10 000 Kinder verbindlich betreut.

Was Waldemar Sardaczuk sagt, gilt für die grosse weltumspannende Pfingstbewegung: Ein Strom der Liebe fliesst zu den oft Vergessenen und Benachteiligten mit der Verpflichtung, Brot des Lebens und Brot zum Leben weiterzugeben.

Nr. 10 Oktober 2007
100 Jahre Pfingstbewegung - und (Aus-)Bildung
Von allem Anfang an waren Pfingstgemeinden auch Stätten der biblischen Lehre, nach Apg 2,42: "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel...". Sie wurden zu einem mächtigen Faktor für junge und alt, für Gemeindeglied bis zu Diensten aller "Stufen". Zwei Beispiele:

Royal Rangers
1962 gründete der AoG-Jugendpastor in Springfield die RR-Bewegung, um Kinder und Jugendliche das Evangelium nach pfadfinderischen Prinzipien vertraut zu machen. Das Emblem zeigt eine Windrose mit vier goldenen Zacken, was körperliches, geistiges, geistliches und gesellschaftliches Training aufgrund der Erlösung, des Heiligen Geistes, der Heilung und der Wiederkunft Jesu bedeutet. Dazu acht Regeln: wachsam, rein, ehrlich, tapfer, treu, höflich, gehorsam, geistlich. Kontinuierlich werden die Jugendlichen weitergeführt: Vorstarter 5-6-, Starter 7-8-, Kundschafter 9-11-, Pfadfinder 12-14-, Pfadranger 15-17-jährig; ab 18 Jahren Leiterschaft. 1981 blühte mit der Gründung des ersten Stammposten durch Richard Breite RR in Deutschland auf. Zum Bundescamp 2005 in Thüringen sammelten sich 10 000 RR. 1981 folgte die Schweiz, 1985 Österreich. Durchbruch in Europa schuf vor allem der "RR-Apostel" Hanspter Neck. International gibt es RR in 68 Staaten mit 230 000 Kindern und Jugendlichen. GUT PFAD - ALLZEIT BEREIT!

European Pentecostal Theolocical Association
In vielen Ländern der Welt gibt es pfingstliche Bibelschulen und theologische Seminare. Man muss einmal in Cleveland/Ten. in den USA das Universitätsgelände der Church of God besucht haben, das man über eine eigene Autobahnausfahrt erreicht. In Europa arbeiten in der EPTA 18 theologische Fakultäten zusammen. Unter ihnen das Theologische Seminar Beröa Erzhausen, sowie das Theologische Europäische Seminar Freudenstadt mit einem Angebot von Grundkursen für Gemeindearbeit bis zu einem Magisterprogramm. In vielen Pfingstbewegungen ist für Pastoren ein Studienabschluss eine der Voraussetzungen.

Alle Bildungsstätten sind pfingstlich charismatisch ausgerichtet unter dem Mandat Jesu: "Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch kommen wird, und werdet Zeugen sein...bis an das Ende der Erde!" Apg 1,8

Nr. 12 Dezember 2007
100 Jahre Pfingstbewegung - und die andern
Die Gründer der Pfingstbewegung waren nicht fröhlich ausgezogen, eine neue Denomination ins Leben zu rufen. Der Ruf nach einem neuen Pfingsten, einer neuen Ausgiessung des Heiligen Geistes war ja ein gemeinsames brennendes Anliegen der damaligen Evangelikalen. Die Erweckung, die an der Azusastreet und gleichzeitig über den ganzen Erdball begann, war von der Vision begleitet, das Volk Gottes in allen Denominationen werde von ihr heimgesucht. Die rabiate Ablehnung stellte sie vor die Alternative der Verleugnung ihrer Erfahrung der Taufe im Heiligen Geist oder der Trennung. Die Pfingstbewegung als Denomination war damit geboten.

Die Pfingstbewegung und die Evangelikalen
Der garstige Graben wurde in den siebziger Jahren allmählich überwunden. Nicht zuletzt durch den Amsterdamer Billy Graham-Kongress, der die Teilnehmenden zur gemeinsamen Evangelisation in ihren Heimatländern heimschickte. Daraus entstanden im Rahmen der Evangelischen Allianz und den Freikirchen national und vor Ort fruchtbare Arbeitsgemeinschaften, eins in den evangelikalen Fundamentals, ohne kirchenspeziefischen Positionen unter den Scheffel stellen zu müssen.

...und charismatische Bewegungen
Die ab 1960 aufbrechende Erneuerungsbewegung iinnerhalb der anglikanischen, röm.-katholischen und lutherischen Kirchen, den Freikirchen, später auch in der "Dritten Welle", aktualisierten eine Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes, für die Gestesgaben und die Kraftwirkungen, in der wir ein Wirken Gottes erkennen. Zu einer eigentliche Einheit kann es dort nicht kommen, wo liberaler Umgang mit der Heiligen Schrift, Sakramentalismus oder Hierarchie bis zum Papsttum und Marialogie weiter gepflegt werden. Es ist oberflächlich, die Pfingstbewegung und die charismatischen Bewegungen in einem Atemzug zu nennen.

...und Landeskirchen und Ökumene
Bruderschaft mit erweckten Gläubigen, Pastoren und geistlichen Aufbrüchen ist göttlich gegeben. Mit Kirchen und Organisationen, in denen Sakramente, angefangen bei der verhängnisvollen Baby-Taufe und ihrem völlig unbiblischen Gemeindeverständnis Norm sind, fordert dies unsererseits nicht Berührungsängste, ist aber eine wirklich geistliche Einheit nicht möglich. Gegenüber einem religiösen Einheitsbrei verschweigen wir die Sorge gegenüber der aufkommenden Einheitsreligion der Endzeit nicht.